Rechtsanwalt Türkei

Türkei

Die Türkei (amtlich: Republik Türkei) ist ein Land in Südosteuropa und Vorderasien, das die beiden Kontinente miteinander verbindet. Sie wurde im Jahr 1923 von Mustafa Kemal Atatürk als demokratische Republik gegründet. Das Land hat etwa 76,6 Millionen Einwohner und eine Fläche von 783.562 km². Es ist in 81 Provinzen gegliedert und seine Hauptstadt ist Ankara. Die Währung ist die Türkische Lira, wobei ein Euro etwa 3 Liras entspricht. Geographisch wird die Türkei in sieben Regionen unterteilt, die sich in den Bereichen des Klimas und der Natur teilweise stark voneinander unterscheiden. Die Bevölkerung der Türkei setzt sich aus zahlreichen unterschiedlichen Ethnien zusammen, die größte Gruppe bilden dabei die Türken und die Kurden. Die im Osmanischen Reich ebenfalls große Gruppe der Armenier wurde im Rahmen eines Völkermords radikal reduziert. Die Amtssprache Türkisch gilt als die Muttersprache von etwa 80% der Bevölkerung, beinahe 99% sind als Muslime registriert. Dennoch ist der Islam nicht die Staatsreligion, da großen Wert auf die in der Verfassung festgelegte Trennung von Kirche und Staat gelegt wird.

Der Staatspräsident ist das Staatsoberhaupt und wird alle fünf Jahre von der Bevölkerung gewählt, der Ministerpräsident stammt aus der Mehrheitspartei und ist der Regierungschef. Das türkische Parlament hat 550 Abgeordnete, die alle vier Jahre vom Volk gewählt werden. Die Türkei ist seit 1952 Mitglied der NATO, der UNO und des Europarates, die Verhandlungen für eine Mitgliedschaft in der EU laufen seit 2005.

Wirtschaftlich gesehen lässt sich die Türkei in den industrialisierten Westen und den Osten mit seinen Agrarbetrieben einteilen. Das Bruttoinlandprodukt pro Kopf liegt bei etwa 10.000 USD. Wichtige Industriezweige sind die Textil-, Auto- und Elektroindustrie. Das weit verzweigte Straßennetz des Landes dient insbesondere dem inländischen Gütertransport und dem Personentransport und ist besser ausgebaut als das Eisenbahnnetz. Auch Luftverkehr und Schifffahrt spielen eine wichtige Rolle.

Die Türkei ist ein beliebtes Reiseziel und bietet neben einer abwechslungsreichen Tier- und Pflanzenwelt sowie seinen weitläufigen Küstenregionen auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Insbesondere in Istanbul bietet mit dem früheren Sultanssitz Topkapı Sarayı und der Moschee Hagia Sofia interessante Einblicke. Beliebte Ziele sind außerdem die Ruinenstadt Ephesos und Troja, insgesamt 16 Stätten stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Vor der Gründung des Osmanischen Reiches im Jahr 1299 gab es auf dem Gebiet der heutigen Türkei zahlreiche Siedlungen der Hethiter, Phryger, Perser, Griechen und Byzantiner. Im 11. Jahrhundert besiegten die Seldschuken Byzanz und schufen das Sultanat der Rum-Seldschuken. Osman I. gründete nach dem Zerfall des Sultanats schließlich das Osmanische Reich, das von der Türkei aus bis nach Europa expandierte. Erst 1683 wurden die Osmanen in der Nähe von Wien besiegt und wieder in ihr ursprüngliches Gebiet gedrängt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Osmanische Reich an der Seite des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarn und sollte nach der Niederlage weitere Gebiete einbüßen. Nach gewalttätigem Widerstand unter dem späteren Staatsgründer Mustafa Kemal Pascha erhielt das Reich am 24. Juli 1923 mit dem Vertrag von Lausanne seine heutigen Grenzen. Am 29. Oktober 1923 rief er schließlich die Republik der Türkei aus und führte zahlreiche Reformen durch. Dazu gehörten etwa die Abschaffung des Sultanats und der Scharia, die Einführung eines europäischen Rechtssystems, der Säkularisierung und die europäische Schrift und Kalenderrechnung. 

Rechtsanwälte in der Türkei

Die türkische Anwaltskammer Türkiye Barolar Birliği wurde 1969 gegründet und bildet den Überverband der auf provinzialer Ebene organisierten Anwaltskammern. Bedeutende Anwaltskammern befinden sich in Ankara, Diyarbakır und Istanbul. In der Türkei besteht kein Anwaltszwang, Personen unter 18 Jahren, Behinderte und Taubstumme erhalten aber dennoch einen Pflichtverteidiger.  Anwälte (avukat) benötigen für ihre Tätigkeit vor Gericht eine Vollmacht des Mandanten. Der Anwalt ist verpflichtet, seinen Klienten im Grenzfall bis in das Oberste Gericht zu verteidigen.

Die Voraussetzung für eine Anwaltstätigkeit in der Türkei ist das Studium an einer türkischen Universität. Das Studium dauert vier Jahre, nach zwei Jahren erhält man die Vorlizenz Önlisans Diplomasi, nach zwei weiteren Jahren schließlich das Yüsek-Lisans. Im Anschluss an das Studium bewirbt man sich bei der Anwaltskammer und absolviert eine einjährige praktische Ausbildung. Im ersten halben Jahr sollen durch die Arbeit in unterschiedlichen Abteilungen Einblicke in die Abläufe am Gericht gegeben werden. Danach arbeitet der Anwärter bei einem zugelassenen Rechtsanwalt. Nach einem erfolgreichen Praktikum sind schließlich eine Eintragung bei der Rechtsanwaltskammer und die Ausübung des Berufs möglich. Unter den zahlreichen in der Türkei tätigen Rechtsanwälten gibt es etliche deutschsprachige Kollegen.