Innovation mit Methode: Was Juristen von Designern lernen können

Verfasst von Christian Schebitz am 19. Juni 2018

Vortrag von Rechtsanwältin Astrid Kohlmeier im Rahmen der Legal Transformation Days 2018, Berlin, sinngemäß zusammengefasst und ergänzt.

Rechtsanwältin Astrid Kohlmeier in Aktion

Was ist Legal Design?

  1. Es hilft Probleme im Kontext des individuellen Bedarfs zu definieren
  2. Liefert eine holistische Analyse der zugrundeliegenden Prozesse und visualisiert sie.
  3. Bezieht vorhandene Ökosysteme und alle relevanten Stakeholder ein
  4. Stellt den Nutzer in den Mittelpunkt und schafft so nutzerzentrierte Lösungen
  5. Ist die Basis für die Simplifizierung von Systemen und damit für die Digitalisierung

Legal Design Principles

  • Stellen Sie die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund. Was brauche ich damit es für beide besser funktioniert?
  • Echte interdisziplinäre Kollaboration zulassen – nicht nur die Juristen untereinander – vielleicht sogar den Mandanten mit einbeziehen!
  • Visualisierung der Prozesse und Prototypen erstellen (sog. Minimal viable products=MVP)
  • Bauen Sie eine Kultur von Innovationen auf! Schaffen Sie Räume – im wahrsten Sinne des Wortes!

Zentrale Fragen

Wie kann die Technologie die Menschen in Ihrer juristischen Arbeit stärken?

Werden Sie vom Problemlöser zum Problemfinder! Wen und was muss ich alles mit einbeziehen? Wie definieren wir das Problem, das wir anschließend lösen?

Was kommt bei unserer bisherigen Arbeit heraus? -> Vertragstexte. Diese sehen alle irgendwie gleich aus, obwohl sie für unterschiedliche Nutzergruppen erstellt wurden. Das sollte nicht so sein, wenn wir den Nutzer im Fokus haben!
Arbeiten Sie ggf. zukünftig mit Infografiken, Zeichnungen, User Interfaces, Hyperlinks, Flowcharts um alles leicht erkennbar zu machen.

Hands on!

Dem Vortrag folgte eine Übung. Es wurde dem Plenum ein Vertragstext rund um die DSGVO vorgelegt. Es wurden Arbeitsgruppen aus Juristen mit Nicht-Juristen gebildet. Alle lasen den Text. Anschließend wurde mit Post-it’s markiert, was gut und schlecht war. Es folgte eine Ideensammlung, was man besser machen könne.
Die Nichtjuristen wünschten sich eine bessere Gliederung, Klarstellung einiger schwammiger Begriffe. Einfach zu lesende Texte. Warum begann fast jede Klausel mit „Der Auftragnehmer…“!? Eine Checkliste mit den Aufgaben des Auftragnehmers wäre mit einem Blick für den Mandanten zu erfassen.

Post-it’s mit Ideen

Es zeigte sich, dass man tatsächlich mit Ideeneinsatz einen viel kürzeren, klareren und eindeutigeren Text hinbekommt. Das hilft beiden Seiten, denn man spart sich Erläuterungen wenn das Dokument klar verständlich ist. Zudem kann das Dokument, oder Textböcke davon, oft wiederverwendet werden. Hat man diese Arbeitsweise einmal verinnerlicht, wird man sie zukünftig immer wieder einsetzen und damit seine Mandanten begeistern.

(Anm. d. R. Zudem könnte man mit Hilfe der neuen Texterstellungstools (Kira, LawliftMethodigy,…) seine Dokumente einmal mandantenfreundlich gestalten, die o.g. Textblöcke integrieren und damit regelmäßig überzeugen und gleichzeitig viel Zeit sparen. Ich kann nur empfehlen, sich die o.g. Lösungen näher anzusehen.)

 

 

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