Rechtsnews 28.12.2025 Alex Clodo

Was versteht man unter einer Eigentümergemeinschaft?

Begriff und rechtliche Einordnung

Unter einer Eigentümergemeinschaft versteht man im deutschen Recht den Zusammenschluss aller Personen, die Eigentum an einzelnen Wohnungen oder sonstigen Nutzungseinheiten innerhalb einer Wohnanlage besitzen. Der gesetzlich korrekte Begriff lautet Gemeinschaft der Wohnungseigentümer. Die rechtliche Grundlage findet sich im Wohnungseigentumsgesetz (WEG) .

Eine Eigentümergemeinschaft entsteht automatisch kraft Gesetzes, sobald ein Grundstück oder Gebäude in mehrere Eigentumseinheiten aufgeteilt ist und diese Einheiten unterschiedlichen Eigentümern gehören. Ein gesonderter Vertrag oder eine bewusste Gründung ist dafür nicht erforderlich.

Rechtsfähigkeit der Eigentümergemeinschaft

Seit der Reform des Wohnungseigentumsgesetzes ist die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer in § 9a WEG ausdrücklich als rechtsfähig anerkannt. Das bedeutet, dass sie selbst Träger von Rechten und Pflichten ist.

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Die Eigentümergemeinschaft kann daher:

  • Verträge abschließen (z. B. mit Hausverwaltungen oder Handwerksbetrieben)
  • Konten führen und Rücklagen bilden
  • Versicherungen abschließen
  • vor Gericht klagen und verklagt werden

Einzelne Wohnungseigentümer handeln in diesen Bereichen grundsätzlich nicht mehr selbst, sondern über die Gemeinschaft.

Gemeinschaftseigentum und Sondereigentum

Ein zentrales Element ist die Unterscheidung zwischen Gemeinschaftseigentum und Sondereigentum. Diese Abgrenzung ist entscheidend für Zuständigkeiten, Kostenverteilung und Haftungsfragen.

Gemeinschaftseigentum

Zum Gemeinschaftseigentum gehören alle Teile des Gebäudes, die für dessen Bestand oder Sicherheit erforderlich sind oder dem gemeinschaftlichen Gebrauch dienen. Typische Beispiele sind:

  • das Grundstück
  • tragende Wände und Decken
  • Dach und Fassade
  • Treppenhäuser und Flure
  • Aufzüge
  • Heizungs-, Wasser- und Abwasserleitungen bis zum Abzweig in die Wohnung

Sondereigentum

Sondereigentum ist das Eigentum des einzelnen Wohnungseigentümers. Es umfasst in der Regel:

  • die abgeschlossene Wohnung selbst
  • nicht tragende Innenwände
  • Bodenbeläge, Wandverkleidungen und Deckenverkleidungen
  • Sanitäre Anlagen innerhalb der Wohnung

Für das Sondereigentum ist grundsätzlich der jeweilige Eigentümer selbst verantwortlich.

Aufgaben und Zwecke der Eigentümergemeinschaft

Die Eigentümergemeinschaft hat die Aufgabe, das gemeinschaftliche Eigentum ordnungsgemäß zu verwalten, zu erhalten und wirtschaftlich sinnvoll zu bewirtschaften.

Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:

  • Instandhaltung und Instandsetzung des Gemeinschaftseigentums
  • Bildung und Verwaltung von Instandhaltungsrücklagen
  • Erstellung von Wirtschaftsplänen und Jahresabrechnungen
  • Abschluss und Überwachung von Dienstleistungs- und Versicherungsverträgen
  • Entscheidungen über Modernisierungen und bauliche Veränderungen

Organe der Eigentümergemeinschaft

Damit die Gemeinschaft handlungsfähig ist, sieht das Gesetz bestimmte Organe vor.

Eigentümerversammlung

Die Eigentümerversammlung ist das zentrale Entscheidungsorgan der Eigentümergemeinschaft. Hier fassen die Eigentümer durch Beschlüsse verbindliche Entscheidungen über alle Angelegenheiten der Gemeinschaft.

Verwalter

Der Verwalter führt die laufenden Geschäfte der Eigentümergemeinschaft und setzt die gefassten Beschlüsse um. Er ist Ansprechpartner für Eigentümer, Mieter und externe Dienstleister.

Verwaltungsbeirat

Der Verwaltungsbeirat unterstützt und kontrolliert den Verwalter und besteht in der Regel aus mehreren Wohnungseigentümern.

Kosten, Haftung und Pflichten der Eigentümer

Jeder Wohnungseigentümer ist verpflichtet, sich an den Kosten der Gemeinschaft zu beteiligen. Die Verteilung erfolgt meist nach den im Grundbuch festgelegten Miteigentumsanteilen. Auch wenn einzelne Eigentümer ihre Zahlungen nicht leisten, bleibt die Eigentümergemeinschaft handlungsfähig. Rückstände können gerichtlich geltend gemacht werden.

Typische Konflikte innerhalb einer Eigentümergemeinschaft

In der Praxis kommt es häufig zu Streitigkeiten, etwa über:

  • Instandhaltungsmaßnahmen und deren Kosten
  • Modernisierungen oder bauliche Veränderungen
  • die Tätigkeit oder Vergütung des Verwalters
  • Nutzungsfragen, zum Beispiel bei Stellplätzen oder Gemeinschaftsflächen
  • die Anfechtung von Beschlüssen der Eigentümerversammlung

Zusammenfassung

Die Eigentümergemeinschaft ist ein gesetzlich geregelter Zusammenschluss aller Wohnungseigentümer einer Wohnanlage. Sie ist rechtsfähig und für die Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums verantwortlich. Für Eigentümer bedeutet sie zugleich Mitwirkungsrechte, finanzielle Verpflichtungen und eine gemeinsame Verantwortung für den Erhalt der Immobilie.

 

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