Arbeitslosengeld (ALG)

Verfasst am 11. Juli 2016

Definition "Arbeitslosengeld (ALG)"
Arbeitslosengeld ist eine vom Staat gewährte Lohnersatzleistung für Arbeitsuchende.
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Arbeitslosengeld (ALG) gilt als ein wichtiger Baustein der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Es dient dazu, Arbeitsuchenden finanzielle Unterstützung zu gewähren. Wir unterscheiden zwischen Arbeitslosengeld I (ALG I) und Arbeitslosengeld II (ALG II), auch als Hartz IV bekannt. Beim ALG I handelt es sich um eine Versicherungsleistung, bei Hartz IV um eine Grundsicherung für Bedürftige. Die gesetzliche Grundlage bildet das Dritte Sozialgesetzbuch (SGB III).

Arbeitslosengeld I

Voraussetzung für den Anspruch auf ALG I sind die persönliche Arbeitslosmeldung bei der Agentur für Arbeit und Einhaltung der Anwartschaftszeit. Für eine Bewilligung muss der Antragsteller eine gewisse Zeit in einem Versicherungspflichtverhältnis tätig gewesen sein und hierbei für mindestens 12 Monate (innerhalb der Rahmenfrist von zwei Jahren) in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Der Anspruch ist unabhängig von privaten Vermögensverhältnissen. Die Bezüge steuerfrei, werden jedoch unter dem Progressionsvorbehalt geleistet. Das bedeutet, dass zwar keine Steuern gezahlt werden müssen, sich ab einem bestimmten Betrag jedoch die Berechnungsgrundlage für die Steuerlast erhöht. Die Bezugsdauer bzw. Anspruchsdauer des Arbeitslosengeldes ergibt sich jedoch aus dem Alter des Arbeitnehmers und die Dauer der Einzahlung in die Arbeitslosenversicherung:

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Alter

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Einzahlung (Monate)

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Bezugsanspruch (Monate)

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58 und älter

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Für die Ermittlung vom täglichen Bemessungsentgelt werden die gesamten beitragspflichtigen Arbeitsentgelte durch die entsprechende Anzahl der Tage im Bemessungszeitraum geteilt. Dabei werden auch Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder eine Abfindung berücksichtigt. Die tatsächliche Höhe der Versicherungsleistung ist variabel und richtet sich nach der Lohnsteuerklasse, dem letzten Nettoeinkommen des Arbeitnehmers sowie nach der familiären Situation. Ein Arbeitsuchender mit Kind erhält 67% seines letzten Nettolohnes, ein Arbeitsuchender ohne Kind lediglich 60%, außerdem bleibt der Kindergeldanspruch erhalten. Hierbei gilt es zu beachten, dass bei besonders hohen Löhnen eine Bemessungsgrenze gilt. Diese wird jedes Jahr aufs Neue festgelegt und bei Gehältern über der Bemessungsgrenze als Grundlage für die Berechnung der Höhe des ALG I genutzt. War der Arbeitlose zuvor in Kurzarbeit versicherungspflichtig beschäftigt, kann die Leistung unter Umständen geringer ausfallen, da der Tagesdurchschnitt des Bemessungsentgelts innerhalb des Bemessungszeitraums für die Berechnung zugrunde gelegt wird.

Ein Hinzuverdienst aus einer Nebentätigkeit wird auf das ALG I angerechnet. Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass man bei Nebentätigkeiten, welche mehr als 15 Wochenstunden umfassen, den Anspruch auf Arbeitslosengeld verliert. Das Kindergeld wird hingegen nicht angerechnet. Darüber hinaus werden Zuschüsse für die Krankenkasse, sowie die Pflege- und Rentenversicherung geleistet. Eine Kürzung des ALG I seitens der Bundesagentur für Arbeit kann nicht vorgenommen werden. Sollte der Betrag nicht ausreichen um alle notwendigen Kosten, wie Miete und Nahrung, zu decken, können zusätzliche Sozialleistungen wie Wohngeld oder Aufstockung durch ALG II beantragt werden.

Arbeitslosengeld II (Hartz IV)

ALG II gilt als Grundsicherung für hilfsbedürftige Arbeitsuchende. Es handelt sicher hierbei nicht um eine Versicherungsleistung, sondern eine Sozialleistung des Staates. Eine Feststellung der Hilfsbedürftigkeit der Bedarfsgemeinschaft (beispielsweise Ehepaar oder Familie) ist bei der Beantragung von Hartz IV notwendig. Hierbei müssen alle Vermögensverhältnisse offengelegt und bewiesen werden, dass der Lebensunterhalt nicht aus eigener Tasche bestritten werden kann. Eine Ausnahme stellt die private Altersvorsorge da, welche unangetastet bleiben muss. Das Kindergeld jedoch wird als Einkommen angerechnet. Darüber hinaus muss eine Erwerbsfähigkeit des Empfängers bestehen. In der Regel gilt man im Alter von 15 bis 67 als erwerbsfähig. Auszubildende, Schüler und Studenten, etc. sind hiervon ausgenommen.

Die Höhe des ALG II wird vom Staat bestimmt. Es gelten feste Beträge, wobei die Lebensumstände des Antragsstellers (Ehegatte, Kinder, etc.) eine wichtige Rolle bei der Eingruppierung spielen. Außerdem besteht Anspruch auf die Übernahme der Kosten für eine angemessene Wohnung. Hierzu zählen die Kaltmiete, solange der Betrag als angemessen gilt, sowie eine Reihe von Nebenkosten. Die Kosten für Heizung, Grundabgaben und Kaltwasser werden beispielsweise übernommen, während Ausgaben für Gas zum Kochen, Warmwasser und Strom selbst zu tragen sind.

Arbeitslosengeld II hat keine Anspruchssdauer, sondern gilt als unbefristet, solange einige Auflagen eingehalten werden. Beispielsweise bestehen gewisse Meldepflichten und es muss Eigeninitiative auf der Suche nach einer Arbeit nachgewiesen werden. Werden diese strikten Anforderungen nicht befolgt, kann es zu Kürzungen kommen.

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Top-Fragen zum Thema Arbeitslosengeld (ALG) für Arbeitnehmer

1. Wer zahlt die Miete?

Sind Sie Empfänger von Arbeitslosengeld I, so sind Sie in der Regel selbst dafür verantwortlich, Ihre Miete zu bezahlen. Sollte der von der Bundesagentur für Arbeit geleistete Betrag hierfür zu gering ausfallen, können Sie zusätzlich Wohngeld beantragen. Sind Sie Empfänger von Arbeitslosengeld II, so übernimmt die Bundesagentur für Arbeit zusätzlich zu den normalen Bezügen auch Ihre Mietkosten, sowie einen Teil der Nebenkosten, solange sich diese im angemessenen Rahmen befinden. 

2. Wer zahlt die Krankenversicherung?

Als Empfänger des Arbeitslosengeldes I erhalten Sie zusätzliche Zahlungen für die Beiträge der gesetzlichen Krankenkasse. Beiträge für eine private Krankenversicherung können auch teilweise übernommen werden, jedoch maximal bis zur Höhe der Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung.  Empfänger von Hart IV sind in der gesetzlichen Krankenversichersicherung versicherungspflichtig, es sei denn sie sind bei einem Familienangehörigen mitversichert. Die Beiträge für die Versicherung werden von Staat übernommen. 

3. Kann das Arbeitslosengeld gekürzt werden?

Bei dieser Frage muss zwischen ALG I und II unterschieden werden. Das Arbeitslosengeld I kann Ihnen nicht gekürzt werden, da es eine Versicherungsleistung darstellt. Hartz IV jedoch kann unter Umständen gekürzt werden. Dies ist der Fall wenn gewisse Auflagen nicht eingehalten werden. Hierzu zählt beispielsweise die Meldepflicht, aber auch das Nachweisen von Anstrengung und Eigeninitiative auf der Arbeitssuche. Wenden Sie sich bei Fragen mithilfe unserer telefonischen Rechtsberatung an einen Anwalt.

4. Was ist eine Sperrzeit?

Eine Sperrzeit kann von der Bundesagentur für Arbeit verhängt werden, wenn ein versicherungswidriges Verhalten vorliegt. In dieser Zeit besteht kein Anspruch auf Arbeitslosengeld. Als Grund für das Verhängen einer Sperrzeit zählt beispielsweise eine Kündigung durch den Arbeitnehmer selbst oder eine durch Fehlverhalten selbst verschuldete außerordentliche Kündigung. Außerdem können Sperrzeiten verhängt werden, wenn sich der Arbeitlose nicht fristgerecht arbeitssuchend meldet.

5. Kann Arbeitslosengeld gepfändet werden?

Arbeitslosengeld II darf auch im Falle einer Privatinsolvenz nicht gepfändet werden, da sie eine Grundsicherung für Hilfsbedürftige darstellt. Beim ALG I gelten die gleichen Pfändungsgrenzen wie bei Gehaltszahlungen. Eine Pfändung ist in diesem Falle also möglich. 

6. Wieviel darf ich mir zum Arbeitslosengeld dazuverdienen?

Hierbei wird zwischen ALG I & II unterscheiden. Ein Empfänger von ALG I darf monatlich 165€ dazuverdienen. Darüberhinausgehende Einkommen werden an die Bezüge angerechnet. Beim ALG II beträgt der Brutto-Freibetrag 100€. Darüber hinaus dürfen 20% der Brutto-Einkünfte zwischen 101 und 1000 Euro, sowie 10% der Einkünfte zwischen 1001 und 1250 (1500 bei Eltern von Minderjährigen) Euro anrechnungsfrei behalten werden. Des Weiteren gilt es zu beachten, dass man bei Tätigkeiten die mehr als 15 Wochenstunden umfassen nicht mehr als arbeitslos gilt und sämtliche Ansprüche auf die Sozialleistungen verliert (Stand 2016). Wenden Sie sich bei Fragen mithilfe unserer telefonischen Rechtsberatung an einen Anwalt.

7. Was ist Teilarbeitslosengeld?

Ein Anspruch auf Teilarbeitslosengeld besteht nach §162 SGB III bei Arbeitnehmern mit mehreren versicherungspflichtigen Tätigkeiten. Beim Verlust eines der Arbeitsplätze wird der Ausgleich für maximal 180 Tage gezahlt. Der Anpruch auf Teilarbeitslosengeld besteht jedoch nur, wenn die Arbeitsverhältnisse innerhalb der Rahmenfrist von zwei Jahren vor der Meldung für mindestens 12 Monate bestanden haben. 

8. Wird das Arbeitslosengeld auf die Altersrente angerechnet?

Bei einem Anspruch auf Arbeitslosengeld I zahlt das Arbeitsamt meist auch Beiträge zur Rentenversicherung. Das ist jedoch nur der Fall, wenn der Arbeitslose im letzten Jahr vor dem Beginn der Leistung rentenversicherungspflichtig war. Sonst besteht auch die Möglichkeit, eine Pflichtversicherung zu beantragen. Die Altersrente wird jedoch durch die Arbeitslosigkeit um 20% gemindert. Bei Arbeitslosengeld II wird hingegen kein Geld in die Rentenkasse eingezahlt, sodas nur ein Anspruch auf die Grundsicherung besteht. Weitere Fragen beantwortet einer unserer Rechtsanwälte für Arbeitsrecht gerne. 

Top-Tipps zum Thema Arbeitslosengeld (ALG) für Arbeitnehmer

1. Lassen Sie die Höhe des Arbeitslosengeldes von einem Anwalt überprüfen.

Überprüfen Sie, wieviel Arbeitslosengeld Ihnen genau zusteht. Ein Anwalt kann Ihnen dabei helfen, eine Selbstberechnung durchzuführen und möglichst viele Bezüge zu sichern. Er berücksichtigt dabei Einflüsse wie Abfindung, Kurzarbeit, Teilarbeitslosigkeit, Kindergeld, Weihnachtsgeld, eventuelle Sperrzeiten und die Einhaltung der Anwartschaftszeiten. Nutzen Sie unsere telefonische Rechtsberatung und lassen Sie sich beraten.

2. Vermeiden Sie eine Sperrzeit.

Eine Sperrzeit kann von der Bundesagentur für Arbeit verhängt werden, wenn ein klarer versicherungswidriges Verhalten vorliegt. Während der Sperrzeit genießen Sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Sie Ihren Job selbst kündigen oder Ihrem Arbeitgeber durch schwerwiegendes Fehlverhalten einen Grund für eine fristlose Kündigung geben. Lassen Sie sich von einem erfahrenen Rechtsanwalt beraten. Nutzen Sie hierzu unsere telefonische Rechtsberatung.

3. Konsultieren Sie bei einer Kündigung einen Rechtsanwalt.

Falls Sie eine Kündigung erhalten haben oder Ihnen diese in Aussicht gestellt worden ist, empfiehlt es sich, einen fachkundigen Rechtsanwalt zu kontaktieren. Dieser kann einerseits mit Ihrem Arbeitgeber um die Zahlung einer Abfindung verhandeln, aber andererseits auch sicherstellen, dass Sie in Zukunft einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Finden Sie auf unserer Seite einen Rechtsanwalt in Ihrer Region.

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