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Es ist allgemein bekannt, wie wichtig es ist, sich vor dem eigenen Ableben um seinen Nachlass und den Umgang mit dem Erbe zu kümmern. Viele Ehepaare wollen diesen Schritt zusammen gehen und entscheiden sich für ein sogenanntes Berliner Testament. Bei diesem wird ein gemeinsames Testament verfasst, in dem sich die Ehepartner gegenseitig als Erben einsetzen und zusätzliche Schlusserben im Todesfall beider Partner benennen. Dabei ist jedoch einiges zu beachten, sodass die Vor- und Nachteile des Berliner Testaments vor einer Entscheidung sorgfältig abgewogen werden sollten.

Muss man bei dem Berliner Testament Steuern bezahlen?

Ein gravierender Nachteil des Berliner Testaments steht in engem Zusammenhang mit steuerlichen Regelungen. Der Grund dafür lässt in der unterschiedlichen Besteuerung je nach dem Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Erblasser und dem Erben finden. Das ist etwa der Fall, wenn beide in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander stehen, sodass anstelle der günstigeren Steuerklasse II nur die Steuerklasse III greift. Konstellationen, bei der einer der Schlusserben nicht mit dem letzten lebenden Erblasser verwandt ist, können zu solch einer nachteiligen Situation führen. Eine Alternative bietet die Möglichkeit, das Verwandtschaftsverhältnis des Erben zum zuerst verstorbenen Erblasser als Grundlage für die Besteuerung zu wählen. Diese Vergünstigung muss jedoch bereits im Voraus beantragt werden

Zusätzlich sollte beachtet werden, dass das Erbe zweimal versteuert wird, wenn es zunächst auf den überlebenden Ehegatten und dann auf den Schlusserben übergeht. Zusätzlich fallen, im Gegensatz zu einem klassischen Testament, nach dem Tod des ersten Ehegatten keine steuerlichen Freibeträge für die Schlusserben an.

Das Berliner Testament und die Bindungswirkung

Ein weiterer Aspekt, der gegen das Berliner Testament spricht, ist die damit einhergehende Bindungswirkung. Da das Testament von beiden Ehegatten geschlossen wurde, kann es auch nur zu deren Lebzeiten geändert oder beendet werden. Dazu ist entweder eine Erklärung gegenüber dem Partner oder ein einvernehmlicher Widerruf nötig, die notariell beurkundet werden müssen. Dieses Vorgehen nimmt dem überlebenden Ehegatten nach dem Tod seines Partners sämtliche Änderungsmöglichkeiten in Bezug auf die Konditionen und die Schlusserben.

Diese Regelung sollte unbedingt beachtet werden, wenn spätere Änderungen geplant sind. Das kann etwa der Fall sein, wenn sich einer der Erben bei der Pflege des Erblassers besonders engagiert hat oder es zu einem Streit kommt. Auch Schenkungen bieten in einem solchen Fall keine Möglichkeit zur Umverteilung des Erbes, da diese von den eingetragenen Schlusserben zurückgefordert werden können.

Welche Pflichtteilsregelungen gibt es beim Berliner Testament?

Beim Berliner Testament sollte auch bedacht werden, dass unabhängig von der Regelung jedem gesetzlich festgelegten Erben ein gewisser Pflichtteil des Erbes zusteht. Da bereits mit dem Tod des ersten Ehegatten ein Erbanspruch entsteht, kann nach § 2303 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) im Fall eines Ausschlusses die Hälfte des gesetzlichen Erbteils vom begünstigten Erben gefordert werden. Dieses Vorgehen wird auch im Fall eines Berliner Testaments wirksam, wenn keine gesonderte Regelung enthalten ist. Die Erblasser sollten darauf achten, dass eine sogenannte Strafklausel enthalten ist, die einem Kind bei der Forderung des ersten Pflichtteils auch bei dem übrigen Erbe nach dem Tod des anderen Elternteils nur den Pflichtteil gewährt. Zusätzlich sollte bedacht werden, dass nicht nur bei der Auszahlung des Pflichtteils, sondern auch schon bei der Erhebung des Anspruchs Kosten entstehen können. Das ist etwa der Fall, wenn ein Notar ein Nachlassverzeichnis erstellt, dessen Kosten die Erblasser tragen müssen. Außerdem schützt die Strafklausel auch Schlusserben, die keine Verwandtschaft mit dem ersten Erblasser vorweisen können und somit keinen Anspruch auf einen Pflichtteil hätten.

Das Berliner Testament und eine erneute Heirat

Auch bei einer erneuten Heirat durch den überlebenden Ehepartner weist das Berliner Testament einige Nachteile auf. Es erlaubt dem Partner, die Verfügung anzufechten, da der neue Ehegatte ebenfalls einen Anspruch auf einen Pflichtanteil hat. Ist die Anfechtung erfolgreich, kann er selbstständig neue Erben festlegen. Um einen solchen Fall zu vermeiden, sollte eine Wiederverheiratungsklausel mit in das Testament aufgenommen werden. Dabei wird zwischen einer Einheits- und einer Trennungslösung unterschieden. Bei ersterer sind die Ehegatten als Vollerben und die Kinder als Schlusserben eingetragen. Bei einer Wiederverheiratung eines Partners wird die Einsetzung als Vollerbe durch eine Einsetzung als Vorerbe abgelöst oder es wird ein Herausgabevermächtnis vereinbart, im Zuge dessen der Ehepartner bei einer Wiederverheiratung den Erbteil, der über den gesetzlich festgelegten Anteil herausgeht, an die Schlusserben weitergibt. Die Trennungslösung sieht hingegen vor, dass die Eltern als Vorerben und die Kinder als Nacherben festgelegt sind. Bei einer Wiederverheiratung gibt es die Möglichkeiten, dass der Erbfall bereits mit der neuen Heirat und nicht erst mit dem Tod des Ehegatten einsetzt oder dass eine Testamentsvollstreckung vorgenommen wird. So kann gewährleistet werden, dass die eigentlichen Erben den ihnen zustehenden Teil erhalten.

Alles in allem bietet das Berliner Testament für Ehepaare eine gute Möglichkeit für die Regelung ihres Erbes. Dennoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass eine genaue Formulierung nötig ist, um Probleme und Missverständnisse zu vermeiden. Diese können besonders in Zusammenhang mit Steuern, der Bindungswirkung, den Pflichtteilsregelungen und Wiederverheiratungen auftreten. Um solche Probleme zu vermeiden, sollte ihn jedem Fall ein kompetenter Rechtsanwalt für Erbrecht oder ein Notar in den Prozess der Testamentserstellung mit einbezogen werden. Diese können abwägen, ob das Berliner Testament oder eine andere Testamentsform wie etwa ein Erbvertrag sinnvoller sind. Das ist etwa der Fall, wenn beide Partner nicht miteinander verheiratet sind und dennoch ein gemeinschaftliches Testament anstreben. 

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