Rechtsnews 28.10.2025 Alex Clodo

Was ist ein Maklervertrag?

Im deutschen Zivilrecht bestimmen gesetzliche Regelungen (vor allem das Bürgerliche Gesetzbuch) sowie die Rechtsprechung (Gerichte, insbesondere der Bundesgerichtshof) die Rechtsfolgen von Verträgen. Beim Maklervertrag steht zentral §652 BGB: Er regelt den Anspruch auf Provision (Maklerlohn), wenn durch die Tätigkeit des Maklers ein Vertrag zwischen dem Auftraggeber und einem Dritten zustande kommt. Ein Maklervertrag kann formlos geschlossen werden — schriftlich, mündlich oder sogar stillschweigend —, doch die Beweissituation ist bei fehlender Schriftform oft schwierig.

1) Was genau ist ein Maklervertrag?

Ein Maklervertrag ist ein schuldrechtlicher Vertrag, durch den sich der Makler verpflichtet, dem Auftraggeber den Abschluss eines Vertrages mit einem Dritten nachzuweisen oder zu vermitteln. Der Auftraggeber verpflichtet sich im Gegenzug zur Zahlung einer Provision, wenn der vermittelte Hauptvertrag zustande kommt. Rechtlich handelt es sich häufig um einen einseitig verpflichtenden Vertrag: Der Makler muss nur tätig werden, die Vergütungspflicht trifft den Auftraggeber erst bei Erfolg (Erfolgshonorar).

2) Wann entsteht ein Anspruch auf Provision?

Kurz: Der Anspruch entsteht, wenn durch die Nachweis- oder Vermittlungstätigkeit des Maklers ein wirksamer Hauptvertrag zwischen dem Auftraggeber und einem Dritten zustande kommt und der Makler ursächlich für diesen Abschluss war. Typische Voraussetzungen:

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  • Es besteht ein wirksamer Maklervertrag (auch konkludent möglich).
  • Der Makler hat eine Tätigkeit erbracht (Nachweis oder Vermittlung).
  • Der Hauptvertrag (z. B. Kauf- oder Mietvertrag) kommt zustande — nicht bloße Verlängerungen oder Fortsetzungen.
  • Keine Umstände schließen den Anspruch aus (z. B. wirtschaftliche Verflechtung, Nichtigkeit des Hauptvertrags, Vereinbarungen, die gegen zwingende Schutzvorschriften verstoßen).

3) Welche Arten von Maklerverträgen gibt es?

Man unterscheidet vor allem:

  • Einfacher Maklervertrag (oder einfacher Auftrag): Der Auftraggeber kann parallel mehrere Makler beauftragen und selbst einen Vertrag vermitteln — Provision nur an den Makler, der den Erfolg verschuldet oder nachgewiesen hat.
  • Alleinauftrag: Der Auftraggeber verpflichtet sich, ausschließlich diesen Makler zu beauftragen. Meist mit Kündigungsfristen und ggf. Entschädigungsregelungen.
  • Qualifizierter Alleinauftrag: Zusätzlich Einschränkungen für Eigenverkauf und längere Bindung/weitere Pflichten.

4) Welche Pflichten hat der Makler?

Der Makler muss die vereinbarte Tätigkeit sorgfältig ausführen: nachweisen oder vermitteln. Er ist zudem zu Auskunfts- und Informationspflichten gegenüber dem Auftraggeber verpflichtet, soweit vereinbart oder erforderlich. Er darf keine bewusst falschen Angaben machen; schuldhafte Täuschung kann Schadenersatz auslösen. Der Makler hat keine Erfolgsgarantie — nur ein bestimmtes Bemühen und den Nachweis/ die Vermittlung.

5) Welche Pflichten hat der Auftraggeber?

Hauptpflicht ist die Zahlung der vereinbarten Provision bei Erfolg. Weitere Pflichten können vertraglich geregelt sein (z. B. Mitwirkung, Auskunft, Exklusivität). Der Auftraggeber muss prüfen, ob Vereinbarungen mit zwingendem Verbraucherschutzrecht in Konflikt stehen (z. B. Regelungen zur Kostenteilung bei Immobilien).

6) Form und Beweis: Muss ein Maklervertrag schriftlich sein?

Gesetzlich besteht keine generelle Schriftformpflicht für Maklerverträge — sie können auch mündlich oder konkludent zustande kommen. Aus praktischen Gründen und wegen der Beweisbarkeit ist schriftliche Fixierung dringend empfohlen: Leistungsumfang, Provisionshöhe, Fälligkeit und Fristen. Ohne Schriftform ist die Durchsetzung oder Abwehr von Ansprüchen deutlich schwieriger.

7) Wie hoch darf die Provision sein?

Es gibt keine gesetzlich geregelte Fixhöhe für Provisionen bei Immobilienkauf (Ausnahmen je nach Region und neueren Entscheidungen). Der Betrag muss jedoch klar vereinbart sein und darf nicht gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen. Bei Mietverträgen sind Grenzen (z. B. höchstens zwei Monatsmieten in vielen Fällen) durch Rechtsprechung und Gesetzgeber beachtet worden. Aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs hat 2024/2025 die Verteilung der Maklerkosten bei Wohnimmobilien näher geregelt und Verbraucherrechte gestärkt — insbesondere im Hinblick auf versteckte oder einseitig zulasten eines Verbrauchers gehende Abreden.

8) Wann ist ein Maklervertrag unwirksam?

Unwirksamkeit kann eintreten bei Verstößen gegen zwingendes Recht, wenn der Vertrag sittenwidrig ist oder Verbraucherschutzvorschriften verletzt werden. Auch Vereinbarungen, die den Grundsatz der Kostenaufteilung bei Wohnimmobilien systematisch umgehen, können unwirksam sein. Ferner schließt wirtschaftliche Verflechtung (z. B. Makler ist wirtschaftlich eng mit dem Käufer verbunden) den Provisionsanspruch aus.

9) Welche Fristen sind wichtig?

Wichtige Fristen:

  • Verjährung des Provisionsanspruchs (regelmäßig drei Jahre ab Kenntnis vom Anspruch und Gläubiger — prüfungsbedürftig).
  • Zeitspanne zwischen Besichtigung/Nachweis und Vertragsschluss: Gerichte setzen Grenzen (z. B. oft nahe 1 Jahr), danach kann die Kausalität entfallen.
  • Kündigungsfristen bei Alleinaufträgen oder vertraglich geregelten Laufzeiten.

10) Was kostet ein Maklervertrag den Auftraggeber?

Die Kosten sind die vereinbarte Provision. Bei Immobilienverkäufen war üblich, dass Käufer und Verkäufer die Courtage teilen — aktuelle Rechtsprechung kann hier Einfluss haben. Achten Sie auf zusätzliche Gebühren oder Kostenforderungen (z. B. Bearbeitungsgebühren), die häufig unwirksam sind.

11) Drei konkrete Beispiele, wie Gesetze angewandt werden

Beispiel A — Immobilienkauf, einfacher Maklervertrag

Frau M. beauftragt Makler X schriftlich, ihr Haus zu vermitteln (einfacher Maklerauftrag). Makler X stellt Käufer Y vor; daraufhin schließen M. und Y einen Kaufvertrag. Makler X hatte die Vermittlung erbracht — sein Provisionsanspruch entsteht nach den Regeln des §652 BGB. Voraussetzung: keine Verflechtung, der Kaufvertrag ist wirksam und die Vereinbarung zur Provision ist klar.

Beispiel B — Wohnungsvermietung, Provision für den Mieter

Herr K. sucht eine Mietwohnung. Makler Y zeigt ihm mehrere Wohnungen und vermittelt einen Mietvertrag. Gesetzliche oder richterliche Grenzen zur Höhe der Provision (früher „Mieterstromregelungen“) sind zu beachten; oft ist der Vermieter derjenige, der die Provision tragen muss oder höchstens maximal zwei Kaltmieten als Provision üblich sind. Ein ausdrücklich vereinbarter Bearbeitungsaufschlag ist meist unwirksam.

Beispiel C — Ungültige Kostenzuweisung (advocatus diaboli)

Ein Makler schlägt vor, die komplette Provision allein dem Käufer aufzuerlegen, obwohl der Makler ausschließlich für den Verkäufer tätig war und die Vereinbarung den Verbraucher benachteiligt. Nach aktueller Rechtsprechung ist eine solche einseitige Zuordnung unter Umständen unwirksam — Folge: der Makler erhält keine Provision.

12) Konkrete Handlungsanweisungen

  1. Dokumentieren: Fordern Sie eine schriftliche Bestätigung des Maklerauftrags oder legen Sie selbst eine Bestätigung per E‑Mail vor. Notieren Sie Datum, Namen, Objekt, Provisionshöhe und Leistungsumfang.
  2. Prüfen: Lesen Sie die Klauseln zu Provision, Laufzeit, Alleinauftrag und Kündigung genau. Achten Sie auf versteckte Gebühren.
  3. Fragen stellen: Wer ist der Auftraggeber? Für wen arbeitet der Makler? Gibt es Interessenkonflikte oder wirtschaftliche Verflechtungen?
  4. Vergleichen: Holen Sie bei Immobilien Käufe oder Mietinteressenten mehrere Angebote ein. Bei Alleinaufträgen überdenken Sie die Bindung.
  5. Beweissicherung: Bewahren Sie Exposés, E‑Mails, Besichtigungsprotokolle auf. Diese helfen bei Streit über den Nachweis der Tätigkeit.
  6. Rechtsprüfung: Bei Unklarheit oder hohen Beträgen: Rechtsanwalt einschalten. Bei Verbraucherfragen prüfen Sie, ob Verbraucherschutz greift.
  7. Frist beachten: Verjährungsfristen notieren (in der Regel 3 Jahre ab Kenntnis).

13) Kritische Perspektive

Als advocatus diaboli formuliere ich mögliche Missbrauchs‑ und Risikofelder:

  • Makler versucht, durch undurchsichtige Klauseln die Kosten einseitig auf Verbraucher zu überwälzen.
  • Fehlende Schriftform schafft Beweisschwierigkeiten — besonders, wenn der Makler später Provisionsansprüche erhebt.
  • Enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen Makler und einer Vertragspartei kann den Provisionsanspruch gefährden oder zu Sittenwidrigkeit führen.
  • Unklare Fristen oder ein zu langer Zeitraum zwischen Nachweis und Vertragsschluss kann die Kausalität zerstören.

14) Mögliche Hindernisse, die zu klären sind

Hindernis Warum relevant? Wie klären?
Keine Schriftform Beweisprobleme bei Provisionsansprüchen Schriftliche Bestätigung per E‑Mail verlangen; Datum und Objekt festhalten
Unklare Provisionshöhe Streit über Fälligkeit und Höhe Konkrete Prozent- oder Festbetragsvereinbarung fordern
Alleinauftrag ohne Kündigungsrecht Bindung an einen Makler, evtl. überteuerte Gebühren Vertragslaufzeit begrenzen, Kündigungsfristen vereinbaren
Interessenkonflikte / Verflechtung Versagung des Provisionsanspruchs möglich Transparenz verlangen; schriftliche Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse
Einseitige Kostenzuweisung Verbraucherschutzverstöße, Nichtigkeit möglich Prüfen lassen (z. B. Anwalt, IHK); Vergleichsangebote einholen
Verjährungsfristen Verlust des Zahlungsanspruchs bei Fristablauf Fristen dokumentieren; bei Strittigkeiten rechtzeitig handeln

15) Drei praktische Checklisten (Kurzform)

Checkliste: Vor Unterschrift

  • Wer ist Auftraggeber? (Name, Anschrift)
  • Für welches Objekt?/Leistungsumfang?
  • Provisionshöhe & Fälligkeit schriftlich
  • Gibt es einen Alleinauftrag? Wenn ja: Laufzeit/Kündigungsrechte
  • Transparenz zu Interessenkonflikten

Checkliste: Wenn die Forderung kommt

  • Schriftliche Vertragsgrundlage anfordern
  • Belege für Nachweis/Vermittlung verlangen
  • Prüfen, ob der Hauptvertrag wirksam zustande kam
  • Bei Zweifeln: anwaltliche Beratung einholen

Checkliste: Verteidigung gegen unberechtigte Forderungen

  • Bestreiten Sie schriftlich die Forderung und fordern Sie Nachweise
  • Prüfen Sie Verflechtungen oder Verjährung
  • Nutzen Sie Belege (E‑Mails, Zeugen, Protokolle)
  • Bei hartnäckigen Mahnungen: Mahnschutz beim Anwalt / Verbraucherzentrale

16) Nützliche Links und Anlaufstellen (als Textlinks)

Musteranwaltsportale, IHK-Seiten und Gesetzestexte können helfen. Beispiel-URL für die Anwaltssuche nach Rechtsgebiet: https://www.rechtsanwalt.com/anwaltssuche/?rechtsgebiete=Rechtsgebiet

17) Erklärung wichtiger Stichworte (Kurzform)

Maklervertrag
Vertrag über Nachweis oder Vermittlung von Vertragsabschlüssen gegen Provision.
Provision
Erfolgsabhängige Vergütung des Maklers, fällig bei Zustandekommen des Hauptvertrags.
Nachweis
Der Makler benennt einen konkreten Vertragspartner oder vermittelt die Kontaktdaten, die den Vertragsschluss ermöglichen.
Vermittlung
Der Makler bringt die Parteien zusammen und begleitet die Verhandlungen bis zum Vertrag.
Alleinauftrag
Exklusivauftrag an einen Makler; regelt Wettbewerb und Kündigung.
 

 

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