Altersteilzeit

Verfasst am 12. Juli 2016

Definition "Altersteilzeit"
Die Altersteilzeit ist ein schrittweiser Ausstieg aus dem Berufsleben bis zum Renteneintrittsalter aus dem Berufsleben durch steuerliche Begünstigungen.
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Was ist Altersteilzeit?

Diese Form der Teilzeit wird durch das Altersteilzeitgesetz (AltTZG) geregelt und betrifft Arbeitnehmer, die das 55. Lebensjahr bereits überschritten haben. Ab Beginn der Altersteilzeitarbeit hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit, bis zum Renteneintrittsalter seine Arbeitszeit zu halbieren. Hierbei werden die Rentenbeiträge sowie das laufende Entgelt vom Arbeitgeber aufgestockt. Es gibt insgesamt zwei Formen des Arbeitsmodells. Beim ersten Modell handelt es sich um das sogenannte „Blockmodell“. Hierbei bleibt die Arbeitszeit  in der ersten Hälfte der Altersteilzeit gleich, während in der zweiten Hälfte eine vollständige Freistellung von Arbeit erfolgt. Beim zweiten Modell erfolgt eine gleichmäßige Reduzierung der Arbeitszeit während der gesamten Altersteilzeit.

Wie hoch ist der Aufstockungsbetrag?

Neben der Arbeitszeit wird auch das Gehalt des Arbeitnehmers halbiert. Es muss jedoch um 20 Prozent des Regelarbeitsentgelts sozialversicherungsfrei aufgestockt werden. In Tarifverträgen sowie in Betriebsvereinbarungen können  auch höhere Aufstockungsbeträge festgelegt sein.

Wer zahlt den Aufstockungsbetrag?

Der Aufstockungsbetrag in Höhe der gesetzlich vorgeschriebenen 20 Prozent sowie die zusätzlichen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 80 Prozent des Entgelts werden vom Arbeitgeber gezahlt.

Wer hat einen Anspruch darauf?

Grundsätzlich ist im Altersteilzeitgesetz kein rechtlicher Anspruch des Arbeitnehmers auf Altersteilzeit vorgesehen. Ein Rechtsanspruch kann lediglich aus einem Tarifvertrag, einem Einzelvertrag oder aus einer Betriebsvereinbarung hervorgehen. Dieses Arbeitsmodell kann somit nur im Fall eines gegenseitigen freiwilligen Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Anspruch genommen werden. Voraussetzung hierbei ist allerdings, dass der Arbeitgeber das 55. Lebensjahr vollendet hat. Vor Beginn der Altersteilzeit muss der Arbeitnehmer innerhalb der letzten fünf Jahre an insgesamt 1080 Kalendertagen einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgegangen sein. Zudem muss die Vereinbarung über die Altersteilzeit zu dem Zeitpunkt enden, an welchem die Altersrente einsetzt.

Wie lange ist Altersteilzeit möglich?

Bei tarifvertraglichen Regelungen ist bis zum 55. Lebensjahr des Arbeitnehmers eine Regelaltersgrenze möglich. Individuelle Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterliegen wiederum Einschränkungen. So kann das Blockmodell nur für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren festgelegt werden. Bei der gleichmäßigen Reduzierung der Arbeitszeit hingegen gibt es keine Einschränkungen. In diesem Fall darf die Altersteilzeit ab der Vollendung des 55. Lebensjahres bis zum Renteneintrittsalter in Anspruch genommen werden.

Wozu dient die Altersteilzeit?

Durch dieses Arbeitsmodell soll es älteren Arbeitnehmern ermöglicht werden, schrittweise aus dem Erwerbsleben auszusteigen. Dabei sollte sich jeder Arbeitnehmer jedoch im Voraus überlegen, ob sich dieser schleichende Ausstieg aus der Berufswelt finanziell und zeitlich lohnt. 

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Top-Fragen zum Thema Altersteilzeit für Arbeitnehmer

1.tWie beantrage ich Altersteilzeit?

Sie können direkt bei Ihrem Arbeitgeber die Altersteilzeit beantragen, wenn vertraglich nichts anderes vereinbart ist. Dabei empfiehlt es sich, dem Arbeitgeber einen konkreten Vorschlag zu machen und auf eine Einigung hinzuarbeiten mit Blick auf die genaue Verteilung der Arbeitszeiten. Der Antrag ist genehmigt, wenn der Arbeitgeber ihn nicht spätestens einen Monat vor dem Beginn der Altersteilzeit ablehnt. Falls Sie in diesem Fall eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen wollen, können Sie hier einen erfahrenen Rechtsanwalt kontaktieren.

2.tKann ich den Altersteilzeitvertrag wieder kündigen?

Die ordentliche Kündigung eines Altersteilzeitvertrags ist nur dann möglich, wenn dies zuvor im Tarif – oder im Einzelvertrag vereinbart wurde. Ansonsten endet der Vertrag mit dem Ablauf seiner Befristung. Wenn Sie sich hierzu genauer informieren möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Online – Rechtsberatung.

3.tWelche Vorteile hat die Altersteilzeit für mich?

Die Arbeitszeit wird dadurch halbiert, was einen schrittweisen Übergang von der Berufswelt zur Rente ermöglicht. Das Gehalt und die Rente werden dabei jedoch nicht automatisch halbiert, sondern während der Altersteilzeit durch den Arbeitgeber aufgestockt. 

4.tWelche Nachteile hat die Altersteilzeit für mich?

Das Einkommen sowie die Rentenzahlung können sich dadurch verringern. Dies ist jedoch abhängig von der individuellen Absprache oder den tarifvertraglichen Vereinbarungen. Außerdem können eventuell Sonderleistungen, wie etwa Weihnachtsgeld – oder Urlaubsgeld dadurch wegfallen. Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, lassen Sie sich telefonisch von einem erfahrenen Rechtsanwalt beraten.

5.tHat es Auswirkungen, wenn ich während der Altersteilzeit erkranke?

Ein Krankheitsfall beim Blockmodell während der Freistellungsphase hat keine Auswirkungen. Sollten Sie jedoch während der Arbeitsphase erkranken, haben Sie einen Anspruch auf eine Entgeltfortzahlung von bis zu sechs Wochen. Danach erhalten Sie Krankengeld. 

Top-Tipps zum Thema Altersteilzeit für Arbeitnehmer

1.tErkundigen sie sich vor der Antragstellung bei Ihrer Rentenversicherung.

Sie sollten im Voraus wissen, wann der Beginn Ihrer Altersrente ist, da die Altersteilzeit mit dem Beginn Ihres Renteneintritts enden muss. Außerdem sollten Sie  sich über Ihre vollen Leistungshöhe und eventuelle Abzüge erkundigen. Lassen Sie sich dazu genauer von einem kompetenten Rechtsanwalt beraten.

2.tTreffen Sie Absprachen mit der Personalabteilung.

In einem Gespräch mit Ihrem Chef oder der Personalabteilung sollten Sie Ihr Anliegen genau erläutern. Dies ist wichtig, da sie dadurch in Erfahrung bringen, ob eine Altersteilzeit überhaupt möglich ist. Außerdem erfahren Sie mehr über tarifvertragliche oder vertragliche Regelungen und können dabei überlegen, welches Modell eventuell für Sie in Frage kommt. Es sollte auch abgesprochen werden, inwieweit Ihr Arbeitnehmer sich dazu bereit erklärt, Ihr Gehalt und die Rentenbeiträge aufzustocken. 

3.tVerschaffen Sie sich Klarheit über Ihre finanzielle Situation.

Es empfiehlt sich, genau zu wissen, was sie während ihrer Altersteilzeit verdienen werden und wie viel Rente sie anschließend erhalten. Insbesondere mit Blick auf weitere finanzielle Verpflichtungen sollten Sie dies im Voraus in Erfahrung bringen. Ein Anwalt für Arbeitsrecht kann Ihnen dabei weiterhelfen.


Für Arbeitgeber

Top-Fragen zum Thema Altersteilzeit für Arbeitgeber

1.tWelche Vorteile habe ich durch die Altersteilzeit?

Die Altersteilzeit kann auch projektweise möglich sein. Somit besteht die Möglichkeit einer besseren Einteilung der Arbeitszeit. Außerdem werden Auszubildenden jüngeren Arbeitnehmern somit mehr Chancen und Möglichkeiten auf einen Arbeitsplatz eröffnet. Sie können somit die Altersstrukturen Ihres Unternehmens aktiv beeinflussen. Der ältere Arbeitnehmer hat zudem genügend Zeit, um einen neuen Arbeitnehmer einzuarbeiten. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass der Aufstockungsbetrag frei von Steuern und Sozialversicherungen ist. 

2.tWelche Nachteile hat Altersteilzeit für mich?

Es können insbesondere in größeren Unternehmen organisatorische Probleme auftreten bei der gleichmäßigen Reduzierung der Arbeitszeit. Daher wird häufig das Blockmodell gewählt, wodurch jedoch das Einarbeiten von jüngeren Arbeitnehmern durch den älteren Angestellten erschwert wird. 

3.tIst eine Kündigung möglich im Fall von Altersteilzeit?

Eine ordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses ist nur dann möglich, wenn eine Vereinbarung dazu im Tarif – oder im Einzelvertrag getroffen ist. Beim Blockmodell ist während der aktiven Arbeitsphase des Angestellten eine betriebsbedingte Kündigung möglich. In der passiven Arbeitsphase hingegen ist sie hingegen nicht mehr zulässig. Nutzen Sie hierfür unsere Online – Rechtsberatung.

Top-Tipps zum Thema Altersteilzeit für Arbeitgeber

1.tGute Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat.

Das Wissen und die Arbeitserfahrung älterer Arbeitnehmer in Altersteilzeit kann gut in Projektarbeiten mit einfließen. Somit kann diese Form der Teilzeit sinnvoll und gut eingeteilt werden. Ein weiterer Vorteil liegt in der Tatsache, dass das Wissensspektrum gleichzeitig leichter an jüngere Angestellte weitervermittelt werden kann durch die älteren Arbeitnehmer. Damit dieses Wissen in Ihrem Betrieb möglichst lange weiterhin zur Verfügung stehen kann, lohnt sich eine gute Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. 

2.tGenaue Regelungen zur Altersteilzeit.

Es besteht zwar kein rechtlicher Anspruch auf Altersteilzeit, finden sich in einigen Tarifverträgen häufig Regelungen, die den Arbeitnehmern dennoch einen Anspruch darauf einräumen können. Daher empfiehlt es sich, Tarifverträge auf diese Regelungen hin zu überprüfen. Fall Sie sich in diesem Punkt beraten lassen wollen, können Sie hier einen Anwalt anrufen.

3.tRegelungen in Betriebsvereinbarungen treffen.

Bestimmte Punkte sollten bezüglich der Altersteilzeit in Betriebsvereinbarungen festgelegt werden, insofern diese nicht bereits tarifvertraglich geregelt sind. Dabei sollten beispielsweise Punkte, wie etwa die Insolvenzversicherung sowie auch die Form der Altersteilzeit oder die Aufstockung der Rentenbeiträge geregelt werden. Auch der Kreis der Arbeitnehmer, die Altersteilzeit beanspruchen können und der Ausgleich von Rentenabschlägen sind hierbei wichtig. Hier empfiehlt sich eine Rechtsberatung – einen Anwalt für Arbeitsrecht können Sie hier kontaktieren. 

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