Arbeitszeugnis

Verfasst am 12. Juli 2016

Definition "Arbeitszeugnis"
Ein Arbeitszeugnis ist eine vom Arbeitgeber ausgestellte schriftliche Bescheinigung über ein Arbeitsverhältnis.
www.fotalia.com/dessauer

Was ist ein Arbeitszeugnis?

Endet ein Arbeitsverhältnis, ist der Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, ein Arbeitszeugnis auszustellen. Der Anspruch besteht noch bis zu 3 Jahre nach Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis. Anspruchsberechtigt ist jeder Arbeitnehmer, darunter auch Praktikanten, Minijobber und Auszubildende. Eine solche Bescheinigung dient dem Arbeitnehmer als Nachweis seiner Tätigkeit bei einer Bewerbung. Die rechtliche Grundlage für die Erteilung eines Arbeitszeugnisses bilden § 630 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch), § 130 GewO (Gewerbeordnung) und § 16 BBiG (Berufsbildungsgesetz).

Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, Arbeitszeugnisse wahrheitsgemäß und wohlwollend anzufertigen. Sie müssen klar und verständlich formuliert sein. Missverständliche oder mehrdeutige Formulierungen dürfen hingegen nicht verwendet werden.

Einfaches Zeugnis

Das einfache Arbeitszeugnis enthält detaillierte Angaben und eine Beschreibung zur Art der Tätigkeit des Arbeitnehmers und zum Beschäftigungszeitraum.

Es sind zudem Angaben zur Person des Arbeitnehmers (vollständiger Name, Beruf, evtl. mit akademischem Grad), zum Geburtsdatum und zur Anschrift (mit Einverständnis des Arbeitnehmers) zu machen. Das Zeugnis muss ein Ausstellungsdatum enthalten. Zwar ist der Beendigungszeitpunkt zu nennen, der Beendigungsgrund jedoch ist nur auf Wunsch des Arbeitnehmers hinzuzufügen. Ist es zu zeitlichen Unterbrechungen des Arbeitsverhältnisses gekommen, können diese nur dann angegeben werden, wenn sie mindestens die Hälfte der Gesamtdauer betragen haben. Die Gründe einer Unterbrechung müssen grundsätzlich nicht angegeben werden.

Qualifiziertes Zeugnis

Im qualifizierten Arbeitszeugnis werden zusätzlich die Leistung, Führung und das Verhalten des Arbeitnehmers bewertet.

Zusätzlich zu den Angaben eines einfachen Arbeitszeugnisses sind mehr Details enthalten: In der Überschrift wird deutlich gemacht, um was für ein Zeugnis es sich handelt. Darauf folgt eine Leistungszusammenfassung: Diese beinhaltet Leistungsbeurteilungen und Bewertungen zum Fachwissen, Fachkönnen, zur Auffassungsgabe, Belastbarkeit, zum Denk- und Urteilsvermögen, zur Leistungsbereitschaft, Eigeninitiative, Problemlösungsfähigkeit, Fortbildung und Zuverlässigkeit. Den Anschluss bildet eine zusammenfassende Beurteilung zur Leistung sowie zur persönlichen Führung und zum Sozialverhalten. Danach kommt die Schlussformulierung bzw. Abschiedsformel, in der Wünsche für die Zukunft des Mitarbeiters geäußert werden. Angaben zum Ort und Datum der Zeugnisausstellung sind ebenso vorzufinden wie eine Unterschrift des Ausstellers (ggf. mit einem Hinweis auf die Vertretungsvollmacht).

Der Arbeitgeber darf nicht auf eine Erkrankung oder dadurch entstandene Fehlzeiten hinweisen. Auch bei einer Schwerbehinderung dürfen ähnliche Hinweise nur dann erfolgen, wenn der schwerbehinderte Arbeitnehmer dies wünscht.

Zwischenzeugnis

Das Zwischenzeugnis wird während des Beschäftigungsverhältnisses oder vor dessen Beendigung ausgestellt. Ein Arbeitnehmer kann dies unter Angabe eines „triftigen Grunds“ verlangen. Solche Gründe und der Anspruch auf ein Zwischenzeugnis sind häufig im geltenden Tarifvertrag festgelegt. Ein Zwischenzeugnis wird in der Gegenwartsform formuliert und es enthält kein Beendigungsdatum. Ansonsten gibt es keine Unterschiede zu einem Endzeugnis.

Form

Ein Arbeitszeugnis muss in schriftlicher Form übergeben werden. Die Übermittlung per Mail oder Fax ist nicht erlaubt. Das Zeugnis muss eine Unterschrift des Vorgesetzten bzw. Betriebsinhabers aufweisen. Alternativ ist auch die Unterschrift eines Bevollmächtigten möglich, der das Dokument mit dem Kürzel i.A. unterschreiben muss. Der Druck muss auf aktuellem Firmenpapier erfolgen, Fettdruck, Unterstreichungen, Ausrufezeichen oder andere Hervorhebungen sind nicht erlaubt.

Das Zeugnis muss vom Arbeitnehmer abgeholt werden. Ist ihm die Abholung aufgrund von Krankheit oder seiner Wohnsituation nicht zumutbar, kann ihm das Zeugnis auch zugeschickt werden. Das Dokument darf zum Versand geknickt werden, sollte dabei aber lesbar bleiben und beim Kopieren keine Falten erkennen lassen. Daher ist die Verwendung eines ausreichend großer Umschlages mit verstärktem Rücken ratsam.

Verschlüsselung

Gesetzliche Anforderungen haben zu der besonderen Geheimsprache in Arbeitszeugnissen geführt. Damit das Zeugnis auf Unwissende möglichst wohlwollend wirkt, greifen Arbeitgeber auf allgemein übliche Formulierungen zurück. So entspricht z.B. die Formulierung „Ihre Leistungen waren jederzeit hervorragend.“ einer sehr guten Note, während die Formulierung „Ihre Leistungen waren immer zufriedenstellend.“ lediglich als befriedigende Bewertung zu verstehen ist. Bekannt sind auch Floskeln wie "zu unserer vollsten Zufriedenheit" und "zu unserer vollen Zufriedenheit", die den Noten eins und zwei entsprechen. Dieser Geheimcode gibt Arbeitgebern die Möglichkeit, ihre Unzufriedenheit (und Zufriedenheit) mit dem Arbeitnehmer auszudrücken und auf bestimmte Dinge hinzuweisen. Da selbst Experten die Formulierungen jedoch nicht immer gleich deuten, kann es leicht zu Verständnisschwierigkeiten kommen,

Zeugniskorrektur

Ein Arbeitnehmer hat Anspruch auf (erneute) Zeugniserteilung bzw. auf Berichtigung, wenn er entweder sein Zeugnis nicht erhalten hat, dessen Form den gesetzlichen Vorschriften nicht entspricht oder es unrichtige und/oder fehlerhafte Angaben oder Beurteilungen enthält. Er sollte seinen Anspruch unter Beachtung der Ausschluss- oder Verfallfristen unverzüglich geltend machen.

Kommt der Arbeitgeber dem nicht nach, kann die Anfrage mit einem Anwaltsschreiben verdeutlicht werden. Erfolgt darauf ebenfalls keine Reaktion, besteht die Möglichkeit beim Arbeitsgericht (AG) Klage auf Ausstellung oder Berichtigung zu erheben.

Eine fehlerhafte, unvollständige, verspätete oder unterlassene Zeugniserteilung kann beim Arbeitnehmer zu einem Schaden führen (z.B. wenn eine neue Arbeitsstelle wegen des fehlenden Zeugnisses nicht angetreten werden konnte). In diesem Fall haftet der Arbeitgeber für den entstandenen Schaden. 

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Top-Fragen zum Thema Arbeitszeugnis für Arbeitnehmer

1. Wo beantrage ich ein Arbeitszeugnis?

Ein Arbeitszeugnis beantragen Sie direkt bei ihrem (ehemaligen) Arbeitgeber. Sie können dies bis zu 3 Jahre nach Ende des Arbeitsverhältnisses tun. Anspruch darauf haben alle Arbeitnehmer, d.h. auch Praktikanten, Auszubildende und Minijobber. Gerade Berufseinsteiger sollten sich auch bei Praktika und Minijobs um ein Zeugnis bemühen, um künftigen Arbeitgebern ihre Kompetenzen darzulegen und sich so den Berufseinstieg zu erleichtern. Ein Arbeitszeugnis muss nicht zusätzlich beglaubigt werden.

2. Welche Informationen müssen in einem Arbeitszeugnis stehen?

Hierbei ist zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Arbeitszeugnis zu unterscheiden: Ein einfaches Arbeitszeugnis beinhaltet genaue Angaben zur Art und Dauer der von Ihnen ausgeführten Tätigkeit (Tätigkeitsbeschreibung). Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis enthält hingegen Angaben zur Art und Dauer der Tätigkeit, sowie eine Bewertung Ihrer Leistung, Führung und Ihrem Verhalten. Genauere Informationen erhalten Sie über unser Online-Formular.

3. Wie kann ich ein Arbeitszeugnis anfechten?

Ein Zeugnis kann Ihren Ansprüchen oder den gesetzlichen Vorgaben aus verschiedenen Gründen nicht enstprechen. In einem solchen Fall können bei ihrem Arbeitgeber zunächst eine Anfrage auf erneute Erteilung oder Berichtigung des Zeugnisses stellen. Bleibt diese unbeantwortet, können Sie diese Anfrage mit einem Anwaltsschreiben verdeutlichen. Hierfür bietet sich z.B. unser Online-Beratungsangebot an.

Bleibt ihr Anfrage dennoch unbeantwortet, können Sie beim Amtsgericht Klage auf Ausstellung oder Berichtigung erheben. Dabei gilt: Sind ihnen Schäden entstanden, haftet der Arbeitgeber. In beiden Fällen empfehlen wir ihnen eine persönliche Kontaktaufnahme mit einem Rechtsanwalt in ihrer Nähe.

4. Darf ich mein Arbeitszeugnis selber schreiben?

Viele Arbeitgeber sind zu beschäftigt, um ihren Mitarbeitern ein Arbeitszeugnis auszustellen und bieten diesen daher an, es selbst zu erstellen. Sie sollten eine solche Chance nutzen und sich ein individuell auf Sie abgestimmtes Zeugnis schreiben. Dabei ist es ratsam, sich an einen kundigen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht zu wenden, der über die korrekten Formulierungen informiert ist und Ihnen ein entsprechendes Dokument erstellt. Die obersten Gebote sind dabei Ehrlichkeit und die realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Denn: Auch wenn Sie das Arbeitszeugnis selbst schreiben, wird es erst durch eine Unterschrift des Vorgesetzten gültig. 

Top-Tipps zum Thema Arbeitszeugnis für Arbeitnehmer

1. Sie haben Recht auf ein Arbeitszeugnis.

Laut § 630 BGB, § 130 GewO und § 16 BBiG hat jeder Arbeitnehmer, darunter auch Praktikanten, Auszubildende und Minijobber, ein Recht auf Erteilung eines Arbeitszeugnisses. Sollte ein Arbeitgeber dies verweigern, können Sie Klage beim Arbeitsgericht auf Ausstellung oder Berichtigung erheben. Für diesen Schritt empfehlen wir ihnen, persönlich Kontakt zu einem Rechtsanwalt auf unserer Seite herzustellen.

2. Achten Sie genau auf Formulierungen in ihrem Arbeitszeugnis!

Wie ihr (ehemaliger) Arbeitgeber ihr Leistung und Auftreten bewertet, können Sie erkennen, indem Sie auf genaue Formulierungen in ihrem Zeugnis achten. Wegen den gesetzlichen Anforderungen haben sich hierfür bestimmte Arten der Formulierung in der sogenannten Zeugnissprache etabliert. So wird z.B. eine sehr gute Leistung mit der Formulierung „Ihre Leistungen waren jederzeit hervorragend.“ ausgedrückt. Eine befriedigende Leistung wiederum wird z.B. so dargestellt: „Ihre Leistungen waren immer zufriedenstellend.“ Sie wollen Ihr Arbeitszeugnis entschlüsseln lassen? Lassen Sie sich von einem unserer Rechtsanwälte für Arbeitsrecht beraten, der den Zeugniscode für Sie übersetzt.

3. Sie können unter Umständen ein Zwischenzeugnis beantragen.

Sie können bereits während ihres Beschäftigungsverhältnisses oder vor dessen Beendigung ein Zwischenzeugnis beantragen. Hierfür müssen Sie – meist in einem Tarifvertrag festgelegte – Gründe anführen können. Ein Zwischenzeugnis ist in der Gegenwartform formuliert und enthält kein Beendigungsdatum. Rufen Sie für weitere Tipps unsere Arbeitsrechtshotline an.


Für Arbeitgeber

Top-Fragen zum Thema Arbeitszeugnis für Arbeitgeber

1. Wie formuliere ich ein Arbeitszeugnis?

Künftige Arbeitgeber müssen sich ein gutes Bild vom Tätigkeitsbereich des Arbeitnehmers und von seiner bisherigen Leistung machen. Schreiben Sie deshalb unbedingt klar und verständlich und vermeiden Sie missverständliche und mehrdeutige Formulierungen! In Zweifelsfällen können Sie ein Zeugnis prüfen lassen, bevor Sie es dem Arbeitnehmer übergeben. Über unser Online-Beratungsangebot können Sie hierfür Informationen erhalten.

2. Wie verhalte ich mich bei einer Anfrage auf Erteilung bzw. Berichtigung eines Zeugnisses?

Sollte ein von ihnen ausgestelltes Zeugnis rechtlichen Ansprüchen nicht genügen oder sollte der Arbeitnehmer sich an seiner Bewertung stören, kann es zu einer Anfrage auf erneute Erteilung eines Zeugnisses kommen. In diesem Fall ist es meist ratsam, das Zeugnis zu korrigieren. Sollte der Arbeitnehmer rechtliche Schritte einleiten, können Sie sich gerne von einem Anwalt in ihrer Region beraten lassen.

Top-Tipps zum Thema Arbeitszeugnis für Arbeitgeber

1. Ein Arbeitszeugnis muss wahrheitsgemäß und wohlwollend sein.

Arbeitszeugnisse haben den Zweck, Arbeitnehmern die Bewerbung bei einem anderen Arbeitgeber zu ermöglichen und zu erleichtern. Deshalb sind Sie gesetzlich dazu verpflichtet, das Zeugnis an der wahren Leistung des Arbeitnehmers auszurichten und möglichst positiv über ihn zu schreiben.

2. Halten Sie sich an die formalen Richtlinien!

Ein Arbeitszeugnis muss wohlwollend sein und vom Vorgesetzten oder Betriebsinhaber unterschrieben werden. Es ist schriftlich, nicht jedoch per Mail oder Fax zu übermitteln, kann dem Arbeitnehmer jedoch unter gewissen Umständen (bei Krankheit oder Wohnsituation) zugeschickt werden. Weitere Fragen beantworten wir ihnen gerne über unsere Arbeitsrechtshotline.

3. Übliche Formulierungen helfen beim Ausdrücken unangenehmer Umstände.

Greifen Sie auf bekannte Formulierungen zurück, falls Sie eine schlechte Leistung oder unangemessenes Verhalten eines Arbeitnehmers beschreiben möchten. Andere Arbeitgeber werden in der Regel verstehen, auf welche Probleme sie hinweisen möchten. Das Gleiche gilt natürlich auch für den Fall, dass sie auf positive Dinge hinweisen möchten.

4. Beziehen Sie Ihren Mitarbeiter in die Erstellung mit ein.

Auch wenn es auf den ersten Blick seltsam erscheint, bei der Erstellung des Zeugnisses Rücksprache mit dem Arbeitnehmer zu halten - es kann Ihnen viel Stress ersparen. Fertigen sie daher zunächst einen Entwurf an und besprechen Sie diesen mit Ihrem Mitarbeiter. Unklarheiten und Konflikte lassen sich in den meisten Fällen in einem persönlichen Gespräch klären und machen lange und teure Gerichtsprozesse unnötig. Sie sind unsicher, ob Ihr Entwurf die formellen Vorgaben erfüllt? Lassen Sie diesen hier von einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht überprüfen. 

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