Zeitarbeit

Verfasst am 14. Juli 2016

Definition "Zeitarbeit"
Bei der Zeitarbeit wird ein Arbeitnehmer einem anderen Unternehmen gegen eine Vergütung zeitweise überlassen.
istock.com/phasinphoto

Als Zeitarbeit,Arbeitnehmerüberlassung oder auch Personalvermittlung bezeichnet man ein Verhältnis zwischen einem Arbeitnehmer, seinem Arbeitgeber und einem anderen Unternehmen. Der Arbeitnehmer wird dabei gegen eine entsprechende Vergütung für einen festgelegten Zeitraum „verliehen“. Es existiert sowohl ein Arbeits- oder Tarifvertrag zwischen dem Arbeiter und der Verleiherfirma als auch ein Vertrag zwischen den beiden Unternehmen. Der Arbeitnehmer befindet sich dabei in einem klassischen Arbeitsverhältnis, in dem sowohl Lohn ausgezahlt als auch Sozialversicherungsbeiträge und Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall geleistet werden. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die tatsächliche Arbeit in einem anderen Unternehmen unter den Anweisungen eines anderen Vorgesetzten stattfindet.

Gesetzliche Grundlage der Zeitarbeit

Zeitarbeitsfirmen benötigen eine Erlaubnis der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) für ihre Tätigkeit. Eine Ausnahme liegt vor, wenn Arbeiter innerhalb einer Branche oder einem Unternehmen überlassen werden, etwa um eine Entlassung vorzubeugen. Findet die Überlassung auf klassische Art und Weise statt, ist jedoch in jedem Fall ein schriftlicher Arbeitsnehmerüberlassungsvertrag nötig. Die gesetzliche Grundlage bildet dabei das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Dort ist unter anderem geregelt, dass die Überlassung nur vorrübergehend stattfinden darf. Somit darf ein Unternehmen nicht dauerhaft denselben Zeitarbeiter beschäftigen und muss diesen im Regelfall als Arbeitnehmer einstellen.

Umgang mit dem Zeitarbeiter

Das Gehalt bei der Zeitarbeit orientiert sich an der Tätigkeit und Qualifikation des Arbeitnehmers. Dabei darf jedoch nicht die Lohnuntergrenze unterschritten werden. Diese liegt seit Juni 2016 im Osten Deutschlands bei 8,50 €, im Westen bei 9,00 €. Während der Arbeit im Einsatzunternehmen muss der Zeitarbeitnehmer wie seine zeitweiligen Kollegen behandelt und in den Betrieb eingegliedert werden. Daher verfügt er über einen Auskunftsanspruch, um die Umstände einschätzen zu können. Ebenso ist der Entleiher für die Gesundheit des Arbeiters zuständig und muss ihm die nötigen Einweisungen geben.

Einsatzort und Qualifikation

Der Einsatzort eines Zeitarbeitnehmers ist sowohl von seinen Wünschen als auch von seiner Qualifikation abhängig. Diese werden in den meisten Fällen zusammen mit den möglichen Einsatzgebieten im Arbeitsvertrag festgehalten. Da die Leihfirma den Arbeitnehmer jedoch an so vielen potenziellen Stellen wie möglich unterbringen möchte, sind die Angaben weit gefasst. Da nicht selten weite Entfernungen überbrückt werden müssen, besteht ein Anspruch auf die Erstattung von Fahrtkosten. Weitere Fragen beantworten unsere Rechtsanwälte für Arbeitsrecht gerne.

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Top-Fragen zum Thema Zeitarbeit für Arbeitnehmer

1. Wo melde ich mich während der Zeitarbeit krank?

Auch, wenn Sie während einer Arbeitsnehmerüberlassung in einem anderen Unternehmen tätig sind, ist die Zeitarbeitsfirma dennoch ihr eigentlicher Arbeitgeber. Demnach müssen Sie dort eine Krankmeldung bereits vor Dienstbeginn durchführen. Rufen Sie die Zeitarbeitsfirma daher am besten kurz an oder schreiben Sie eine E-Mail. Je nach Vereinbarung im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag muss auch eine vom Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung entweder am ersten oder am dritten Tag der Erkrankung vorgelegt werden. Die Firma wird die Information dann an die Entleiherfirma weiterleiten. Weitere Fragen beantworten unsere Rechtsanwälte bei der telefonischen Rechtsberatung gerne.

2. Wo kann ich mich über die Zeitarbeitsfirma beschweren?

Gerade bei Zeitarbeitsfirmen kann es häufiger zu Konflikten kommen. Das kann etwa der Fall sein, wenn Sie eine Ihrer Meinung nach unberechtigte Kündigung erhalten haben, mit dem Arbeitsvertrag unzufrieden sind oder andere Gründe für eine Beschwerde haben. Falls ein persönliches Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten keine Lösung bringt, kann der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) unter Umständen weiterhelfen. Der Verband bietet eine unabhängige Kontaktstelle und Schlichtungsstelle an, die einen Verstoß gegen den Ethikkodex untersucht. Der folgende Link führt Sie direkt auf die Seite des iGZ.

3. Wie kann ich bei Zeitarbeit kündigen?

Während der Tätigkeit bei einer Entleiherfirma kommt es hin und wieder vor, dass dem Arbeitnehmer dort ein fester Arbeitsplatz angeboten wird. In einem solchen Fall sind Sie selbstverständlich dazu berechtigt, eine fristgerechte Kündigung bei der Zeitarbeitsfirma einzureichen und den Arbeitgeber nach Ablauf der Frist zu wechseln. Ein schnellerer Wechsel ist in der Regel nicht möglich, da die Verleihfirma meist vorsorglich eine Vermittlerprovision von bis zu drei Monatsgehältern im Arbeitsvertrag festlegt. Ein vertraglich festgelegtes Abwerbeverbot ist hingegen rechtswidrig. Sie sind unsicher, unter welchen Umständen Sie bei einer Zeitarbeitsfirma kündigen können? Einer unserer Rechtsanwälte bei der telefonischen Rechtsberatung hilft Ihnen gerne weiter.

4. Wer erstellt mein Arbeitszeugnis?

Das Arbeitszeugnis wird vom Zeitarbeitsunternehmen erstellt, da dieses der eigentliche Arbeitgeber ist. Dennoch können Sie bei einer längerfristigen Tätigkeit in einer anderen Firma auch dort um ein Zeugnis bitten. Das ist besonders ratsam, da der eigentliche Arbeitgeber Ihre Arbeitsweise und Fähigkeiten nur sehr indirekt bewerten kann. Wenn Sie mit Ihrem Arbeitszeugnis unzufrieden sind, lassen Sie es von einem fachkundigen Rechtsanwalt überprüfen.

5. Kann das Arbeitsamt mich zur Zeitarbeit zwingen bzw. kann ich diese ablehnen?

Zeitarbeit erscheint gerade bei Langzeitarbeitslosen oft als einziger Ausweg. Besonders für die Arbeitsämter ist es attraktiv, die Arbeitslosen schnell wieder in einem Arbeitsverhältnis unterzubringen. Daher kann es vorkommen, dass Arbeitssuchende nur Vorschläge für eine Tätigkeit bei einer Zeitarbeitsfirma erhalten. Dabei ist häufig die Befürchtung groß, direkt nach Ablauf eines befristeten Vertrags wieder ohne Arbeit dazustehen. Sie können ein solches Jobangebot dennoch nicht so einfach ablehnen, wenn Sie keine guten Gründe angeben. Lassen Sie diese günstig von einem unserer kompetenten Rechtsanwälte überprüfen.

6. Bekommen Zeitarbeiter Weihnachtsgeld?

Zeitarbeitskräfte müssen genauso wie alle anderen Arbeitnehmer behandelt werden. Daher haben sie neben ihrem Anspruch auf Urlaub auch ein Recht auf Weihnachtsgeld, wenn dieses im Arbeitsvertrag verinbart wurde. Ein Großteil der Zeitarbeitsfirmen schließt außerdem Tarifverträge mit ihrem Mitarbeitern ab, in denen die Jahressonderzahlung und Urlaubsgeld von vornherein enthalten sind. Das ist jedoch nur der Fall, wenn das Arbeitsverhältnis schon länger als sechs Monate besteht. Sie haben weitere Fragen zum Thema? Lassen Sie sich hier von einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht beraten. 

Top-Tipps zum Thema Zeitarbeit für Arbeitnehmer

1. Wählen Sie Ihre Zeitarbeitsfirma mit Bedacht.

Auch, wenn Sie so schnell wie möglich eine neue Arbeit suchen, sollten Sie nicht bei der nächstbesten Zeitarbeitsfirma anheuern. Zunächst einmal sollten Sie sich versichern, dass das Unternehmen tatsächlich über eine Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung verfügt, da der Arbeitsvertrag sonst nichtig wird. Außerdem ist es ratsam, auf Mitgliedschaften in berufsspezifischen Vereinigungen wie etwa dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen oder dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) zu achten. Diese vertreten einen Ethikkodex, an den sich alle Mitglieder halten müssen. So wird ein fairer Umgang mit den Mitarbeitern gewährleistet. Außerdem werden sich seriöse Leihunternehmen sehr wahrscheinlich stärker dafür einsetzen, Sie dauerhaft in einer anderen Firma unterzubringen.

2. Wehren Sie sich gegen dauerhafte befristete Verträge.

Es gehört zur Politik der meisten Zeitarbeitsfirmen, nur befristete Arbeitsverträge auszuhandeln. Das Unternehmen ist so in der Lage, den Kündigungsschutz zu umgehen, der erst nach sechs Monaten in Kraft tritt. Sie sollten sich jedoch nach Möglichkeit gegen einen befristeten Vertrag aussprechen. Das ist besonders der Fall, wenn ein Arbeitsvertrag bereits abgelaufen ist und eine neue Befristung angestrebt wird. Achten Sie insbesondere darauf, dass ein Vertrag nicht mehr als dreimal innerhalb von zwei Jahren verlängert werden darf. Lassen Sie sich in einem solchen Fall von einem unserer Rechtsanwälte beraten.

3. Verkaufen Sie sich nicht unter Ihrem Wert.

Geben Sie bei einer Bewerbung bei einem Personaldienstleister alle Ihre Qualifikationen an. So können Sie sicherstellen, eine Arbeit zugewiesen zu bekommen, die Ihre Erwartungen erfüllt und Sie fordert. Zusätzlich sollten Sie von Ihrem Recht Gebrauch machen, sich bei Ihrem Arbeitgeber zu beschweren, wenn die Entleiherfirma Sie ohne Rücksicht auf Ihre Fähigkeiten einsetzt. Auch sind Sie nicht zu Einsätzen außerhalb des vereinbarten Arbeitsbereichs gezwungen. Wenn in einem solchen Fall auch die Kommunikation mit Ihrem Arbeitgeber nicht hilft, sollten Sie sich in jedem Fall an einem Rechtsanwalt wenden.

4. Sehen Sie die Zeitarbeit als Chance.

Zeitarbeit mag auf den ersten Blick nicht sehr attraktiv erscheinen, bietet letztlich jedoch eine Chance, Berufserfahrung zu sammeln und Einblick in unterschiedliche Unternehmen zu erhalten. Zusätzlich wiesen viele Experten auf den sogenannten Klebeeffekt hin. Demnach übernehmen zahlreiche Unternehmen Leiharbeiter nach einer ersten Einarbeitungsphase. Wenn das bei Ihnen der Fall ist, sollten Sie sich hier über Ihre Möglichkeiten zur Kündigung bei der Leihfirma beraten lassen.


Für Arbeitgeber

Top-Fragen zum Thema Zeitarbeit für Arbeitgeber

1. Was muss ich bei Zeitarbeitern beachten?

Arbeitskräfte, die im Rahmen der Personaldienstleistung vermittelt werden, verfügen über dieselben Rechte wie alle anderen Arbeitnehmer. Für die Einstellung wird ein Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag benötigt, außerdem gilt der übliche Kündigungsschutz. Außerdem haben die Arbeitnehmer einen Anspruch auf den jeweiligen Branchenzuschlag, den Sie entsprechend auszahlen müssen. Auch den Nachtarbeitszuschlag und den Feiertagszuschlag müssen sie bei der Gehaltsberechnung mit einbeziehen. Hinzu kommt, dass Sie als Arbeitgeber auch dafür sorgen müssen, dass der Arbeitnehmer über die nötige Schutzkleidung verfügt und sollten daher direkt in den Arbeitsvertrag aufnehmen, ob er diese vollständig erhält oder nur ausleiht. Sie wollen die Arbeitsverträge oder Tarifverträge entsprechend überprüfen lassen? Hier wird Ihnen geholfen.

2. Lohnt sich Zeitarbeit für mich?

Leiharbeiter zu beschäftigen ist für viele Arbeitgeber in erster Linie bequem. Die Zeitarbeitsfirma kümmert sich um die Verwaltung des Personals, das auf Abruf bereit steht. Werden die Arbeitskräfte hingegen nicht mehr benötigt, kann man Sie einfach abbestellen. Dennoch sollten Sie nicht vergessen, dass Sie auch für entliehene Mitarbeiter verantwortlich sind. So sind Sie etwa verpflichtet, diesen Aufgaben zuzuweisen und sie über die Dienst- und Pausenzeiten aufzuklären. Wenden sie sich daher an einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht, der mit Ihnen zusammen die Chancen und Risiken der Zeitarbeit abwägt.

3. Wer haftet bei Schäden?

Bei einem Unfall während der Arbeitszeit werden sowohl der Leiher als auch der Entleiher in die Pflicht genommen. Beide müssen die zuständige Berufsgenossenschaft informieren. Anders sieht die Sache jedoch bei Schäden aus, die durch eine mangelnde Qualifikation des Leiharbeiters entstanden sind. In einem solchen Fall hat das Zeitarbeitsunternehmen seine Leistungspflicht verletzt und muss Schadensersatz leisten. Für eine schlechte Leistung bei ausreichenden Fähigkeiten ist es jedoch nicht verantwortlich. Auch für einen Schaden innerhalb des Entleiherbetriebs muss der Verleiher nicht die Verantwortung tragen. Da die Arbeitskraft dafür außer bei mutwilliger Zerstörung ebenso wenig belangt werden kann, bleibt der Entleiher auf dem Schaden sitzen. In Einzelfällen kann es jedoch auch zu Abweichungen kommen, weshalb Sie diese von einem kompetenten Rechtsanwalt bewerten lassen sollten.

4. Wer zahlt bei der Krankheit des Arbeitsnehmers?

Der Arbeitnehmer ist bei der Zeitarbeitsfirma angestellt, sodass diese im Krankheitsfall für eine Entgeltfortzahlung zuständig ist. Dafür muss der Mitarbeiter jedoch eine Krankmeldung und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einreichen. Auch muss dem Entleiher während der Krankheitszeit eine andere Arbeitskraft zur Verfügung gestellt werden. Wenden Sie sich bei Unsicherheiten zu diesem Thema gerne an unsere Rechtsanwälte für Arbeitsrecht.

5. Wer zahlt die Sozialversicherungsbeiträge?

Die Zeitarbeitsfirma muss als rechtmäßiger Arbeitgeber für die Sozialversicherungsbeiträge aufkommen. Dazu gehört neben der Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung auch eine Unfallversicherung.

Top-Tipps zum Thema Zeitarbeit für Arbeitgeber

1. Vereinbaren Sie nur befristete Verträge.

Zeitarbeitskräfte unterliegen wie alle anderen Arbeitsnehmer dem Kündigungsschutzgesetz. Da der volle Kündigungsschutz jedoch erst nach einem Arbeitsverhältnis von mindestens sechs Monaten gilt, ist es ratsam, dieses immer vorher zu beenden. Ist das nicht möglich, bieten befristete Arbeitsverträge eine gute Alternative.

2. Haben Sie immer eine Ersatzkraft zu Verfügung.

Bei einem Arbeitnehmerüberlassungsvertrag sind Sie dazu verpflichtet, der Entleiherfirma einen arbeitsfähigen und ausreichend qualifizierten Arbeiter zur Verfügung zu stellen. Das ist auch der Fall, wenn die eigentliche Arbeitskraft gerade krank oder im Urlaub ist. Demnach sollten Sie immer eine Ersatzkraft in der Hinterhand haben, um Ihre Vertragspflichten zu erfüllen. Weitere Fragen zum Vertrag beantworten Ihnen unsere Rechtsanwälte gerne.

3. Beachten Sie die Haftungsrichtlinien.

Bei einem klassischen Arbeitsverhältnis ist die Frage nach der Haftung schnell geklärt, da der Arbeitnehmer nur bei einer mutwilligen Sachbeschädigung verantwortlich gemacht werden kann. Bei dem in der Zeitarbeitsbranche herrschenden Dreiecksverhältnis ist das jedoch erheblich komplizierter. Da der Vertrag nur zwischen dem Leiher und dem Entleiher besteht, gibt es einige Lücken. So kann die Leihfirma zwar dafür verantwortlich gemacht werden, wenn der Arbeitnehmer nicht den erforderlichen Qualifikationen entspricht, jedoch nicht, wenn er schlechte Arbeit abliefert. 

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