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LIKAR Rechtsanwälte GmbH


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Österreich: Unternehmensgründung

21. Februar 2007 | erstellt von LIKAR Rechtsanwälte GmbH

Wenn ein oder mehrere Personen ein Unternehmen gründen wollen, stellt sich natürlich zu Beginn die Frage, welche Unternehmensform die geeignetste ist. Eine umfassende rechtliche und steuerliche Beratung vorab ist für einen optimalen Start unabdingbar und hilft, später böse Überraschungen möglichst  hintanzuhalten.

 

Ein Unternehmen kann in verschiedenen Formen betrieben werden, z.B. von einer Person als Einzelunternehmen, von zwei oder mehreren Personen in Form einer Personengesellschaft (offene (Handels)Gesellschaft, Kommanditgesellschaft) oder einer Kapitalgesellschaft (Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Aktiengesellschaft). Eine Mischform stellen die GmbH & Co KG, eine Personengesellschaft mit kapitalgesellschaftlichen Elementen, und die AG & Co KG dar.

 

Einzelunternehmer
Ein Einzelunternehmer haftet für Schulden des Unternehmens persönlich und unbeschränkt mit seinem gesamten Privatvermögen. Die Gründungskosten sind aller Regel nach deutlich niedriger, jedoch sind das Haftungsrisiko und vor allem Marketingnachteile  zu beachten.

Ein weiterer Nachteil ist auch, dass nicht das Know-how von mehreren Personen gebündelt und Synergien genutzt werden können, sondern eine Person die gesamte Verantwortung und das gesamte, unbeschränkbare (finanzielle) Unternehmensrisiko trägt.

 

Offene (Handels)Gesellschaft

Bis Ende dieses Jahres gibt es neben der offenen Handelsgesellschaft auch eine offene Erwerbsgesellschaft. Durch die Novelle des Handelsgesetzbuches kann ab 01. Jänner 2007 nur mehr eine offene Gesellschaft (OG) eingetragen werden, die sämtliche Geschäfte betreiben kann. Die Gründungs- und laufenden Kosten sind geringer als bei Kapitalgesellschaften, jedoch haften sämtliche Gesellschafter für Schulden der Gesellschaft mit ihrem gesamten Privatvermögen persönlich und unbeschränkt.

 

Kommanditgesellschaft

Die Kommanditgesellschaft ist ebenfalls eine Personengesellschaft, die aus zumindest einem persönlich und unbeschränkt haftenden Komplementär und einem Kommanditisten, der nur mit seiner Haftungseinlage (somit der Höhe nach begrenzt) haftet, besteht. Handelt es sich bei der Komplementärin um eine GmbH, so haftet keine natürliche Person mehr mit ihrem Privatvermögen. Diese Kombi-Gesellschaft kann daher sehr interessant sein, da sie in der Lage ist, die Vorteile einer Personengesellschaft mit jenen einer Kapitalgesellschaft zu verknüpfen.

 

Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung kann auch von einer einzelnen Person gegründet werden und besteht somit aus einem oder mehreren Gesellschaftern. Diese haften lediglich mit ihrer Stammeinlage, die insgesamt zumindest € 35.000,00 betragen muss. Für den klein- und mittelständischen Unternehmer bietet sich diese Gesellschaftsform vor allem deswegen an, da die Haftung minimiert ist und der Einfluss der Gesellschafter auf die Geschäftsführung bestehen bleibt. Sie ist die flexiblere der Kapitalgesellschaften, wobei jedoch die Abtretung von Geschäftsanteilen notariatsaktspflichtig und damit etwas erschwert ist.

 

Aktiengesellschaft

Die Gesellschafter der Aktiengesellschaft sind mit Einlagen in das auf Aktien zerlegte Grundkapital beteiligt, ohne persönlich für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft zu haften. Nach dem gesetzlichen Muster übernimmt der Aktionär die Rolle eines bloßen Kapitalgebers, der von der Geschäftsführung und damit von unternehmerischen Entscheidungen im Regelfall ausgeschlossen ist. Somit ist die AG eher auf einen größeren Gesellschafterkreis zugeschnitten, der an der Geschäftsführung keinen besonderen Anteil nehmen will und sich im Wesentlichen auf die Veranlagung seines Kapitals beschränkt. Die AG hat jedoch mehr Möglichkeiten, Eigenkapital aufzubringen, da ein Börsegang nur bei dieser möglich ist.

 

Die Vorteile einer GmbH (personalistische Struktur, Weisungsbindung, etc) können mit den Vorteilen einer AG (regelmäßig größere Reputation, größere Flexibilität hinsichtlich bestimmter Kapitalmaßnahmen, etc) durch eine Publikums-KG („AG & Co KG) kombiniert werden.

 

Aus steuerlicher Sicht ist festzuhalten, dass sich bei höheren Gewinnen (über € 70.000,00) eine Kapitalgesellschaft anbietet, wobei bei niedrigen Gewinnen oder Anfangsverlusten einer Personengesellschaft der Vorzug zu geben sein wird. Rechtlich entscheidend für die Rechtsformwahl sind primär die Haftungsbegrenzung und die Einflussnahme der Gesellschafter auf die Geschäftsführung. Die optimale Rechtsformgestaltung bedarf jedoch einer exakten Analyse im Einzelfall.