Ratgeber 23.10.2025 Christian Schebitz

Auswandern nach Österreich 2026

Das Auswandern nach Österreich Rechtssicher planen – Steuern, SVS & Checkliste für Selbstständige

Wegzug, DBA, höhere Steuern – aber günstige SVS für Gründer ab ca. 160 €/Monat.

Hohe Lebensqualität, klare Verwaltung – was Sie rechtlich beachten müssen

Österreich bietet Nähe zu Deutschland, deutschsprachige Behördenwege und eine sehr gute Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig ist die Besteuerung in mehreren Bereichen höher als in Deutschland (z. B. progressiver Einkommensteuertarif, Umsatzsteuer). Wer aus Deutschland auswandert, sollte zuerst die deutschen Pflichten (Abmeldung, Wegzugsteuer, Doppelbesteuerungsabkommen) klären und dann die österreichischen Beiträge & Steuern sauber planen.

Rechtlicher Hintergrund in Deutschland: Abmeldung, DBA, Wegzugsteuer

1) Abmeldung nach dem Bundesmeldegesetz

Bei Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland müssen Sie sich binnen zwei Wochen nach Auszug abmelden. Rechtsgrundlage: § 17 BMG .

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2) Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland–Österreich

Das DBA Deutschland–Österreich (unterzeichnet 24.08.2000, Änderungen u. a. 2010/2023) ordnet Besteuerungsrechte zu (Arbeitslohn, Unternehmensgewinne, Dividenden etc.) und verhindert doppelte Besteuerung. Für Wegzug und Arbeitsaufnahme in Österreich ist es zentral. Offizielle Informationen finden Sie beim deutschen BMF und beim österreichischen BMF. :contentReference[oaicite:0]{index=0}

3) Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG

Verziehen wesentlich beteiligte Anteilseigner (regelmäßig ≥ 1 % innerhalb der letzten fünf Jahre), kann Deutschland auf stille Reserven eine Wegzugsteuer erheben. Eine frühzeitige Strukturierung (z. B. Stundung/Raten, Holding) ist essenziell, weil das DBA die Erhebung nicht verhindert, wohl aber spätere Doppelbelastungen mitigieren kann.

Besteuerung & Abgaben in Österreich: Wo es teurer ist – und wo Sie sparen

1) Einkommensteuer: höhere Grenzsteuersätze

Österreich besteuert 2025 progressiv bis 50 % (über 103.072 €) und – befristet bis Ende 2025 – 55 % für Einkommensteile über 1 Mio. €. Die Tarifstufen wurden 2025 inflationsbedingt angepasst (Beginn der Steuerpflicht ab 13.308 €). Quelle: Bundesministerium für Finanzen (AT).

2) Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer)

Regelsteuersatz 20 %, ermäßigt 10 % bzw. 13 % je nach Leistung (z. B. Beherbergung, Kultur, Lebensmittel u. a.). Für viele Branchen ist das deutlich relevant für die Preiskalkulation. Offizielle Übersichten: Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

3) Sozialversicherung für Selbstständige (SVS): oft günstiger als erwartet

Als GSVG-pflichtige Gründer zahlen Sie bei niedrigen Einkünften zunächst die Mindestbeiträge. 2025 betragen diese pro Monat ungefähr:

  • Pensionsversicherung (PV): ca. 101,95 €
  • Krankenversicherung (KV): ca. 37,48 € (für Neugründer in den ersten zwei Kalenderjahren einkommensunabhängig)
  • Selbständigenvorsorge (SeVo): ca. 8,43 €
  • Unfallversicherung (UV): fixer Betrag ca. 12,07 €

Summe: rund 160 € pro Monat – also deutlich unter 300 €. Nach dem 3. Jahr richtet sich die Beitragshöhe stärker nach der tatsächlichen Einkommensbasis. Quellen: WKO & SVS.

Wichtig: Wer mit sehr niedrigen Einkünften unter der Versicherungsgrenze startet (2025: 6.613,20 € p. a.), kann von der Pflichtversicherung ausgenommen sein – dann besteht aber auch kein Schutz (opt-in möglich). Quelle: SVS.

Typische Fälle für Gründer & Selbstständige beim Auswandern nach Österreich

A) Einzelunternehmer: Preisgestaltung & Steuerlast

Bei typischen Dienstleistungen greift der USt-Normalsatz (20 %). Kalkulieren Sie netto und prüfen Sie ermäßigte Sätze (10 %/13 %) nur, wenn die Leistung tatsächlich begünstigt ist. Ergebnis: In vielen Branchen ist die Gesamtlast (ESt + SV + USt) höher als in Deutschland; die SVS-Mindestbeiträge können aber in der Aufbauphase spürbar entlasten.

B) GmbH-Gründung in Österreich

Für Gesellschafter mit deutschem Wohnsitzwechsel ist § 6 AStG zu prüfen (Exit Tax). In Österreich wirken dann Körperschaftsteuer, KESt und allfällige Lohnabgaben; die DBA-Regeln steuern Quellensteuern und Ansässigkeit. Frühzeitige Doppelberatung (deutsch/österreichisch) ist Standard.

C) Remote-Arbeit von Österreich für deutschen Auftraggeber

Ob Lohnsteuer in Österreich oder Deutschland anfällt, entscheidet das DBA über Ansässigkeit und Tätigkeitsort. Bei echter Selbstständigkeit (EÜR/Gewinn) gelten unternehmerische Regeln; bei Scheinselbstständigkeit drohen Nachforderungen.

 

Praktische Tipps: So planen Sie das Auswandern nach Österreich

  1. Deutsche Pflichten zuerst: Abmeldung § 17 BMG , § 6 AStG prüfen, DBA anwenden. Wohnsitz- und Lebensmittelpunkt sauber dokumentieren.
  2. Steuer- & SV-Setup in Österreich: Steuernummer/UID beantragen, SVS-Anmeldung, Gründerbegünstigung (niedriger KV-Mindestbeitrag in den ersten zwei Kalenderjahren) nutzen. :contentReference[oaicite:8]{index=8}
  3. Preise & Verträge: USt-Satz (20 %/10 %/13 %) richtig ausweisen; AGB/Impressum an österreichisches Recht anpassen. :contentReference[oaicite:9]{index=9}
  4. Sozialschutz: Kranken- und Pensionsabsicherung über SVS; prüfen Sie private Zusatzversicherungen (z. B. Krankentagegeld).
  5. Familie & Schule: Schulpflicht in Österreich beachten; deutsche Formalien (Zeugnisse, Vollmachten) mit Apostille bereithalten.

Übersichtstabelle: Österreich – Steuern, SVS & To-dos

Bereich Kernwerte 2025 Relevantes Recht/Quelle Praxis-Hinweis
ESt-Tarif 0 % bis 13.308 €; Stufen 20/30/40/48/50 %; 55 % > 1 Mio. (befristet bis 2025) AT-BMF Steuertarif 2025 (01.01.2025) Grenzsteuersatz beachten; kalte Progression teils ausgeglichen.
Umsatzsteuer 20 % Regel; 10 %/13 % ermäßigt WKO Übersichten Begünstigungen prüfen (Tourismus/Kultur/Lebensmittel).
SVS Mindestbeiträge (GSVG) PV ~101,95 €; KV ~37,48 € (Neugründer); SeVo ~8,43 €; UV ~12,07 € ⇒ ~160 €/Monat WKO/SVS 2025 Unter 300 € Gesamtbeitrag möglich; ab Jahr 4 einkommensabhängig.
DBA DE–AT Vermeidung der Doppelbesteuerung BMF DE/AT Zentral für Ansässigkeit, Quellensteuern, Arbeitslohn.
Deutsche Pflichten Abmeldung & Wegzugsteuer § 17 BMG , § 6 AStG Exit-Tax früh planen; Nachweise sammeln.

Fazit: Erst deutsches Recht klären, dann österreichische Abgaben optimieren

Österreich punktet mit preiswerter SVS-Grundabsicherung für Gründer und stabilen Strukturen. Dem stehen höhere Steuersätze gegenüber, die eine saubere DBA-Planung und realistische Nettokalkulation verlangen. Wer Abmeldung, Exit-Tax und SVS früh ordnet, startet stressfrei und rechnerisch solide.

Rechtliche Unterstützung & Services

Anwalt finden: Für individuelle Fragen finden Sie einen Anwalt für Steuerrecht oder einen Anwalt für Ausländerrecht & Asylrecht.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Holen Sie bei konkreten Fällen bitte qualifizierten Rat ein. Unter dem Stichwort „Deutsche-Rechtsanwaltshotline“ können Sie ein 30-minütiges Gespräch für 49,99 €* buchen: Telefonische Rechtsberatung. Oder nutzen Sie unseren LexBot – die erste, professionelle KI-Rechtsberatung für das Auswandern nach Österreich ab 29,99 €* – schriftliche Antwort 24/7 in 3 Minuten.

Nützliche Links für das Auswandern nach Österreich (Behörden, Steuern, SVS, Praxis)

Deutsche Rechtsgrundlagen (Wegzug & Doppelbesteuerung)

Österreichische Steuern & Abgaben

Sozialversicherung für Selbstständige (SVS)

Gründung, Gewerbe & Praxis

Doppelbesteuerung Deutschland–Österreich

Beratung & Unterstützung

 

Haftungsausschluss

Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen, ersetzen jedoch keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Rechts- und Steuerregeln – insbesondere zu österreichischen Tarifstufen, SVS-Beiträgen und DBA-Auslegung – können sich ändern. Verbindlich ist die Auskunft der zuständigen Behörden und die Prüfung Ihres Einzelfalls.

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