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Darf man seine Wertsachen mit an den Arbeitsplatz bringen
und dort aufbewahren? Wer muss im Fall eines Diebstahls für den Verlust
aufkommen? Mit diesen Fragen hat sich das Landesarbeitsgericht Hamm
beschäftigt.

Diebstahl von
Wertsachen am Arbeitsplatz

Ein Mitarbeiter eines Krankenhauses hatte nach eigenen
Angaben Schmuck und Uhren im Wert von etwa 20.000 € in einen Rollcontainer
innerhalb seines Büros eingeschlossen. Als Begründung für die Aufbewahrung der
Wertsachen gab er an, dass er diese noch am selben Abend in ein Schließfach bei
der Bank habe bringen wollen. Da er in den nächsten Tagen jedoch einer
erheblichen Arbeitsbelastung ausgesetzt gewesen sei, habe er es versäumt, den
Schmuck wieder mitzunehmen. Der Mann gab an, dass ihm erst einige Tage später
aufgefallen sei, dass die Tür zu seinem Büro aufgeschlossen und der
Rollcontainer aufgebrochen und ausgeräumt worden wäre. Die Tür sei sehr
wahrscheinlich mithilfe des Generalschlüssels geöffnet worden, der einer
Mitarbeiterin zuvor aus ihrem Spind entwendet wurde. Der Mitarbeiter machte das
Krankenhaus für den Diebstahl verantwortlich, da es keine klaren Anweisungen
für die Aufbewahrung des Generalschlüssels gegeben hätte und der Diebstahl auf
diese Weise erst ermöglicht worden wäre. Aus diesem Grund reichte der
Mitarbeiter eine Schadensersatzklage vor dem Arbeitsgericht Hamm ein.

Welche Wertsachen muss der Arbeitgeber schützen?

Das Arbeitsgericht wies die Klage ab und auch das Landesarbeitsgericht
Hamm gab dem Kläger im Rahmen einer Berufung kein Recht. Als Begründung wurde
angegeben, dass der Arbeitgeber nur für den Schutz mitgebrachter Sachen
verantwortlich sei, die der Arbeitnehmer zwingend oder regelmäßig mit sich
führe. Auch Gegenstände, die mittelbar oder unmittelbar für die Arbeitsleistung
benötigt würden, gehörten dazu. Nur für Mitgebrachtes, das diesen Vorgaben
entspreche, sei der Arbeitgeber auch verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um
einen Verlust oder eine Beschädigung zu verhindern. Gerade dadurch, dass der
Arbeitgeber im vorliegenden Fall nicht über die mitgebrachten Wertgegenstände
informiert worden wäre, könne man ihn auch nicht zu Schadensersatzleistungen
verpflichten. Der Kläger nahm daraufhin seine Berufung zurück, sodass ihm wenigstens
ein Teil der Verfahrenskosten erlassen wurde.

Quelle: Landesarbeitsgericht Hamm, Klagerücknahme vom
21.01.2016, Az.: 18 Sa 1409/15

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