Rechtsnews 08.03.2022

Reisemangel wegen Nichtanlaufen eines Hafens bei Kreuzfahrt?

Es gibt immer weitreichendere Coronamaßnahmen-Lockerungen. Fast zwei Jahre lang konnte man kaum verreisen. Jetzt kehrt die Reiselust der Deutschen umso größer zurück. Besonders beliebt sind – auch schon vor der Corona-Pandemie – Kreuzfahrten. In sieben Tagen mehrere Großstädte erkunden oder traumhafte Strände erleben. Das macht den Reiz einer Kreuzfahrt aus. Was aber, wenn während einer Kreuzfahrt ein Hafen entgegen der Planung nicht angesteuert wird? Liegt darin ein Reisemangel?

Sachverhalt

Wie stellte sich der Sachverhalt im vorliegenden Fall dar? In Ägypten wurde aufgrund der angespannten politischen Lage der Hafen Port Said während einer siebentägigen Kreuzfahrt nicht angesteuert. Das Kreuzfahrtschiff legte stattdessen in Aschdod Israel an. Mit dieser Entscheidung waren zwei Kreuzfahrtreisende jedoch unzufrieden. Für die beiden Reisenden war das Anlaufen des Hafens Port Said ein maßgeblicher Grund der Reise gewesen. Daraufhin zahlte der Reiseveranstalter aufgrund der Unannehmlichkeiten an die beiden Reisenden eine Entschädigung in Höhe von 200 Euro. Die Entschädigung war den Reisenden jedoch zu wenig und klagten daher auf eine Reisepreisminderung in Höhe von 60%, sowie auf Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude.

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Entscheidung des Gerichts

Wie entschied das Gericht im vorliegenden Fall? Das Amtsgericht (AG) Rostock entschied gegen die beiden Kläger. Nach Ansicht des Gerichts hat die Abweichung von der geplanten Reiseroute einen Mangel im Sinne des §651i Abs. 1 BGB dargestellt. Es bestehe aber kein Anspruch auf Reiseminderung über den bereits gezahlten Betrag. Im Fall der Minderung des Reisepreises wird ausgehend vom Gesamtpreis ein Tagesgesamtpreis zugrunde gelegt. Dann wird ein prozentualer Abschlag vorgenommen, welcher mit der Zahl der beeinträchtigen Tage multipliziert wird. Im Fall lag der Gesamtpreis bei 2.298 Euro. Daher ergab sich ein Tagespreis von 328,26 Euro. Da die beiden Kläger 60% des Tagespreises forderten, obwohl sie schon 200 Euro Entschädigung bekamen, steht diesen kein weiterer Anspruch auf Reisepreisminderung zu.

Wie steht es aber um den Wunsch nach Schadensersatz? Nach Ansicht des Amtsgerichts besteht auch kein Anspruch auf Schadensersatz nach §651n BGB wegen entgangener Urlaubsfreude. Die Richter betonen, dass weder ihre Kreuzfahrtreise vereitelt wurde, noch die beiden erheblich beeinträchtigt wurden. Es kann nicht von einer erheblichen Beeinträchtigung gesprochen werden, da lediglich ein Tag der siebentägigen Reise betroffen war. Daher sei der Charakter der Reise als Mittelmeerkreuzfahrt nicht beeinträchtigt worden.

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Quelle:

Amtsgericht Rostock, Urteil vom 15.11.2013 – 47 C 243/13

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