Rechtsnews 16.07.2026 Christian R.

BGH: Halbteilungsgrundsatz gilt nicht bei Zweifamilienhäusern

Kontext und Bedeutung für Betroffene

Der Halbteilungsgrundsatz bei der Maklerprovision sorgt immer wieder für Rechtsstreitigkeiten zwischen Käufern, Verkäufern und Maklern. Mit einem Urteil vom 16. Juli 2026 hat der Bundesgerichtshof (BGH) nun eine wichtige Klarstellung vorgenommen: Ein Zweifamilienhaus ist kein Einfamilienhaus im Sinne des Gesetzes, und der Makler kann in einem solchen Fall die volle Provision vom Käufer verlangen, ohne dass der Vertrag unwirksam wird (Az. I ZR 111/25).

Für Immobilienkäufer ist diese Entscheidung von erheblicher praktischer Bedeutung. Wer glaubt, automatisch von der gesetzlich vorgeschriebenen Provisionsteilung zu profitieren, weil er das erworbene Objekt künftig allein bewohnen möchte, kann sich gerichtlich nicht auf diese Absicht berufen, wenn das Haus zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses tatsächlich als Zweifamilienhaus genutzt wurde. Der Käufer muss in einem solchen Fall die Maklerprovision vollständig selbst tragen.

Rechtlicher Hintergrund

Der Gesetzgeber hat im Jahr 2020 die §§ 656b ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) eingeführt, um Käufer von Wohnimmobilien bei der Maklerprovision zu entlasten. Ziel war es, die häufig einseitige Kostenbelastung zu beseitigen, die Käufer gegenüber Verkäufern benachteiligt hatte.

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Die wichtigsten Vorschriften

Der Kern der Neuregelung findet sich in § 656c Abs. 1 Satz 1 BGB. Danach gilt: Wenn ein Makler sowohl für den Verkäufer als auch für den Käufer tätig wird und von beiden eine Provision verlangt, darf er von keiner Partei mehr verlangen als von der anderen. Im Ergebnis teilen sich Käufer und Verkäufer die Provision hälftig. Diese Regelung gilt ausdrücklich für Einfamilienhäuser und Wohnungen.

§ 656c Abs. 2 Satz 1 BGB regelt, dass ein Maklervertrag, der gegen diesen Grundsatz verstößt, unwirksam ist. Das bedeutet: Vereinbart der Makler mit dem Käufer eine Provision, ohne gleichzeitig eine entsprechende Vereinbarung mit dem Verkäufer getroffen zu haben, kann er diese Provision rechtlich nicht durchsetzen.

Die entscheidende Frage im vorliegenden Fall war, ob ein Zweifamilienhaus, das der Käufer zukünftig allein bewohnen möchte, als „Einfamilienhaus“ im Sinne dieser Vorschriften einzuordnen ist.

Aktuelle Entwicklung

Im konkreten Fall hatte ein Makler ein Grundstück mit einem Zweifamilienhaus inseriert. Der Maklervertrag mit dem späteren Käufer kam online zustande. Die Immobilie war ursprünglich als Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung eingetragen, wurde aber zum Zeitpunkt des Verkaufs mit zwei Wohneinheiten an zwei verschiedene Mietparteien gleichrangig vermietet. Im notariellen Kaufvertrag wurde das Objekt als Zweifamilienhaus bezeichnet.

Nach der Besichtigung teilte der Käufer dem Makler mit, er plane, das Haus künftig allein mit seiner Familie zu nutzen. Er machte daraufhin geltend, der Halbteilungsgrundsatz müsse greifen, da er das Objekt wie ein Einfamilienhaus verwenden wolle, und verweigerte die vollständige Zahlung der Provision.

Sowohl das Landgericht Berlin II (Az. 85 O 10/23) als auch das Kammergericht Berlin (Az. 10 U 19/25) gaben dem Makler Recht und verurteilten den Käufer zur Zahlung der vollständigen Provision. Der BGH bestätigte diese Entscheidungen nun abschließend.

Praktische Einordnung

Der I. Zivilsenat des BGH stellte dabei einen wichtigen Grundsatz heraus: Maßgeblich für die Einordnung als Einfamilienhaus ist der Zeitpunkt des Abschlusses des Maklervertrages. Zu diesem Zeitpunkt muss für den Makler erkennbar sein, dass das Objekt nur von einem Haushalt bewohnt wird. Im vorliegenden Fall war das nicht gegeben, denn das Haus war faktisch ein Zweifamilienhaus mit zwei gleichrangigen Mietparteien. Auch hatte der Käufer seine Absicht zur alleinigen Nutzung beim Vertragsabschluss nicht mitgeteilt, sondern erst nach der Besichtigung. Der BGH betonte, dass die Wirksamkeit eines Rechtsgeschäfts grundsätzlich nach den Umständen zum Zeitpunkt seiner Vornahme beurteilt wird und nicht durch nachträglich eingetretene oder geäußerte Umstände in Frage gestellt werden kann.

Für die Praxis bedeutet das: Nachträgliche Nutzungsabsichten des Käufers ändern nichts an der rechtlichen Einordnung des Objekts bei Vertragsabschluss.

Was bedeutet das für Sie?

Käufer sollten vor dem Abschluss eines Maklervertrages genau prüfen, wie das angebotene Objekt tatsächlich genutzt wird und wie es im Grundbuch eingetragen ist. Wer ein Zweifamilienhaus erwirbt und von einer Provisionsteilung ausgehen möchte, hat nach diesem Urteil keine rechtliche Grundlage dafür, sofern die Immobilie zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht erkennbar als Einfamilienhaus einzuordnen ist.

Makler hingegen sollten Objekte klar als das inserieren, was sie tatsächlich sind, und sicherstellen, dass die Bezeichnung im Maklervertrag der tatsächlichen Beschaffenheit entspricht. Bereits mehrere frühere BGH-Entscheidungen gingen zulasten von Maklern, die die gesetzlichen Anforderungen nicht eingehalten hatten.

Für Verkäufer bedeutet das Urteil, dass sie im Zweifel nicht verpflichtet sind, sich an den Maklerkosten zu beteiligen, wenn das Objekt kein Einfamilienhaus oder keine Wohnung im Sinne der §§ 656b ff. BGB ist.

Tabelle: Übersicht

Aspekt Details
Gericht Bundesgerichtshof (BGH)
Aktenzeichen I ZR 111/25
Datum 16. Juli 2026
Streitgegenstand Maklerprovision bei Zweifamilienhaus
Einschlägige Norm § 656c BGB
Ergebnis Halbteilungsgrundsatz gilt nicht; Käufer trägt volle Provision
Maßgeblicher Zeitpunkt Abschluss des Maklervertrages
Vorinstanzen LG Berlin II (Az. 85 O 10/23), KG Berlin (Az. 10 U 19/25)

Fazit

Der BGH hat mit diesem Urteil eine praxisrelevante Lücke geschlossen und klargestellt, dass der Halbteilungsgrundsatz bei der Maklerprovision nur dann gilt, wenn das vermittelte Objekt zum Zeitpunkt des Maklervertragsabschlusses erkennbar ein Einfamilienhaus oder eine Wohnung ist. Die bloße Absicht des Käufers, ein Zweifamilienhaus später allein zu nutzen, reicht nicht aus. Käufer sollten die tatsächliche Nutzung und rechtliche Einordnung eines Objekts daher vor Vertragsabschluss sorgfältig prüfen und gegebenenfalls rechtlichen Rat einholen.

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Hinweis: Dieser Artikel und das Symbolbild wurden mit Hilfe von KI erstellt.

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