Sozialabgaben (Sozialversicherungsbeitrag)

Verfasst am 11. Juli 2016

Definition "Sozialabgaben (Sozialversicherungsbeitrag)"
Sozialabgaben sind die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung für den Krankheits-, Arbeitslosigkeits-, Pflege- oder Rentenfall.
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Sozialabgaben sind die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung. Der sogenannte Gesamtversicherungsbetrag besteht aus den Beiträgen für:

    t

  • die gesetzliche Krankenversicherung,
  • t

  • die gesetzliche Rentenversicherung,
  • t

  • die gesetzliche Arbeitslosenversicherung und
  • t

  • die gesetzliche Pflegeversicherung.

Sie werden zur Hälfte vom Arbeitgeber und zur Hälfte vom Arbeitnehmer übernommen. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung wird ein Zusatzbeitrag fällig, welcher allein vom Arbeitnehmer übernommen werden muss. Die Umlagen für:

    t

  • die Absicherung von Lohnfortzahlungen (U1),
  • t

  • die Absicherung für Mutterschutzaufwendungen und Elternzeitaufwendungen (U2) und
  • t

  • die Absicherung im Insolvenzfall

werden jedoch ausschließlich vom Arbeitgeber getragen. Die Umlage U1 ist lediglich für Betriebe mit weniger als 30 Mitarbeitern verpflichtend und orientiert sich am Leistungsumfang. Die Umlage U2 hingegen ist für allen Betrieben verpflichtend und der Leistungsumfang beträgt in jedem Fall 100% des Nettolohnes.

Abführung des Sozialversicherungsbeitrages

Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, den Sozialversicherungsbeitrag zu berechnen und abzuführen. Der Arbeitnehmer muss lediglich den vom Bruttolohn abgezogenen Beitragssatz dulden. Der Beitrag muss spätestens bis zum 15. Arbeitstag des laufenden Monats berechnet und ein Beitragsnachweis an die Einzugsstelle übermittelt werden. Zahlbar sind die Sozialversicherungsbeiträge dann bis zu spätestens dem drittletzten Arbeitstag des Kalendermonats. Die Krankenkassen agieren in der Regel als Einzugsstelle und leiten die Beiträge an die zuständigen Sozialversicherungsträger weiter.

Höhe der Beiträge

Die Höhe der Sozialabgaben orientiert sich am monatlichen Bruttolohn der Arbeitgeber. Hierbei gilt es zu beachten, dass der Arbeitgeber-Anteil der Sozialversicherungsbeiträge nicht Teil des Bruttolohnes ist. Die Abgaben werden dann als Prozentsatz des Bruttolohnes berechnet. Diese Sätze werden regelmäßig angepasst. Es gelten jedoch sogenannte Bemessungsgrenzen. Auch diese werden in der Regel jährlich angepasst. Der Anteil des Lohnes, welcher über die Bemessungsgrenze fällt, ist sozialabgabenfrei.

Gesetzliche Unfallversicherung

Die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung werden gesondert abgeführt. Sie werden einmal pro Jahr gezahlt und werden ausschließlich vom Arbeitgeber getragen. Die Unfallversicherung ist also kein Teil des Gesamtversicherungsbetrages.

Selbstständigkeit

Selbstständige müssen keinerlei Beiträge für die Sozialversicherung leisten. Sie sind selbst für ihre Absicherung verantwortlich. Lediglich der Abschluss einer Krankenversicherung ist für Freiberufler verpflichtend. Hier besteht die Wahl zwischen einer privaten Krankenversicherung und dem freiwilligen Eintritt in die gesetzliche Krankenversicherung. 

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Top-Fragen zum Thema Sozialabgaben (Sozialversicherungsbeitrag) für Arbeitnehmer

1. Wer zahlt die Sozialabgaben?

Die Abgaben für die gesetzliche Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung werden zur Hälfte vom Arbeitnehmer, zur Hälfte vom Arbeitgeber bezahlt. Lediglich bei der gesetzlichen Krankenversicherung wird ein Zusatzbeitrag fällig, welcher alleine vom Arbeitnehmer getragen werden muss. Die Umlagen für Mutterschutzaufwendungen, Elternzeitaufwendungen, Lohnfortzahlungen und den Insolvenzfall werden alleine vom Arbeitgeber getragen. 

2. Welche Sozialabgaben werden für einen geringfügig Beschäftigten fällig?

Für geringfügig Beschäftigte (Minijob) besteht in der Regel keine Versicherungspflicht. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass das monatliche Durchschnittsgehalt nicht über 450,-€ liegt.  

3. Wer zahlt die Sozialabgaben im Falle der Arbeitslosigkeit?

Als Empfänger von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) sind Sie pflichtversichert. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt die Beiträge zur Krankenversicherung und Pflegeversicherung für Sie. Auch ein Pflichtbeitrag der Rentenversicherung wird übernommen. Als Empfänger von Arbeitslosengeld I erhalten Sie zusätzlich einen gewissen Betrag, um Ihre Versicherungsbeiträge zu leisten. 

4. Wer zahlt die Sozialabgaben während der Elternzeit?

Sowohl während der Elternzeit, also auch während des Mutterschutzes werden keinerlei Sozialabgaben fällig. Voraussetzung hierfür ist, dass Sie in dieser Zeit auch kein Einkommen erzielen. Falls, beispielsweise durch Arbeit in Teilzeit, doch Einkommen erzielt wird, ist dieses selbstverständlich versicherungspflichtig. 

5. Wer übernimmt die Sozialabgaben im Krankheitsfall?

Zunächst übernimmt der Arbeitgeber im Rahmen der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall während der ersten sechs Wochen jegliche Kosten. Falls Sie länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind, erhalten Sie Krankengeld von Ihrer Krankenkasse. Diese kommt dann auch für Ihre Sozialabgaben auf. 

Top-Tipps zum Thema Sozialabgaben (Sozialversicherungsbeitrag) für Arbeitnehmer

1. Lassen Sie sich bei einem Minijob von der Rentenversicherungspflicht befreien.

Falls Sie geringfügig beschäftigt sind, können Sie sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. In diesem Fall haben Sie als Arbeitnehmer dann keinerlei Sozialabgaben zu tragen. 

2. Überprüfen Sie die Berechnungen Ihres Arbeitgebers.

Ihr Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, sowohl seinen, als auch Ihren Teil der Sozialabgaben zu berechnen und abzuführen. Sie haben jedoch das Recht, die Berechnungen des Arbeitgebers zu prüfen. Wenn Sie deren Richtigkeit anzweifeln, sollten Sie einen Rechtsanwalt einschalten. Nutzen Sie hierzu unsere Online-Rechtsberatung.

3. Erwägen Sie eine private Krankenversicherung.

Trotz der Bemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung kann es sich bei hohen Gehältern für Sie lohnen, eine private Krankenversicherung abzuschließen. Wenn Sie jedoch viele Kinder versorgen müssen und Ihr Gatte nicht arbeitet, so ist in den meisten Fällen die gesetzliche Krankenversicherung wieder preiswerter, da die Kinder in der Familienversicherung kostenfrei mitversichert sind Holen Sie sich ein Angebot für eine private Krankenversicherung ein und vergleichen Sie die Kosten. 

4. Setzen Sie Ihre Ansprüche gegenüber der Versicherung durch.

Versicherungen wollen natürlich, wie andere Unternehmen auch, möglichst hohe Gewinne erwirtschaften. Deshalb neigen Sie in weniger eindeutigen Versicherungsfällen dazu, keine Leistungen zu erbringen. Wenn dies bei Ihnen der Fall ist, sollten Sie einen Rechtsanwalt konsultieren. Dieser wird Ihre Ansprüche, notfalls auch vor Gericht, durchsetzen. Finden Sie auf unserer Seite den passenden Rechtsanwalt in Ihrer Region.


Für Arbeitgeber

Top-Fragen zum Thema Sozialabgaben (Sozialversicherungsbeitrag) für Arbeitgeber

1. Welche Sozialabgaben werden für Selbstständige fällig?

Grundsätzlich müssen Selbstständige keinerlei Sozialversicherungsbeiträge entrichten. Sie sind selbst für Ihre Altersvorsorge verantwortlich. Eine Krankenversicherung ist zwar verpflichtend, muss aber nicht bei einer gesetzlichen Krankenversicherung abgeschlossen werden.  In Sonderfällen besteht jedoch eine gesetzliche Rentenversicherungspflicht. Nutzen Sie unsere telefonische Rechtsberatung, um herauszufinden, ob bei Ihnen solch ein Sonderfall besteht. 

2. Wer übernimmt die Sozialabgaben im Streikfall?

Auf Sie als Arbeitgeber kommen im Streikfall keine Mehrkosten zu. Sie müssen lediglich Teilbeträge entrichten, welche sich an den Tagen orientieren, an welchen nicht gestreikt wurde. Während des Streikes muss keine Rentenversicherung gezahlt werden, da auch kein Einkommen erzielt wird. Die Beiträge zur Pflege- und Krankenversicherung müssen vom Arbeitnehmer normal weitergezahlt werden, jedoch nicht von Ihnen. Das Streikgeld selbst ist nicht beitragspflichtig.

3. Welche Sozialabgaben werden für einen geringfügig Beschäftigten fällig?

Im Falle einer geringfügigen Beschäftigung besteht in der Regel keine Versicherungspflicht. Voraussetzung hierfür ist, dass das monatliche Durchschnittseinkommen 450€ nicht übersteigt. Es werden jedoch trotzdem Lohnnebenkosten fällig. Auch wenn der Arbeitnehmer sich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lässt, so wird für Sie ein Pauschalbetrag von 15% (5% bei Privathaushalten) fällig. Auch bei der Krankenversicherung wird eine Pauschale von 13% (5% bei Privathaushalten) fällig, es sei denn, der Beschäftigte ist nicht versicherungspflichtig. Dies ist beispielsweise bei Privatversicherten der Fall.

4. Was bedeutet Gleitzone?

Die Gleitzone ist der Übergang von der geringfügigen Beschäftigung (450€-Job) zu einer vollwertigeren Beschäftigung (850€ monatlich). In diesem Bereich gelten spezielle steuerliche Vergünstigungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. So wird ein Anreiz geschaffen, ein bestehendes geringfügiges Beschäftigungsverhältnis auszuweiten. Die Berechnung der Steuern und Abgaben ist sehr kompliziert. Nutzen Sie hierzu das Angebot der Webseite www.gleitzonenrechner.com oder konsultieren Sie einen Rechtsanwalt für Steuerrecht. Finden Sie den passenden Rechtsanwalt auf unserer Seite. 

Top-Tipps zum Thema Sozialabgaben (Sozialversicherungsbeitrag) für Arbeitgeber

1. Erwägen Sie als Selbstständiger eine freiwillige Einzahlung.

Als Selbstständiger sind Sie selbst für Ihre Absicherung zuständig. Erwägen Sie deshalb eine freiwillige Einzahlung in die Rentenversicherung und Pflegeversicherung. So genießen Sie im Alter Versicherungsschutz. Auch eine Arbeitslosenversicherung kann ratsam sein, da Sie als Selbstständiger keinen gesetzlichen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben. Zum Abschluss einer Krankenversicherung jedoch sind Sie verpflichtet. Hier können Sie zwischen einer privaten Krankenversicherung und der Einzahlung in die gesetzliche Krankenversicherung entscheiden. 

2. Führen Sie die Sozialabgaben rechtzeitig ab.

Als Arbeitgeber sind Sie dazu verpflichtet, sowohl den Arbeitnehmeranteil, als auch den Arbeitgeberanteil des Sozialversicherungsbeitrags zu berechnen und abzuführen. Die Berechnung muss spätestens bis zum 15. Arbeitstag des Kalendermonats erfolgen. Sie müssen einen Beitragsnachweis an die Einzugsstelle übersenden und den Betrag spätestens bis zum drittletzten Arbeitstag des Kalendermonats abführen.  

3. Vermeiden Sie Fälle von Scheinselbstständigkeit.

Da für Selbstständige keine Sozialabgaben fällig werden, beauftragen viele Arbeitgeber Selbstständige, bzw. freie Mitarbeiter. Wenn diese jedoch fest in den Betrieb eingegliedert und weisungsgebunden sind, besteht der Fall der Scheinselbstständigkeit. Es besteht also in der Tat ein Beschäftigungsverhältnis, welches hinter dem falschen Schein der Selbstständigkeit versteckt wird. Im Zuge dessen können hohe Kosten auf Sie zukommen. Lesen Sie auf unserer Themenseite über die Scheinselbstständigkeit, wie Sie diesen Fall vermeiden können.

4. Berechnen die Sozialversicherungsbeiträge gewissenhaft und kosteneffizient.

Sie sollten die Sozialversicherungsbeiträge immer nach bestem Wissen und Gewissen berechnen. Dabei ist es natürlich wie bei allen anderen unternehmerischen Kosten auch ratsam, diese möglichst gering zu halten. Ein Rechtsanwalt für Steuerrecht oder Steuerberater kann Ihnen dabei helfen, die Sozialabgaben korrekt und kosteneffizient zu berechnen. Finden Sie auf unserer Seite den passenden Rechtsanwalt in Ihrer Region.

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