Anwaltschaft: Die Wissensjobs werden gehen, die Weisheitsjobs bleiben.

Verfasst von Christian Schebitz am 3. August 2018

Bild 1: fotolia.com; fotomek

Wie Case Crunch ein „lawyer cruncher“ wurde.

Noch immer reagieren die meisten Anwälte verächtlich, wenn man über „LegalTech“ spricht. Ist das ein Wunder, wenn diese, nach wie vor, am liebsten per Fax kommunizieren und das allen Ernstes für sicherer halten als ein verschlüsseltes beA!? Nach einer Umfrage des Soldan Instituts sehen über 44 % der Anwaltschaft „LegalTech“ als Bedrohung an.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Auch Ihr Telefon hat keine „Schnur“ mehr. Und es hat sehr wahrscheinlich ein Display und den Zugang ins Internet, richtig!? Sie lesen darauf auch häufig Ihre E-Mails und Nachrichten aus der Rechtsbranche…

Das war 2005 sicher anders, oder? Nun folgt ein Beispiel darüber, wie es in der Branche für Rechtsberatung weitergehen wird.

Software „Case Crunch“ gegen 112 Londoner Anwälte

Wie oben beschrieben, ist das auch mit „LegalTech“. Es ist auch schon längst da! Unzählige Junganwälte wurden bereits durch Software und KI ersetzt. Natürliche zuerst in den USA – aber wie lange dauert heute etwas, bis es von dort auch zu uns gelangt!?
Eine Software, die das o.g. – im englischen Raum – bereits leistet ist „Case Crunch“. Sie wurde für ein Experiment eingesetzt, welches prüfte, ob bei bestimmten Zahlungsausfällen ein Versicherungsanspruch besteht.

Ein Ombudsmann hatte bereits in 23.291 Fällen beurteilt und überprüft, ob der Anspruch legitim war.
Anschließend wurden 112 Anwälte und die Software Case Crunch erneut auf diese Fälle angesetzt. Nach einer Woche hatten die RAe immerhin 775 Fälle davon bearbeitet. Case Crunch schaffte alle ihm gefütterten Fälle: 23.291 (!).

Und der Sieger ist…

Es ist eine Frage guter Algorithmen und von Rechenpower wie gut ein Computer Ergebnisse liefen kann. Entscheidend ist aber das Endergebnis:

Ergebnisse von Case Crunch gegen Anwälte
Case Crunch gegen Anwälte

Die Grafik zeigt die tatsächlich gelösten Fälle. Dabei wundert es nicht, dass die Software wesentlich mehr Fälle abarbeiten konnte, das haben auch Sie erwartet. Vielmehr überrascht die Tatsache, dass die Trefferquote der Software bei 86.6% lag, während die der hochqualifizierten Anwälte nur bei 62,3% lag! Es haben also sehr viele Anwälte in einer Woche relativ wenig Fälle mit schlechterer Ausbeute bearbeitet, als eine Software, die von Jurastudenten, nicht etwa von IT-Spezialiste, entwickelt wurde. Das sollte einem Anwalt für die Zukunft schon zu denken geben.

Fairerweise muss man sagen, dass die Fälle natürlich sehr speziell waren und dass es offensichtlich sehr klare Kriterien gab. Das machte es der Software leichter gegen die RAe zu gewinnen.

Bedenklich jedoch: Warum schafften die RAe nicht eine höhere Qualitätsrate!? Sie hatten Zeit, Wissen, Erfahrung, konnten sich Checklisten anlegen!?

Was lernen wir aus dem Case Crunch Beispiel? 

Aus meiner Sicht:

  • Je spezieller die Rechtsfrage, desto eher kann man Software darauf ansetzen
  • Die Qualität der Ergebnisse wird dann immer besser sein, als wenn sie „manuell“ bearbeitet worden wären.
  • Die Kosten für die Entwicklung sind nur am Anfang da. Dann ist es nur eine Frage der Fallanzahl, bis sich die Investition bezahlt gemacht hat. Pflegeaufwand hat man natürlich auch, wenn sich die Rechtssprechung ändert. Dann muss man aber nur die Software anpassen und nicht alle RA erneut weiterbilden.
  • Alle Gebiete, auf denen es grundsätzlich möglich ist die Arbeit von Software machen zu lassen, werden innerhalb weniger Jahre automatisiert bearbeitet werden.
  • Dadurch werden „niedere“ juristische Beratungstätigkeiten für Anwälte wegfallen oder auf Reno’s bzw. sog. „Paralegals“ ausgelagert.
  • Diese Entwicklung sehen wir zuerst bei den großen, dann den mittelständischen Kanzleien. Der Druck zur Preissenkung zwingt sie dazu (auch dabei „hilft“ LegalTech in Form von z.B. „busylamp“, einer Software die den Mandanten die Kostenkontrolle live ermöglicht).
  • Einzelanwälte werden sich zunehmend schwer tun, es sein denn, sie sind extrem spezialisiert, sehr gut organisiert, flexibel, emphatisch und stets offen für die Wünsche und Ängste des Mandanten. Auch dabei kann ihnen LegalTech helfen. Denn es wird an Lösungen gearbeitet, die es auch Einzelanwälten erlaubt auf (halb-) automatisierte, juristische Services zuzugreifen. So z.B. auch für die Anwälte, welche auf rechtsanwalt.com gelistet sind, für die solche Angebote sukzessive in ihr Cockpit integriert werden.

Die nächsten Schritte für Anwälte

Marco Klock schreibt im Buch „Legal Tech“ (S. 141) „Die Angst (vor Legal Tech) ist unbegründet. Vielmehr ist es für dieses Segment (kleine und mittlere Kanzleien), ja sogar für Einzelkämpfer, die größte Chance der letzten 50 Jahre.“ So sehe ich das auch. LegalTech ist vielmehr Einstellungssache oder „Mindset“, wie Klock weiter schreibt.
Definieren Sie also ein kleines, leicht zu handhabendes Projekt. Finden Sie eine Programmierer, der es für Sie in eine Webbasierte Software fasst.  Solche Leute finden Sie ganz einfach bei upwork.
Wenn Sie nichts programmieren lassen wollen, dann nutzen Sie unsere integrierte „Portal as a Service“ (PaaS) Lösung. Mit dieser können Sie einfach – ohne zu programmieren – ein Rechtsprodukt definieren und über das Portal und über Ihre Webseite verkaufen. Die Zahlungsabwicklung machen wir für Sie vorab! Das Geld ist also schon da, bevor Sie aktiv werden – das kennen Sie bislang eher nicht. Mit solchen Services bekommen Sie den Fuß in die Tür des Mandanten und können dann dessen Vertrauen auch für weitere Mandate gewinnen. Sammeln Sie damit erste Erfahrungen. Bauen Sie erst dann Ihr Angebot aus.

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