Ausdruck eines Arbeitszeugnisses mit Füllfederhalter.

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Arbeitnehmer haben bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf Ausstellung eines schriftlichen Zeugnisses durch ihren Arbeitgeber, das sogenannte Arbeitszeugnis. Auf Verlangen muss das Zeugnis auch Angaben zu Leistung und Verhalten enthalten, also ein sogenanntes qualifiziertes Zeugnis sein. Der Anspruch ergibt sich aus § 109 der Gewerbeordnung.

Bei anderen Beschäftigten gibt es eigene Rechtsgrundlagen, beispielsweise für Auszubildende § 16 Berufsbildungsgesetz, der auch für Praktikanten, Volontäre und Werkstudenten Anwendung findet. Arbeitnehmerähnliche Personen stützen sich auf § 630 BGB.

Zeugnisinhalt

Der Umfang eines Zeugnisses hängt davon ab, ob es sich um ein einfaches Zeugnis handelt, welches lediglich über Art und Dauer der Beschäftigung des Arbeitnehmers Auskunft gibt oder aber ein qualifiziertes Zeugnis.

Qualifiziertes Zeugnis (Leistung und Verhalten)

Wenn der Arbeitgeber die Leistung des Arbeitnehmers bewertet, so gehören hierzu sämtliche Faktoren, welche die berufliche Verwendbarkeit des Arbeitnehmers umschreiben, etwa:

  • Fertigkeiten, (Fach-)Kenntnisse
  • Arbeitsbereitschaft
  • Qualität der Arbeit Arbeitsweise, Arbeitstempo, Effizienz
  • Arbeitsergebnisse, erzielte Erfolge
  • Arbeitsvermögen, Vielseitigkeit
  • Berufliches Engagement
  • Ausdrucksvermögen, Auffassungsgabe
  • Verhandlungsgeschick
  • Besondere Fertigkeiten

In Bezug auf das Verhalten wird das Sozialverhalten des Arbeitnehmers beurteilt, also sein Verhalten zu Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern. Hierzu fällt die Kooperationsbereitschaft und Kompromissbereitschaft, bei Führungskräften auch das Führungsverhalten. Bloße Vermutungen sind im Zeugnis nicht zu erwähnen, ebenso bleiben einmalige Vorfälle oder Umstände regelmäßig unerwähnt.

Wohlwollendes Zeugnis und Wahrheitspflicht

In der Praxis gibt es häufig Streit über einzelne Formulierungen in einem Arbeitszeugnis. So hat der Arbeitnehmer Anspruch auf ein wohlwollendes Zeugnis. Das berufliche Fortkommen eines Arbeitnehmers soll nicht unnötig erschwert werden, so bereits der Bundesgerichtshof in einer Entscheidung aus dem Jahr 1963 (BGH vom 26.11.1963 – VI ZR 221/62).

Daneben muss das Zeugnis aber auch der Wahrheit entsprechen. Der Aussteller hat sich um größtmögliche Objektivität zu bemühen und so darf das Zeugnis nur Tatsachen, aber nicht Behauptungen oder Verdachtsmomente enthalten.

Zeugnissprache

Das Gesetz (§ 109 Abs. 2 GewO) sagt zur Zeugnissprache, dass das Zeugnis klar und verständlich formuliert sein muss. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

„Geheimcodes“ darf es in einem Zeugnis daher eigentlich nicht geben. Allerdings finden sich aufgrund des Doppelcharakters des Zeugnisses – es soll zum einen wahr sein, zum anderen von verständigem Wohlwollen für den Arbeitnehmer geprägt sein – in der Realität häufig schablonenhafte Redewendungen und wenig aussagekräftige Standardsätze. Auch das bewusste Weglassen bestimmter Angaben kann eine Wertung enthalten.

Daher empfiehlt es sich, ein Zeugnis durch einen Fachmann überprüfen zu lassen, wenn Sie keine nähere Kenntnis von Zeugnisformulierungen besitzen. Dies ist auch für den Fall ratsam, dass Sie selbst Formulierungsvorschläge für Ihr Zeugnis einreichen können.

Am Ende eines Arbeitszeugnisses findet sich häufig eine Schlussformel hinsichtlich Dank, Bedauern über das Ausscheiden und Zukunftswünsche. Zu beachten ist aber, dass es nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts keine gesetzliche Verpflichtung des Arbeitgebers gibt, Dank, Bedauern und gute Wünsche als Schlussformel in das Zeugnis aufzunehmen (BAG, Urteil vom 11.12.2012 – 9 AZR 227/11).

Ausschlussklausel

Sie sollten Ihren Anspruch auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses rechtzeitig geltend machen und überprüfen, ob es nicht eine Ausschlussklausel in einem Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag gibt. Vorformulierte Arbeitsverträge enthalten häufig eine Ausschlussfrist von drei Monaten.

Wurde Ihnen ein schlechtes Arbeitszeugnis ausgestellt? Haben Sie Fragen zur Bedeutung Ihres Zeugnisses? Wenden Sie sich an einen Anwalt für Arbeitsrecht in Ihrer Nähe!

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