Die Blockchain für Anwälte verständlich erklärt.

Verfasst von Christian Schebitz am 19. Juli 2017

Blockchain
Blockchain

Um manche englischen Begriffe kommen auch Rechtsanwälte einfach nicht herum. Sicher haben Sie schon irgendwo das Wort „Blockchain“ gelesen und vielleicht direkt weggeklickt. Am ehesten kennt man sie in Verbindung mit Bitcoins.
Worum es mit der Blockchain für Anwälte geht, lesen Sie hier wenigen Absätzen. Denn auch als Anwalt sollte man zu Blockchain und Smart Contracts eine Meinung haben.

Was ist eine “Blockchain”?

Die sogenannte Blockchain, kann man sich vorstellen wie ein digitales Kassenbuch bzw. Verzeichnis (engl. ledger), deren Kopien auf vielen tausend Rechnern, weltweit verteilt, liegen. Die „Kette“ im Verzeichnis wird durch jede Transaktion um einen Eintrag verlängert.

Die vielen Rechner gleichen ständig das Verzeichnis miteinander ab.

Wer also eine Überweisung an nur einem oder wenigen Rechnern manipuliert, schafft es nicht, dass die anderen Teilnehmer die Transaktion bestätigen, der Kette wird denn kein neuer Block hinzugefügt. Das soll Betrug praktisch unmöglich machen (siehe Grafik). Zusätzlich folgt die Blockchain dem Prinzip der Synonymität. Denn die Blockchain ist jederzeit von außen einsehbar, der Handel an sich ist also vollständig transparent, aber nur die handelnden Parteien können sich gegenseitig zuordnen.

Wie sieht eine Blockchain aus?

Die folgende Grafik aus der FAZ zeigt sehr gut, wie eine Blockchain funktioniert:

Am meisten irritiert vielleicht das Wort „Block“. Deshalb zeige ich Ihnen folgenden wie so ein „Block“ aussieht:

Ledger Blockchain

So ein “Block” ist also nichts weiter als eine Zeile in einer Tabelle in die sukzessive die Transaktion eingetragen wird. Der grüne Haken bedeutet, dass der Eintrag authentisch ist (dazu unten mehr).

Die nächste Spalte zeigt den sogenannten einzigartigen „Hache“-Wert, von dem jede Transaktion einen individuellen erhält. Um diesen zu berechnen bedarf es sehr viel Rechenkapazität. Deswegen können nur sehr spezialisierte, leistungsfähige Server solche Werte generieren.

Auf die Generierung der Werte haben sich sogenannte „Miner“ spezialisiert. Sie „schürfen“ gewissermaßen in einer virtuellen Mine. Als Gegenleistung erhalten Sie Bitcoins (also virtuelles Geld).

Ein Kritikpunkt daran ist der hohe Stromverbrauch bei der Generierung der Hash-Werte. Aber Sicherheit hat schon immer Geld gekostet und mit steigender Rechnerleistung wird die eingesetzte Energie sich auch relativieren.

Das entscheidende der Blockchain ist: die Einträge sind nachträglich nicht änderbar!

Selbst wenn es ein Hacker schaffen sollte den einen oder anderen Rechner anzugreifen, die Tabelle zu öffnen und den einen oder anderen Eintrag zu verändern, so wird ihm das nicht bei den tausenden von Rechnern gelingen auf der die gleiche Tabelle gespiegelt ebenfalls vorliegt.

Und genau darin liegt die hohe Sicherheit der Blockchain.

Als authentisch gelten Blocks nur wenn über 50 % aller Kopien des Verzeichnisses auf allen Rechnern den gleichen Eintrag haben!

Sie sehen, das Prinzip der Blockchain ist sehr einfach und leicht verständlich. Sicher ein Grund, warum sie sich durchgesetzt hat.

Anwendungsbeispiele der Blockchain in rechtlichen Angelegenheiten

Die folgenden rechtlichen Angelegenheiten können mithilfe der Blockchain Technologie automatisiert und deutlich vereinfacht werden:

  • Schlaues Grundbuch (alle Änderungen werden wie oben beschrieben verfolgt. Jederzeit ist alles live einsehbar!
  • Automatisierte Testamente: „Wenn ich sterbe (oder zum 21. Geburtstag meines Sohnes…) wird Betrag X auf folgendes Konto überwiesen…“
  • Smart Contracts wie z.B. Schlaue (Leasing-) Verträge: Wenn die Leasingrate nicht bezahlt wurde, lässt sich das geleaste Kfz nicht starten…
  • Verwaltungen können die Daten der Bürger sicher und für jede berechtigte Behörde einsehbar pflegen und ggf. auch Dritten zur Verfügung stellen. Jeder Bürger erhält einen „Block“ in dem seine persönlichen Daten liegen.

Blockchain-basiertes Schiedsverfahren mit Smart Contracts

Automatisierte Prozesse i.V.m. Zahlungsabwicklung können in industriellen Anwendungsgebieten nur eingesetzt werden, wenn sie gesetzes- und regelkonform sind. “Wenn ein Smart Contract eine vertraglich geschuldete Leistung durchführen soll, so muss er mit dem Vertrag sowie Recht und Gesetz übereinstimmen. Das ist fast immer eine Herausforderung, denn Software ist in der Praxis niemals fehlerfrei.”, so Datarella-Gründer und Codelegit Projektleiter Michael Reuter. “Aus diesem Grund haben wir mit dem Codelegit Schiedsverfahren eine Grundlage geschaffen, um Compliance bei Blockchain-basierten Smart Contracts sicherstellen zu können.”

Dei Firma hat zu diesem Zweck eine sogenannte Smart Contract Arbitration Library entwickelt. Das ist eine Software-Bibliothek mit Smart Contracts, die von Unternehmen in entsprechenden Anwendungsfällen eingesetzt werden kann. Das integrierte Schiedsverfahren stellt sicher, dass Streitigkeiten über die Durchführung von Smart Contracts durch legitimierte Richter (Arbitrator) entschieden werden. “Die gesamte Kommunikation der Vertragsparteien wird auf der Bitcoin sowie der öffentlichen Ethereum Blockchain in Hash-Werten (s.o.) gespeichert. Damit verfügen die Teilnehmer am Verfahren über einen lückenlosen Nachweis der Kommunikation”, so Jonatan Bergquist, Datarellas Experte für Smart Contracts.

Im nächsten Schritt wird die Arbitration Library in unterschiedlichen Anwendungsgebieten im industriellen Umfeld eingesetzt. Ziel ist es, Codelegit als Standardinstrument der IT-Compliance im Gebiet der Blockchain zu etablieren.

Blockchain-basiertes Schiedsgerichtsverfahren mit Smart Contracts
Blockchain-basiertes Schiedsgerichtsverfahren mit Smart Contracts Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: “obs/Datarella GmbH/Jonatan Bergquist”

Sie sehen, die Möglichkeiten der Blockchain gehen weit über Bitcoin hinaus! Wenn Sie diese Inhalte ein paar Tage setzen lassen, kommen Sie sicher auf zusätzliche, spannende Ideen! Und genau darin liegt die immense Chance für die Anwaltschaft, nämlich auf diesen Zug aufzuspringen und als einer der ersten intelligente Verträge mithilfe der Blockchain umzusetzen und zu gestalten. Hier entsteht in den nächsten Jahren ein riesiges Betätigungsfeld für IT-affine Juristen.

Was bringt die Blockchain für die Zukunft der Anwaltschaft?

Diese Frage beantwortete mir der “Blockchain-Lawyer” Florian Glatz persönlich auf den Legal Transformation Days 2017 in Berlin. Sehen Sie dazu das folgende Video:

Interview mit Florian Glatz

Der Veröffentlichung des Videos hat Florian Glatz ausdrücklich zugestimmt. Hier geht es zum Blog des “Blockchain Lawyer

Ergänzung am 21.11.2017: Ich habe ein gute Interview mit Rechtsanwältin Dr. Nina-Luisa Seidler, Berlin  dazu im Anwaltsblatt “Karriere” gelesen. Sie sagt dort: “Wir müssen uns grundsätzlich bewusst sein, dass alles, was technologisch geht, auch gemacht wird ‒ ob wir das nun wollen oder nicht.” Auch deshalb sollten Sie sich als Anwalt näher mit dem Thema befassen.

Hier der Link zum Artikel: Blockchain – wenn sich Recht und Informatik verketten

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