Ratgeber 27.06.2023 rechtsanwalt.com

Die Abfindung – Was Sie wissen müssen

Abfindung ist ein Begriff, der häufig im Zusammenhang mit einer Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag fällt. Doch was genau ist eine Abfertigung und wann haben Sie Anspruch darauf? In diesem Blogbeitrag erläutere ich Ihnen die wichtigsten rechtlichen Fragen rund um das Thema Abfindung und gebe Ihnen Tipps, wie Sie Ihre Chancen auf eine angemessene Abfindung erhöhen können. Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei nicht um eine Rechtsberatung handelt und Sie sich bei konkreten Fragen an einen geeigneten Rechtsanwalt wenden sollten. Einen Fachanwalt für Arbeitsrecht in Ihrer Nähe finden Sie auf dieser Webseite.

Was ist eine Abfindung (Abfertigung)?

Eine Abfindung ist eine einmalige Zahlung des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder zur Vermeidung eines Rechtsstreits. Die Abfindung soll den Arbeitnehmer für den Verlust des Arbeitsplatzes und die damit verbundenen Nachteile entschädigen. Eine Abfindung kann freiwillig oder aufgrund einer gesetzlichen oder vertraglichen Regelung gezahlt werden.

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Wann habe ich Anspruch auf eine Abfertigung?

Ein Arbeitnehmer hat grundsätzlich keinen automatischen Anspruch auf eine Abfindung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Der Anspruch auf eine Abfindung kann jedoch in verschiedenen Situationen entstehen, z.B. bei einer betriebsbedingten Kündigung oder im Rahmen eines Aufhebungsvertrages, in dem die Parteien die einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses vereinbaren.

Es gibt verschiedene Situationen, in denen Sie Anspruch auf eine Abfindung haben. Die häufigsten sind

  • Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen aus betriebsbedingten Gründen kündigt und sich im Kündigungsschreiben ausdrücklich auf § 1a Kündigungsschutzgesetz (KSchG) bezieht. In diesem Fall haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung in Höhe von 0,5 Monatsverdiensten pro Beschäftigungsjahr, wenn Sie die Kündigung nicht innerhalb von drei Wochen vor dem Arbeitsgericht anfechten.
  • Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen aus anderen Gründen kündigt und Sie innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht erheben. In diesem Fall kann das Gericht eine Abfindung zusprechen, wenn es die Kündigung für unwirksam hält, Ihnen aber eine Weiterbeschäftigung nicht zumutbar ist. Die Höhe der Abfindung hängt von den Umständen des Einzelfalls ab, beträgt aber in der Regel zwischen 0,5 und 1 Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr.
  • Wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag schließen, in dem eine Abfindung vereinbart wird. Ein Aufhebungsvertrag ist ein Vertrag, mit dem beide Parteien das Arbeitsverhältnis einvernehmlich beenden. Die Höhe der Abfindung ist frei verhandelbar und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. der Dauer des Arbeitsverhältnisses, dem Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses, dem Alter und den Vermittlungschancen des Arbeitnehmers.
  • Wenn in Ihrem Arbeitsvertrag oder in einem Tarifvertrag eine Abfindungsregelung für den Fall einer Kündigung oder eines Aufhebungsvertrages getroffen wurde, müssen Sie sich an diese Regelung halten. In diesem Fall müssen Sie sich an die vertraglich festgelegten Bedingungen und die Höhe der Abfindung halten.

Wie berechne ich meine Abfertigung?

Die Berechnung Ihrer Abfertigung hängt davon ab, ob Sie einen gesetzlichen, gerichtlichen oder vertraglichen Anspruch haben oder ob Sie eine freiwillige Abfertigung erhalten. Grundsätzlich gilt: Je länger Sie beschäftigt waren, je höher Ihr Gehalt war und je schlechter Ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind, desto höher fällt Ihre Abfertigung aus. Eine einfache Formel zur Berechnung Ihrer Abfertigung lautet

Abfertigung = Monatsgehalt x Faktor x Beschäftigungsjahre

Der Faktor kann je nach Situation zwischen 0,5 und 1 liegen. Das Monatsgehalt ist das Bruttogehalt ohne Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Die Beschäftigungsjahre sind die vollen Jahre, die Sie bei Ihrem Arbeitgeber gearbeitet haben.

Beispiel: Sie verdienen 3000 Euro brutto im Monat und arbeiten seit 10 Jahren bei Ihrem Arbeitgeber. Ihr Arbeitgeber kündigt Ihnen aus betriebsbedingten Gründen und beruft sich dabei auf § 1a KSchG. Ihre Abfindung beträgt

Abfertigung = 3000 x 0,5 x 10 = 15.000 Euro

Wie muss ich meine Abfertigung versteuern?

Eine Abfertigung ist grundsätzlich steuerpflichtig und unterliegt dem normalen Einkommensteuertarif.

Es gibt jedoch bestimmte Freibeträge und Steuerermäßigungen, die je nach der individuellen Situation des Arbeitnehmers zur Anwendung kommen können. Es ist ratsam, sich in steuerlichen Fragen von einem Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht beraten zu lassen.

Sie können zudem von einer Steuerermäßigung profitieren, wenn Sie die Voraussetzungen für die so genannte Fünftelregelung erfüllen. Die Fünftelregelung gilt, wenn Sie eine Abfindung als Entschädigung für den Verlust Ihres Arbeitsplatzes erhalten und die Abfindung zusammengeballt in einem Kalenderjahr ausgezahlt wird. Die Fünftelregelung bedeutet, dass die Abfindung fiktiv auf fünf Jahre verteilt wird und nur der übersteigende Teil versteuert werden muss. Dadurch sinkt der Steuersatz und Sie zahlen weniger Steuern.

Beispiel: Sie erhalten eine Abfindung von 15.000 Euro und haben in diesem Jahr keine weiteren Einkünfte. Ihr zu versteuerndes Einkommen ohne Abfindung beträgt 30.000 Euro. Mit der Fünftelregelung berechnet sich Ihre Steuerlast wie folgt:

Zu versteuerndes Einkommen ohne Abfindung: 30.000 Euro

Zu versteuerndes Einkommen mit Abfindung: 30.000 + 15.000 = 45.000 Euro

Fünftel der Abfindung: 15.000 / 5 = 3.000 Euro

Zu versteuerndes Einkommen mit einem Fünftel der Abfindung: 30.000 + 3.000 = 33.000 Euro

Einkommensteuer ohne Abfindung: ca. 5.500 Euro

Einkommensteuer mit einem Fünftel der Abfindung: ca. 6.300 Euro

Einkommensteuer für die Abfindung: (6.300 – 5.500) x 5 = 4.000 Euro

Einkommensteuer mit Abfindung: 5.500 + 4.000 = 9.500 Euro

Ohne die Fünftelregelung würden Sie ca. 11.500 Euro Steuern zahlen, also ca. 2.000 Euro mehr.

Wie kann ich meine Vergütung optimieren?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihre Abfertigung zu erhöhen oder zu verbessern. Hier einige Tipps:

  • Verhandeln Sie mit Ihrem Arbeitgeber über die Höhe und die Modalitäten der Abfindung. Seien Sie dabei realistisch, aber auch selbstbewusst und zeigen Sie Ihre Stärken und Qualifikationen.
  • Lassen Sie sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten, bevor Sie eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag akzeptieren oder unterschreiben. Er kann Ihnen helfen, Ihre Rechte zu wahren und Ihre Ansprüche durchzusetzen.
  • Prüfen Sie, ob Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, die die Kosten einer Kündigungsschutzklage übernimmt.
  • Achten Sie auf mögliche Nachteile oder Risiken einer Abfindung, wie z.B. eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld, eine Anrechnung auf andere Sozialleistungen oder eine Minderung Ihrer Rentenansprüche.
  • Nutzen Sie nach Möglichkeit die Steuerermäßigung durch die Fünftelregelung.
  • Investieren Sie Ihre Abfindung sinnvoll, z.B. in Ihre Weiterbildung, in eine Altersvorsorge oder in eine Existenzgründung.

Fazit

Eine Abfindung kann Ihnen den Übergang in einen neuen Job oder in eine neue Lebensphase erleichtern. Sie sollten sich aber nicht blind auf eine Abfindung verlassen, sondern sich gut informieren und beraten lassen, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Eine Abfindung ist kein Geschenk, sondern ein Ausgleich für den Verlust Ihres Arbeitsplatzes und Ihrer Rechte.

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