Rechtsanwalt Schweiz

Die Schweiz

iStockphoto.com/Skouatroulio
Das Matterhorn in den Schweizer Alpen.

Die Willensnation Schweiz liegt in der Mitte Europas. In den 26 Kantonen wohnen insgesamt 8,1 Millionen Menschen und es gibt vier offizielle Amtssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. In den Schweizer Alpen, genauer im Gotthardmassiv, entspringen zwei der längsten Flüsse Europas: der Rhein und die Rhone. Wegen der Gletscherwanderung während der Eiszeiten sind vier Prozent der Schweiz mit Seen bedeckt. Der größte und bekannteste davon ist der Genfer See, welcher an der Grenze zu Frankreich liegt.

Die Schweiz – eine Willensnation

Der Begriff Willensnation bezeichnet einen Staat, welcher sich aus Bürgern mit unterschiedlicher Sprache und Kultur gebildet hat. Die Schweiz ist ein republikanisch verfasster Bundesstaat und hat eine große Tradition in direkter Demokratie; das Volk kann einen direkten Einfluss auf Regierungstätigkeiten ausüben.

Die Judikative

Die oberste gerichtliche Instanz bildet das Bundesgericht in Lausanne und die beiden  sozialrechtlichen Abteilungen in Luzern. Das Bundesgericht besteht aus 38 hauptamtlichen, 15 ordentlichen und 15 außerordentlichen Bundesrichtern, welche von der Bundesversammlung gewählt werden. Anders als Deutschland kennt die Schweiz keine Verfassungsgerichtbarkeit, Bundesgesetze können also nicht von einem Verfassungsgericht für ungültig erklärt werden. 

Um in der Schweiz Rechtsanwalt werden zu können, muss nach dem Abschluss eines Jurastudiums ein einjähriges Praktikum im Inlandabsolviert werden, außerdem muss eine Fähigkeitsprüfung abgelegt und ein kantonales Anwaltspatent erlangt werden. Wie auch in Deutschland ist es zudem möglich, einen Fachanwaltstitel zu erwerben. Dafür muss der Anwalt unter anderem mindestens fünf Jahre Berufspraxis vorweisen können und eine Zusatzausbildung absolvieren. 
Der Großteil der Rechtsanwälte in der Schweiz ist alleine tätig oder bildet mit wenigen anderen Anwälten eine Partnerschaft. Als Anwalt ist man automatisch Mitglied im Schweizerischen Anwaltsverband. Dieser zählt momentan über 9.000 Mitglieder. Mittlerweile kommt jedoch eine immer größere Zahl an großen, spezialisierten Anwaltskanzleien auf. Dazu zählen beispielsweise Lenz & Staehelin oder Schellenberg Wittmer.

Wirtschaft

Die Schweiz ist eines der vermögendsten Länder der Welt und weist eine hohe Preisstabilität sowie eine geringe Arbeitslosenquote (3,2 Prozent) auf. Insbesondere Gewerbe und Industrie spielen für die Wirtschaft in der Schweiz eine große Rolle, Landwirtschaft und Rohstoffproduktion sind, anders als früher, von nachrangiger Wichtigkeit. Wenngleich  große Unternehmen wie Nescafé, Credit Suisse und die Zurich Insurance Group ihren Sitz in der Schweiz haben, so machend doch die „kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)“ 99 Prozent aller Gewerbe aus, sie beschäftigen mehr als zwei Drittel aller Arbeitnehmer. 
Die Schweiz ist zudem internationaler Forschungsstandort für Kernforschung. In Genf befindet sich das CERN (Conseil Europeén pour la Recherche Nucléaire) mit dem bedeutendstem Teilchenbeschleuniger der Welt, dem Large Hadron Collider (LHC). Hier wurde 2012 unter anderem das Higgs-Bosom, im Volksmund auch Gottesteilchen genannt, entdeckt.

Kultur

Durch die sprachlichen Differenzen hat sich in der Schweiz eine vielfältige Kultur entwickelt. Neben der Basler und Luzernen Fasnacht sind das Unspunnensteinwerfen und die Fête des Vignerons (Winzerfeste) sehr beliebt.

International bekannt ist auch das Schauspielhaus Zürich, in welchem zahlreiche Stücke Bertolt Brechts, Max Frischs und Dürrenmatts uraufgeführt wurden. Auch im Bereich Film hat die Schweiz viel vorzuweisen, der Produzent Arthur Cohn bereits dreimal einen Oskar im Bereich „Bester Dokumentarfilm“ und auch das Filmfestival von Locarno besitzt großes internationales Renommee. 

Rechtsanwälte in der Schweiz

In der Schweiz darf nur der Jurist sich Rechtsanwalt nennen, der ein sogenanntes Anwaltspatent erlangt hat. Dieses Schweizer Anwaltspatent berechtigt ihn, den Beruf des Anwaltes in seinem Land auszuüben. Stand 2013 waren in der Schweiz über 9000 Berufsträger tätig, Tendenz steigend. Statistisch gesehen kommen auf einen Rechtsanwalt in der Schweiz 884 Einwohner.

Damit ein Jurist in der Schweiz den Beruf Anwalt ausüben darf, muss  er neben einem juristischen Studienabschluss und einer mindestens einjährigen Praktikumserfahrung im Inland eine theoretisch-praktische Fähigkeitsprüfung ablegen. Wer diese Kriterien erfüllt, kann danach ein kantonales Anwaltspatent erlangen. Seit 2010 werden alle Anwälte in der Schweiz nach den Richtlinien des Bologna-Prozesses ausgebildet und damit auch europaweit anerkannt. Die Anforderungen, welche für das Erlangen eines Anwaltspatentes an jeden Juristen gestellt werden, variieren allerdings von Kanton zu Kanton.

Als rechtliche Grundlage für alle Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsanwärter in der Schweiz gilt das Bundesgesetz über die Freizügigkeit von Anwältinnen und Anwälten vom 2000 (Anwaltsgesetz, BGFA). Außerdem gibt es einige kantonale Besonderheiten.

Seit dem Jahr 2006 haben Rechtsanwälte in der Schweiz die Möglichkeit, ihr Wissen weiter zu vertiefen und für einen von sechs Fachbereichen den Titel eines Fachanwalt SAV zu erlangen. Hierzu gelten gewisse Voraussetzungen: der Anwalt muss mindestens drei Jahre Berufserfahrung in seinem gewünschten Fachbereich vorweisen, eine Weiterbildung absolvieren und eine Prüfung bestehen. Folgende Fachanwaltstitel gibt es in der Schweiz:

  • Fachanwalt SAV Arbeitsrecht
  • Fachanwalt SAV Bau- und Immobilienrecht
  • Fachanwalt SAV Erbrecht
  • Fachanwalt SAV Familienrecht
  • Fachanwalt SAV Haftpflicht- und Versicherungsrecht
  • Fachanwalt SAV Strafrecht

Von 2006 bis Mitte 2014 haben 500 Anwälte in der Schweiz das Recht erworben, den Titel Fachanwalt SAV zu führen.