Ratgeber zum Thema Erbfall

Verfasst am 17. Januar 2019

Definition "Erbfall"
Mit dem Erbfall bezeichnet man den Tod einer Person, der den Übergang des Vermögens des Erblassers auf die Erben auslöst.
Fotolia.de/Robert Hoetink

Ratgeber zum Thema Erbfall und Erben

Definition „Erbfall“ Mit dem Erbfall bezeichnet man den Tod einer Person, der den Übergang des Vermögens des Erblassers auf die Erben auslöst.

Was ist ein Erbfall?

Mit dem Tode einer Person geht deren Vermögen (die Erbschaft) nach § 1922 Abs. 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben bzw. Miterben) über. Als Ablebenszeitpunkt bzw. der Todeszeitpunkt wird dabei im Erbrecht der Gesamthirntod festgelegt. Mit anderen Worten der Erbfall tritt ein, sobald nach heutigem Stand der Medizin bei der betreffenden Person keine Hirnströme mehr festgestellt werden können. Die Abwicklung des Erbfalls obliegt dem bzw. den Erben. Die Erben werden im Moment des Todes Inhaber von allen Vermögenswerten des Erblassers (das sog. Erbe), rücken an seiner Stelle in alle Verträge ein, müssen im Zweifel alle seine Schulden bezahlen. Nach der Befriedigung der Gläubiger kann das verbleibende Vermögen verteilt werden. Alle Antworten und Fragen zum Erbe finden Sie im Folgenden.

Nach dem Todesfall

Zunächst ist dem zuständigen Standesamt der Totenschein vorzulegen. In der Regel beauftragen die engsten Familienangehörigen (nicht zwangsweise als Erben) ein Bestattungsunternehmen mit der Beerdigung. Dieses kontaktiert die Behörden, beantragt die Sterbeurkunde. Sie dient vor allem zur Abmeldung der Rente und auch zur Beantragung der „Witwenrente“. Mit der Sterbeurkunde kann man sich dann den Erbschein für das Erbe ausstellen lassen. Erst damit kann die Erbschaft  des Erblassers gem. Testament, ggf. auch an eine Erbengemeinschaft, verteilt werden.

Anfallende Kosten für z.B. die Beerdigung, die Sterbeurkunde, den Totenschein, den Rechtsanwalt etc. können zunächst aus dem Nachlassvermögen beglichen werden. Alle Rechnungen, die darüber hinaus offen bleiben, sind von den Erben und Familienangehörigen zu zahlen.

Erfassung des Nachlasses

Berechtigte Erben des Erblassers werden gem. Erbrecht vom Nachlassgericht ermittelt, damit sie ihre Rechte am Erbe wahrnehmen können. Das Gericht lässt hierbei mittels öffentlicher Bekanntmachungen oder mit Hilfe professioneller „Erbensucher“ nach den Erben suchen.

Das Nachlassverzeichnis wird meist von den Erben erstellt und erfasst den Hausrat, sowie Vermögenswerte und bestehende Verbindlichkeiten. Es wird dann mit dem Testament („letzter Wille“) abgestimmt.

Schutz der Gläubiger

Mit dem Erbfall geht der gesamte Nachlass des Erblassers direkt als das sog. Sondereigentum auf die Erben über. Dieses Sondereigentum besitzt zwar keine eigene Rechtspersönlichkeit, es verschmilzt aber auch nicht mit dem Vermögen des Erben. Der Alleinerbe erwirbt den gesamten Nachlass als Sondervermögen, getrennt von seinem eigenen Vermögen. Diese Konstruktion dient dem Schutz der Gläubiger des Erblassers.

Bestehende Verträge des Erblassers

Grundsätzlich werden Familienmitglieder zunächst Vertragspartner in einem bestehenden Mietverhältnis des Verstorbenen, jedoch können Sie dieses unter Wahrung der gesetzlichen Kündigungsfrist kündigen. Der Vermieter ist so schnell wie möglich über den Tod des Mieters zu informieren.

Sonstige Verträge, Bankenverbindlichkeiten, Abonnements und Vereinsmitgliedschaften werden von den Erben als Vertragspartnern übernommen. Sie haben daher alle Vertragspartner über den Todesfall in Kenntnis zu setzen. Nach Sichtung der Papiere und Unterlagen des Verstorbenen kann die Erbengemeinschaft solche Verträge kündigen.

Was passiert mit den Schulden des Erblassers?

Schulden sind grundsätzlich von den Erben zu begleichen, d.h. ein Erblasser kann auch Schulden vererben! Reicht das geerbte Vermögen dafür nicht aus, müssen die Erben ihr privates Vermögen zur Begleichung verwenden (gem. Erbrecht). Ist dies nicht möglich, können sie einen Antrag auf Insolvenz über das geerbte Vermögen stellen oder sie können das Erbe ausschlagen.

Was passiert im Erbfall ohne Testament?

Hat der Erblasser kein Testament, keinen Erbvertrag, keine anderweitige Verfügung hinterlassen, wird das Vermögen von den nächsten Verwandten bzw. Nachfolgern des Verstorbenen übernommen, d.h. es greifen Vorschriften der gesetzlichen 32 (Erbrecht). Diese werden auch „Ordnungen“ genannt.

Weitere Ratgeber zum Thema „Erbe“:

Rechtsberatung zum Thema Erben

Unsere Rechtsanwälte beraten Sie zum Thema Erbfall und Erben auch direkt am Telefon zum Festpreis! Zur „Anwaltshotline Erbrecht„.

Haben Sie eine Frage rund um Erbfall und suchen die passende Rechtsberatung?
Telefonische Rechtsberatung
preiswert für 29€ (15 Minuten)

inkl. 19% USt.Weil kompetente Rechtsberatung besser ist, als kostenlose.
Jetzt direkt am Telefon, durch erfahrene Anwälte.
Anwalt anrufen

Top-Fragen zum Thema Erbfall

1. Was soll man im Erbfall tun?

Stirbt ein Mensch, muss zunächst ein Arzt den Tod  feststellen. Der Arzt oder das Krankenhaus stellt sodann den Totenschein aus, welcher dem Standesamt am Wohnort des Verstorbenen vorgelegt werden muss. Dieses stellt nach Vorlage die Sterbeurkunde aus. Die engsten Familienangehörigen, die nicht Erben sein müssen, sorgen für die Bestattung des Erblassers. Die Kosten werden aus dem Nachlass bezahlt, ansonsten von den Erben. Am besten beauftragen Sie ein Bestattungsinstitut mit der Durchführung der Beerdigung. Das Institut übernimmt die notwendigen Behördengänge, einschließlich der Beantragung der Sterbeurkunde, mit der es auch die Rente des Verstorbenen abmeldet, gegebenenfalls „Witwenrente“ beantragt und sich mit der Krankenkasse auseinandersetzt.

Hinsichtlich einer (falls vorhanden) Mietwohnung ist es notwendig, den Vermieter der Wohnung von dem Tod des Mieters zu unterrichten. Das Mietverhältnis setzt sich dann grundsätzlich mit den Familienmitgliedern fort, die zum Zeitpunkt des Todes im Haushalt lebten. Besteht für eine solche Fortsetzung seitens der Familienangehörigen kein Interesse, muss im Rahmen der Kündigung die gesetzliche Frist zum erstmöglichen Termin beachtet werden. Abweichende vertragliche Vereinbarungen über längere Kündigungsfristen gelten für diesen ersten Kündigungstermin nicht. War der Verstorbene verheiratet und ist der andere Ehegatte noch am Leben, kann dieser nicht nur in der Wohnung verbleiben, sondern behält auch den Hausrat sowie etwaige Hochzeitsgeschenke. Lassen Sie sich im Erbfall von einem kompetenten Anwalt beraten und begleiten. Einen erfahrenen Anwalt finden Sie auf rechtsanwalt.com

2. Wer kümmert sich im Todesfall um die Bekanntmachung?

Das Nachlassgericht ist vor dem „Ergreifen“ des Nachlasses verpflichtet, von sich aus Ermittlungen anzustellen. Es muss sorgfältig bemühen, alle berechtigten Erben ausfindig zu machen und diesen damit die Möglichkeit einräumen, ihre Rechte einzufordern. Dies geschieht in der Praxis durch öffentliche Bekanntmachungen z.B. in der Presse oder auch durch Aushänge, sowie durch eine Beauftragung von professionellen „Erbensuchern“.

3. Welche Kosten sind im Erbfall zu beachten und wer trägt sie?

Zu den Kosten zählen sowohl die Beerdigungskosten, als auch die Kosten für die Ausstellung des Totenscheins, der Sterbeurkunde u.Ä. Grundsätzlich werden die anfallenden Kosten aus dem Nachlassvermögen beglichen. Sollte allerdings dieses nicht ausreichen, kümmern sich die Familienangehörigen und die Erben um die Begleichung der Rechnungen. Nutzen Sie das Angebot unserer telefonischen Rechtsberatung, um sich ein klares Bild über die Kosten in Ihrem konkreten Fall zu verschaffen und lassen Sie sich von erfahrenen Anwälten auf dem Gebiet des Erbrechts beraten.

4. Was passiert, wenn im Erbfall kein Testament oder Erbvertrag vorhanden ist?

Ist kein Testament oder Erbvertrag vorhanden, greifen die Vorschriften über die gesetzliche Erbfolge ein. Mit anderen Worten, die Nachfolger des Verstorbenen übernehmen sein Vermögen. Gemäß der gesetzlichen Erbfolge erben Verwandte nach einem System der sog. „Ordnungen“, die sich am Verwandtschaftsgrad zum Erblasser orientieren. Nutzen Sie das Angebot der telefonischen Rechtsberatung, um genaue Auskunft zum Verfahren der gesetzlichen Erbfolge zu bekommen. 

Top-Tipps zum Thema Erbfall

1. So erstellen Sie ein Nachlassverzeichnis.

Sie sollten eine Liste, ein sogenanntes Nachlassverzeichnis, erstellen, welche nicht nur den Hausrat erfasst, sondern darüber hinaus alle Vermögenswerte und die bestehenden Verbindlichkeiten ausweist. Lassen Sie sich bei der Erstellung des Nachlassverzeichnisses von einem Rechtsanwalt beraten, damit alle erforderlichen Gegenstände und Verbindlichkeiten erfasst werden.

2. Informieren Sie die Vertragspartner im Erbfall.

Die Erben werden Vertragspartner aller bestehenden Verträge, Abonnements, Banken-Verbindlichkeiten oder gar Vereinsmitgliedschaften des Verstorbenen. Alle Vertragspartner müssen daher von dem Todesfall informiert werden. In den meisten Fällen besteht dann ein Kündigungsrecht. Welche Verträge gekündigt werden sollen, müssen die Erben (die sog. Erbengemeinschaft) gemeinsam entscheiden. Dazu ist es unerlässlich, dass die Unterlagen und Papiere des Verstorbenen durchgesehen werden.

3. Denken Sie an die Schulden des Erblassers!

Die Erben müssen alle Schulden bezahlen. Sollte nach allen Ausgaben noch ein (Rest-)Vermögen verbleiben, kann dieses unter Berechtigten aufgeteilt werden. Verbleiben jedoch mehr Schulden, als das Vermögen vorhanden ist, muss die Erbengemeinschaft die Schulden aus ihrem privaten Vermögen begleichen. Dies ist oft gar nicht möglich. Im Ergebnis bleibt den Erben allein die Möglichkeit, einen Insolvenzantrag über das Vermögen des Verstorbenen zu stellen. Lassen Sie sich von einem Rechtsanwalt hinsichtlich des Umgangs mit den potentiellen Schulden des Verstorbenen beraten und gehen Sie auf die Möglichkeit einer Erbausschlagung ein.

weitere Ratgeberseiten

Kompetente Rechtsberatung zu diesem Thema bieten diese ausgewählten Anwälte:

Services zu diesem Thema:

Zu diesem Thema mit einem Anwalt sprechen!

29*

15 Minuten

  • 15 Minuten Telefonat mit einem Anwalt

  • Antwort auf eine konkrete kurze Fragestellung

Jetzt buchen

49*

30 Minuten

meistgekauft

  • 30 Minuten Telefonat mit einem Anwalt

  • Juristische Erläuterung des Problems & Handlungsempfehlung

Jetzt buchen

69*

45 Minuten

  • 45 Minuten Telefonat mit einem Anwalt

  • Diskussion eines komplexeren Problems und konkrete Tipps

Jetzt buchen

Haben Sie eine Frage zu diesem Thema und suchen die passende Rechtsberatung?

Anwalt anrufen