Probezeit

Verfasst am 8. Juli 2016

Definition "Probezeit"
Die Probezeit ist eine Zeitspanne zu Beginn eines Anstellungsverhältnisses, in der Arbeitnehmer und Arbeitgeber prüfen können, ob eine dauerhafte Zusammenarbeit gewünscht wird.
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Die Probezeit ist eine befristete Zeitspanne, in der der Arbeitnehmer seine Eignung für die angestrebte Arbeitsstelle beweisen muss. Das Arbeitsverhältnis auf Probe dient in erster Linie der Erprobung der Fähigkeiten des Arbeitnehmers. Wichtig sind jedoch auch seine Eingliederung in das Arbeitsumfeld und der Umgang mit Kollegen. Auf der anderen Seite kann der Arbeitnehmer überprüfen, ob ihm das Arbeitsumfeld zusagt und er bei dem Arbeitgeber dauerhaft beschäftigt werden möchte. Um die Beendigung der Arbeit auf Probe zu erleichtern, müssen keine Gründe für eine Kündigung angegeben werden. Dennoch gelten die üblichen Arbeitnehmerrechte in der Elternzeit, Schwangerschaft oder bei einer Schwerbehinderung. Bei weiteren Fragen zur Probezeit in der Elternzeit, Schwangerschaft oder bei einer Schwerbehinderung stehen Ihnen die Rechtsanwälte bei unserer Hotline gerne zur Verfügung. 

Probezeit bei befristetes Beschäftigungsverhältnis

Man unterscheidet zwischen zwei Arten der Probezeit. Zum einen gibt es ein befristetes Probearbeitsverhältnis. Der Vertrag läuft hier automatisch nach dem Ablauf der vereinbarten Zeit aus und ein Vertrag für eine Weiterbeschäftigung muss separat abgeschlossen werden. Durch die allgemeine Befristung des Vertrages kann sich der Arbeitnehmer nicht gegen die Kündigung wehren. Auf der anderen Seite ist jedoch auch eine ordentliche Kündigung durch den Arbeitgeber ausgeschlossen, es sei denn, diese Möglichkeit wurde vorher vertraglich vereinbart.

Probezeit bei unbefristetes Beschäftigungsverhältnis

Zum anderen gibt es ein (ggf. unbefristetes) Beschäftigungsverhältnis mit vorgeschalteter Probezeit. Hierbei wird, wie bei jedem neuen Arbeitsverhältnis, der Kündigungsschutz in den ersten sechs Monaten ausgesetzt. Die Probezeit an sich kann jedoch länger dauern. Bei einer Kündigung während der Probezeit muss in diesem Fall der Betriebsrat angehört werden. In den ersten sechs Monaten der vorgeschalteten Probezeit gilt eine gesetzliche Kündigungsfrist von 14 Tagen.

Dauer der Probezeit

Die Dauer richtet sich in der Regel nach der Schwierigkeit der Tätigkeit. Bei einfachen Tätigkeiten ist eine Probezeit von drei bis vier Monaten üblich, bei komplexeren Tätigkeiten kann die Probezeit sechs bis neun Monate andauern. Nach § 622 Abs. 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) kann jeder Arbeitgeber, unabhängig von dem Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, seine Mitarbeiter für sechs Monate auf die Probe stellen. Eine verlängerte Probezeit ist möglich, wenn der Arbeitgeber etwa im künstlerischen oder erzieherischen Bereich tätig ist. Für Auszubildende gibt es gesonderte Regelungen, die Zeitspanne beträgt bis zu vier Monaten.

Verlängerung oder Verkürzung  der Probezeit

Eine Verlängerung oder Verkürzung der vertraglich vereinbarten Probezeit ist prinzipiell möglich, allerdings müssen sich hier beide beteiligten Parteien einig sein. In der Regel wird in diesem Fall ein Aufhebungsvertrag abgeschlossen und ein neuer Arbeitsvertrag vereinbart. 

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Top-Fragen zum Thema Probezeit für Arbeitnehmer

1. Darf ich in der Probezeit Urlaub nehmen

Ja, auch während des Probearbeitsverhältnisses besteht ein Urlaubsanspruch. Sie können bis zu einem Zwölftel des Jahresurlaubes pro Monat in Anspruch nehmen. Der Anspruch auf Urlaub entsteht, sobald das Arbeitsverhältnis beginnt und darf vertraglich nicht während der Probezeit ausgeschlossen werden. Der Arbeitgeber darf den Urlaub nicht versagen, außer es liegen dringende betriebliche Gründe vor. Im Fall einer Kündigung während der Probezeit muss der Arbeitgeber Ihnen die verbleibenden Urlaubstage auszahlen. Nehmen Sie Kontakt zu einem Rechtsanwalt bei der telefonischen Rechtsberatung auf, um weitere Fragen zu Ihrem Urlaubsanspruch zu beantworten zu lassen. 

2. Wirkt sich die Probezeit auf meine Bonität (Kreditwürdigkeit) aus?

Falls Sie während der Probezeit einen Kredit benötigen, kann es zu Problemen kommen. Für Kreditinstitute ist, vor allem bei größeren Beträgen, eine langfristige Bonität wichtig. Bei einer Beschäftigung in der Probezeit ist dies nicht gegeben. Eine pauschale Aussage kann hier dennoch nicht getroffen werden, sodass sich eine individuelle Verhandlung mit Ihrer Bank lohnen kann.

3. Wie lange darf meine Probezeit dauern?

In den meisten Fällen dauert die Probezeit sechs Monate lang, da danach der normale Kündigungsschutz greift. Es ist jedoch möglich, eine etwas kürzere oder längere Probezeit mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren. Auch bei einer verlängerten Probezeit gilt der Kündigungsschutz weiterhin ab dem siebten Monat. Zusätzlich sollten Sie beachten, dass bei bestimmten Tätigkeiten die Probezeit auch länger als sechs Monate dauern kann. In einem solchen Fall ist es sinnvoll, einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht zu kontaktieren und die Länge der Probezeit im Arbeitsvertrag überprüfen zu lassen

4. Was passiert, wenn ich während der Probezeit krank werde?

Auch während der Probezeit kann man krank werden. Sie sollten auf jeden Fall zu Hause bleiben, wenn Sie arbeitsunfähig sind. Melden Sie sich direkt zu Arbeitsbeginn krank und  gehen Sie zum Arzt. Lassen Sie sich eine Krankmeldung ausstellen, um den Arbeitgeber und die Krankenkasse zu informieren. Dennoch sollten Sie beachten, dass der Arbeitgeber die Kündigung innerhalb der Probezeit ohne Grund aussprechen kann. Je nachdem, wie hoch die Anforderungen sind, kann eine Krankheit in einem solchen Fall schon ausschlaggebend für eine Kündigung sein. Eine Ausnahme liegt nur während einer Schwangerschaft oder der Elternzeit vor. 

Top-Tipps zum Thema Probezeit für Arbeitnehmer

1. Lassen Sie Ihren Arbeitsvertrag von einem Rechtsanwalt prüfen.

Eine Prüfung Ihres Arbeitsvertrages von einem Fachmann ist in jedem Fall ratsam, um Überraschungen zu einem späteren Zeitpunkt zu vermeiden. Benutzen Sie hierzu unser Angebot der Online-Rechtsberatung. Der Rechtsanwalt kann unter anderem überprüfen, ob die Regelungen zur Probezeit dem Gesetz entsprechen. 

2. Nutzen Sie die Probezeit weise.

Wenn Sie in der Probezeit sind, bedeutet dies nicht, dass Sie sich keinen Urlaub nehmen dürfen oder weniger Rechte genießen als andere Mitarbeiter. Die Probezeit stellt im Gegenteil sowohl für den Arbeitgeber als auch den Arbeitnehmer eine Gelegenheit dar. Beide Parteien können herausfinden, ob sie zueinander passen und hinreichende Qualifikationen besitzen. Es ist also ratsam, sich so gut wie möglich in das normale Arbeitsgeschehen zu integrieren. 

3. Lassen Sie sich nicht auf eine zu lange Probezeit ein.

Die Länge der Probezeit ist branchenspezifisch und hängt von der Komplexität der Arbeit ab. Bei einer einfachen Tätigkeit sollte die Probezeit nicht mehr als drei oder vier Monate betragen. Die Höchstdauer liegt bei sechs Monaten, danach wird der Kündigungsschutz wirksam. Bei einigen Tätigkeiten aus dem künstlerischen oder erzieherischen Bereich kann die Probezeit jedoch auch länger ausfallen. Lassen Sie Ihren Arbeitsvertrag in jedem Fall bei der Online-Rechtsberatung von einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht prüfen, um nicht unnötig lange in der Probezeit festzusitzen. 


Für Arbeitgeber

Top-Fragen zum Thema Probezeit für Arbeitgeber

1. Wie wirkt sich Krankheit in der Probezeit auf den Kündigungsschutz aus?

Da der allgemeine Kündigungsschutz während der ersten sechs Beschäftigungsmonate nicht greift, schützt auch Krankheit in der Probezeit nicht vor Kündigung (solange die Probezeit weniger als 6 Monate beträgt). Sie dürfen den Arbeitnehmer während der Probezeit also auch im Krankheitsfall ohne Angabe von Gründen kündigen. Weitere Fragen zum Thema Probezeit beantwortet einer unserer kompetenten Rechtsanwälte für Arbeitsrecht bei der telefonischen Rechtsberatung gerne.

2. Muss ich bei einer Kündigung während der Probezeit Gründe nennen?

Die Angabe von Gründen für eine Kündigung während der Probezeit ist nicht erforderlich. Es gilt jedoch, die Kündigungsfrist einzuhalten. Diese beträgt in der Regel 14 Tage. Eine Ausnahme liegt jedoch vor, wenn der Arbeitnehmer schwanger ist, sich im Mutterschutz befindet oder schwerbehindert ist. In einem solchen Fall ist eine Kündigung nicht möglich. Auch eine Kündigung aus diskriminierenden Gründen ist nicht zulässig. Lassen Sie die Kündigung am besten im Voraus von einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht überprüfen. 

3. Kann ich die Probezeit mündlich vereinbaren?

Die Probezeit muss in jedem Fall schriftlich vereinbart werden. Die Länge wird meist in einer separaten Klausel im Arbeitsvertrag festgelegt. Bei Fragen zur Gestaltung des Arbeitsvertrags sollten Sie einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht hinzuziehen, der Sie unterstützt. Lassen Sie den Arbeitsvertrag in der Online-Rechtsberatung von einem qualifizierten Rechtsanwalt überprüfen.

4. Kann ich die Probezeit verlängern?

Eine Probezeitverlängerung ist generell möglich. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die gesamte Probezeit die Dauer von sechs Monaten nicht überschreitet. Ansonsten tritt der gesetzliche Kündigungsschutz in Kraft und für die Kündigung müssen triftige Gründe angegeben werden. Außerdem muss die Verlängerung der Probezeit der weiteren Erprobung des Arbeitnehmers dienen und einvernehmlich beschlossen werden.

Top-Tipps zum Thema Probezeit für Arbeitgeber

1. Nutzen Sie eine Probezeit von sechs Monaten.

Vereinbaren Sie in jedem Fall eine Probezeit von sechs Monaten. Das ist besonders ratsam, da in den ersten sechs Monaten eines Beschäftigungsverhältnisses der Kündigungsschutz nicht greift. Sie sind somit berechtigt, dem neuen Mitarbeiter innerhalb von 14 Tagen kündigen, wenn dieser sich nicht als qualifiziert erweisen sollte. Bei schwierigen Tätigkeiten dürfen Sie sogar eine längere Probezeit verlangen.

2. Wägen Sie ab, ob sich ein befristetes Probearbeitsverhältnis lohnt.

Neben dem klassischen Modell, bei der die Probezeit zum Arbeitsverhältnis gehört, gibt es die Möglichkeit, ein befristetes Probearbeitsverhältnis zu vereinbaren. Dabei wird ein gesonderter Vertrag für die Probezeit geschlossen und das Arbeitsverhältnis endet automatisch nach der gesetzten Frist. Der Vorteil für Sie ist dabei, dass der Arbeitnehmer nicht gegen die Kündigung nach Fristablauf vorgehen kann. Außerdem können Sie dessen Fähigkeiten in Ruhe erproben, ohne sich Gedanken über einen Arbeitsvertrag  machen zu müssen. Lassen Sie sich am besten von einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht beraten, der Ihnen die einzelnen Vor- und Nachteile der beiden Modelle aufzeigen wird. 

3. Denken Sie daran, dass auch Sie sich in der Probezeit befinden.

Viele Arbeitgeber sehen die Probezeit als Möglichkeit an, neue Arbeitnehmer gründlich zu testen. Auf der anderen Seite sollten Sie jedoch auch beachten, dass auch der Arbeitgeber einer genauen Prüfung unterzogen wird. Daher sollten Sie sich in der Probezeit bemühen, sich selbst und das Unternehmen gut darzustellen, um für den Arbeitnehmer attraktiv zu erscheinen. Ein solches Verhalten zahlt sich insbesondere bei begehrten Fachkräften aus. 

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