Rechtsnews 01.11.2025 Christian R.

Datenschutz im Internet 2026

Was bedeutet Datenschutz im Internet 2025? Tracking, Profiling, Cookies & Pay-or-OK verständlich erklärt – mit konkreten Praxis-Tipps.

Tracking, Profiling & personalisierte Werbung rechtssicher verstehen

Einleitung: Warum Datenschutz online alle betrifft

Ob Cookie-Banner, App-Tracking oder personalisierte Werbung: Im Netz werden Daten an vielen Stellen erhoben, zusammengeführt und ausgewertet. Die europäische Rechtslage – an erster Stelle die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) – wird durch weitere EU-Regelwerke (u. a. DSA, DMA) flankiert und setzt dem Tracking enge Grenzen. Dieser Beitrag erklärt kompakt die wichtigsten Spielregeln und gibt praxistaugliche Tipps für Nutzerinnen und Nutzer sowie Webseitenbetreiber.

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Rechtlicher Hintergrund: Die zentralen Bausteine

  • DSGVO: Erlaubt die Verarbeitung personenbezogener Daten nur mit Rechtsgrundlage, insbesondere Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO) oder berechtigtem Interesse (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO). Profiling ist in Art. 4 Nr. 4 DSGVO definiert; automatisierte Entscheidungen behandelt Art. 22 DSGVO. Widerruf und Widerspruch sind jederzeit möglich (Art. 7, 21 DSGVO).
  • TTDSG (deutsches Cookie-Recht): Das Speichern/Auslesen von Informationen auf Endgeräten (z. B. Cookies, SDKs) ist nach § 25 TTDSG grundsätzlich nur mit Einwilligung zulässig – Ausnahme: technisch notwendige Vorgänge.
  • DSA (Digital Services Act): Stärkt Transparenz von Werbung, untersagt targeted Ads gegenüber Minderjährigen und verbietet Werbung auf Basis besonderer Kategorien i. S. v. Art. 9 DSGVO (z. B. Religion, Gesundheit).
  • DMA (Digital Markets Act): Richtet sich an Gatekeeper und begrenzt u. a. das Zusammenführen von Daten aus verschiedenen Diensten ohne gültige Einwilligung.

Vertiefende Analyse: Wo die Praxis häufig scheitert

1) Einwilligung & Cookie-Banner

Eine wirksame Einwilligung muss freiwillig, informiert, spezifisch und widerrufbar sein. „Alles akzeptieren“ als auffälliger Primärbutton bei versteckter Ablehnung ist riskant (Stichwort: Dark Patterns). Ohne Einwilligung dürfen nur essenzielle Cookies gesetzt werden. „Berechtigtes Interesse“ trägt für Marketing-Cookies regelmäßig nicht.

2) Pay-or-OK-Modelle

Varianten, bei denen Nutzer entweder zahlen oder Tracking akzeptieren, sind nur dann DSGVO-konform, wenn die Freiwilligkeit gewahrt bleibt, ein gleichwertiges, tracking-freies Angebot besteht und die Gebühr angemessen ist. Pauschale „Zahl oder zustimmen“-Modelle ohne echte Wahlmöglichkeit sind rechtlich angreifbar.

3) Profiling & personalisierte Werbung

Profiling setzt in der Regel Einwilligung voraus. Besonders heikel sind Segmente nach Gesundheit, Religion, politischer Meinung etc. – hier ist Werbung auf Basis dieser Daten unzulässig. Minderjährige genießen besonderen Schutz (DSA).

4) Data-Broker & Datenweitergabe

Der Handel mit Bewegungs- und Nutzungsdaten ist rechtlich nur bei klarer Rechtsgrundlage und Transparenz möglich. Betroffene haben starke Rechte: Auskunft (Art. 15), Löschung (Art. 17), Datenübertragbarkeit (Art. 20) und Widerspruch (Art. 21 DSGVO).

Praxis-Tipps für Betroffene und Anbieter

Für Nutzerinnen und Nutzer

  • Einwilligungen bewusst steuern: Nur notwendige Kategorien zulassen; regelmäßig Widerrufen und Cookies löschen.
  • Tracking einschränken: Browser-Schutz aktivieren, Add-ons (Content-Blocker), App-Tracking deaktivieren.
  • Auskunft & Löschung verlangen: DSGVO-Rechte per E-Mail an den Verantwortlichen geltend machen; auf Art. 15/17/21 DSGVO verweisen.
  • Vorsicht vor Dark Patterns: Gleichwertige „Ablehnen“-Option suchen; keine überstürzten Klicks.

Für Webseiten- & App-Betreiber

  • Consent-Management: CMP mit opt-in, gleichwertigen Buttons („Akzeptieren“/„Ablehnen“), granularen Zwecken und Protokollierung.
  • Rechtsgrundlagen sauber wählen: Für Marketing/Analyse i. d. R. Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO i. V. m. § 25 TTDSG); „berechtigtes Interesse“ nur für notwendige Cookies.
  • DPIA prüfen (Datenschutz-Folgenabschätzung) bei umfangreichem Profiling oder sensiblen Daten.
  • Auftragsverarbeitung: AV-Verträge, Drittland-Transfers (Art. 28, 44 ff. DSGVO) und Speicherfristen dokumentieren.
  • DSA-Pflichten: Werbung kennzeichnen, Targeting gegenüber Minderjährigen und auf Basis besonderer Kategorien vermeiden.
  • Pay-or-OK nur mit echter Wahlfreiheit: Tracking-freie, inhaltlich gleichwertige Alternative und angemessene Gebühr.

Überblick: Was ist erlaubt? – Die wichtigsten Fälle im Vergleich

Thema Rechtsgrundlage Zulässig Unzulässig/hohes Risiko Praxis-Tipp
Essenzielle Cookies (z. B. Warenkorb) § 25 Abs. 2 Nr. 2 TTDSG Ohne Einwilligung Tracking-Zwecke als „essenziell“ deklarieren Zweck genau beschreiben, nur notwendige Tools einsetzen
Analyse/Marketing-Cookies Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO; § 25 TTDSG Nur mit Einwilligung (opt-in) „Berechtigtes Interesse“ als alleinige Basis Granulare Zwecke, klare Ablehnen-Option
Profiling für personalisierte Werbung Art. 4 Nr. 4, Art. 6, ggf. Art. 22 DSGVO Mit informierter Einwilligung Sensible Daten/ Minderjährige; intransparentes Scoring Transparente Infos, Widerspruch/Opt-out anbieten
Pay-or-OK Art. 6, 7 DSGVO; DSA-Transparenz Nur mit echter Wahlfreiheit & fairer Preisgestaltung Zwangsmodelle ohne gleichwertige Alternative Tracking-freies Abo anbieten; Vorteile identisch halten
Datenweitergabe an Dritte/Data-Broker Art. 6, 13 ff., 44 ff. DSGVO Nur mit Rechtsgrundlage & Information Versteckte Weitergaben, fehlende AV-Verträge Vendor-Liste offenlegen, Transfers dokumentieren

Fazit: Datenschutz ist machbar – mit klaren Entscheidungen

Guter Datenschutz im Internet scheitert selten an der Technik, sondern an unklaren Entscheidungen. Wer Zwecke reduziert, Einwilligungen korrekt einholt und Transparenz lebt, nutzt Daten rechtssicher – und stärkt das Vertrauen der Nutzer.


Haftungsausschluss & Rechtsberatung

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