NSU-Prozess: Falscher Mandant führt zu Strafverfahren

Verfasst von Theresa Smit am 14. Oktober 2015

Sitzplätze im Gerichtssaal
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Der Prozess gegen die Mitglieder des Nationalsozialistischen
Untergrundes (NSU)
zog in den gesamten Medien seine Kreise. Mehrere Mitglieder
der rechtsextremen Vereinigung wurden wegen zehnfachen Mordes und Brandstiftung
angeklagt. Der Prozess zieht sich bereits über einige hunderte Verhandlungstage
hin, da es zahlreiche Zeugen, Kläger und Nebenkläger gibt. Erst im Oktober
diesen Jahres wurde dabei entdeckt, dass eine von dem Rechtsanwalt Ralph Willms
vertretene Nebenklägerin nicht existiert. Nachdem Willms von der Nichtexistenz
seiner Mandantin erfahren hatte, legte er sein Mandat nieder und erstattete
Strafanzeige gegen seinen angeblichen Informanten. Nun hat auch die
Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betruges eingeleitet.

Falscher Kläger im NSU-Prozess

Der Rechtsanwalt gab an, seine angebliche Mandantin Meral
Keskin nie persönlich gesehen zu haben. Ein anderer Nebenkläger habe sie ihm gegen
eine Provision vermittelt und ihn auch mit den nötigen Informationen versorgt.
Er habe ihm mitgeteilt, dass aufgrund von gesundheitlichen Problemen und dem
Aufenthalt der Mandantin in der Türkei kein Kontakt möglich sei. Besonders
brisant ist, dass Willms durch die angebliche Vertretung bereits 123.000 Euro verdient
hat. In welchem Umfang der Betrag bereits an ihn ausgezahlt wurde, wird bisher
noch überprüft. Eine Entschädigungszahlung in Höhe von 5.000 Euro wurde anscheinend
ebenfalls an ihn überwiesen. Das falsche Spiel fiel erst auf, als ein Kollege eine
andere Person auf einer Fotografie der angeblichen Mandantin erkannte. Dennoch
ist bis heute unklar, wieso die Frau überhaupt als Nebenklägerin zugelassen
wurde. Das Attest des Informanten wurde einfach für die Mandantin kopiert, auch
die anderen Dokumente sind gefälscht oder nicht vorhanden. Lediglich ein
Rechtsanwalt meldete Bedenken daran an, dass es sich bei Meral Keskin um ein
Opfer handele. Die Richter ließen sich jedoch täuschen.  

Betrug durch den Rechtsanwalt?

Rechtsanwalt Willms sieht sich nun mit einem
Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft konfrontiert. Ihm wird Betrug
vorgeworfen, da er einen finanziellen Vorteil aus der falschen Klägerin gezogen
hat. Zusätzlich dürfte die Teilnahme am bekannten NSU-Prozess auch beruflich
interessant für ihn gewesen sein. Das ist im Besonderen vor dem Hintergrund,
dass Willms bereits wegen des Besitzes und der Abgabe von Rauschmitteln
vorbestraft ist, beachtenswert. Alles in allem dürfte es schwer für ihn werden,
sich gegen die Vorwürfe adäquat zu verteidigen. Zu seiner Verteidigung könnte
er lediglich anführen, dass er sein Mandat angeblich sofort niedergelegt habe,
als er von den Zusammenhängen erfuhr. 

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