Welche Bestattungsart ist in Deutschland erlaubt?

Verfasst von Christian Schebitz am 2. September 2015

Sarg mit Blumendekoration
fotolia.com/Robert Hoetink

In Deutschland sterben jährlich etwa 860.000 Menschen. Diese Zahl führt vor Augen, dass sich jeder trotz der fortgeschrittenen medizinischen Versorgung und der hohen Lebenserwartung mit dem eigenen Tod oder dem Tod von Verwandten oder Freunden beschäftigen sollte. Aus diesem Grund ist es vielen Menschen in fortgeschrittenem Alter schon im Voraus wichtig, sich ausgiebig über die Bestattungsmöglichkeiten zu informieren. Nur so ist es möglich, eine Beerdigung zu erhalten, die den eigenen Wünschen entspricht. Dabei müssen jedoch nicht nur Regelungen für die Wahl des Friedhofs oder des Blumenkranzes getroffen, sondern auch rechtliche Aspekte bedacht werden, die größtenteils in den Bestattungsgesetzen geregelt sind.

Die Bestattungsgesetze in Deutschland 

Die Bestattungsgesetze bilden die rechtliche Grundlage im Bereich des Bestattungswesens. Sie sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich im Hinblick auf einige Definitionen und Regelungen. Ein zentraler Aspekt ist die Bestattungspflicht, die die nächsten Angehörigen dazu verpflichtet, den Toten zu bestatten. Zu den Totenfürsorgeberechtigten gehören der Ehe- oder Lebenspartner, die Kinder, die Eltern, die Geschwister, die Großeltern und die Enkelkinder in dieser Reihenfolge, insofern sie die Volljährigkeit erreicht haben. Nach § 1968 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) müssen der Erbe oder die Erbengemeinschaft für die Kosten der Bestattung und für die Friedhofsgebühren aufkommen. Auch, wenn das Erbe ausgeschlagen wird, sind die Fürsorgeberechtigten zur Zahlung verpflichtet. Das ist insbesondere der Fall, wenn sie die Beerdigung in Auftrag gegeben haben, wie das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen in einem Urteil entschied. Ist kein Verwandter oder Erbe vorhanden, wird die Beerdigung von der jeweiligen Gemeinde ausgerichtet.

Vorgehen im Todesfall 

Im Zuge der Beerdigung sollten die jeweiligen Bestattungsfristen beachtet werden. Ist der Todesfall eingetreten, muss zunächst ein Arzt verständigt werden, der den Totenschein ausstellt. Im Anschluss daran muss der Tote innerhalb von 24 oder 36 Stunden in die Leichenhalle überführt werden. Die Frist unterscheidet sich je nach Bundesland. Dabei sollte beachtet werden, dass die Überführung nur durch ein Bestattungsunternehmen durchgeführt werden darf, das den Auftrag zeitnah erhalten haben sollte. Bei Überführungen aus dem Ausland werden ein spezieller Leichenpass sowie weitere Dokumente wie der Totenschein und eine Sterbeurkunde benötigt. Nach der Überführung wird der Leichnam in einer Kühlhalle aufbewahrt und von dem Bestatter gewaschen und vorbereitet. Die wirkliche Beisetzung darf frühestens 48 Stunden nach dem Eintritt des Todes erfolgen, um mögliche Irrtümer wie einen Scheintod ausschließen zu können.

Welche Formen der Bestattung sind in Deutschland erlaubt?

Innerhalb Deutschlands gibt es zwei grundlegende Bestattungsformen, aus denen sich alle anderen ableiten lassen. Bei der Erdbestattung wird der Leichnam in einem Sarg auf einem Friedhof beigesetzt. Im Rahmen einer Feuerbestattung wird der Verstorbene hingegen in einem Krematorium zusammen mit seinem Sarg verbrannt und die Asche in einer Urne in das Grab gelegt. Etwa 45 % der Bestattungen sind Erdbestattungen, während Feuerbestattungen den größeren Anteil haben. Diese Verteilung könnte der größeren Variationsmöglichkeit für Feuerbestattungen geschuldet sein, im Rahmen derer mehrere Möglichkeiten für die Bestattung der Asche vorgesehen sind.

Dazu gehört etwa die Seebestattung, bei der die Asche in einer wasserlöslichen Urne dem Meer, also der Nord- oder der Ostsee, übergeben wird. Diese Bestattungsform ist nicht in allen Bestattungsgesetzen enthalten, wird aber in den meisten Fällen auf Antrag bei der zuständigen Behörde genehmigt. Rund 2 % aller Bestattungen sind Seebestattungen. Neben der Seebestattung ist auch die Bestattung innerhalb der Natur möglich. Innerhalb Deutschlands ist das Verstreuen der Asche in freier Natur verboten. Dennoch gibt es die Möglichkeit, die Urne in oder unter Bäumen auf einem Friedhof oder einem sogenannten Friedwald oder Ruheforst beisetzen oder auf einer festgelegten Fläche verstreuen zu lassen.

Nicht genehmigte Bestattungsformen

Neben den in Deutschland genehmigten Bestattungsformen gibt es noch weitere Möglichkeiten, mit den sterblichen Überresten zu verfahren. Dazu gehören die Luft-, die Diamant- und die Weltraumbestattung ebenso wie die Mitnahme der Urne nach Hause. Bei einer Luftbestattung wird die Asche des Verstorbenen in die Luft verstreut. Das ist im deutschen Luftraum jedoch verboten, eine Ausnahme bilden dabei lediglich einige Gebiete über der Nord- und der Ostsee. Im Rahmen der Diamantbestattung wird aus einem Teil der Asche in Diamant hergestellt, für die übrige Asche ist eine reguläre Bestattung nötig. Das Verfahren wird in Deutschland nicht durchgeführt, ist jedoch in der Schweiz möglich, sodass der Diamant im Anschluss überführt werden kann. Die Weltraumbestattung stellt eine der exzentrischsten Formen der Bestattung dar. Dabei wird ein Teil der Asche in einer Rakete in den Weltraum befördert und der Rest auf herkömmliche Weise bestattet. Die Weltraumbestattung kann in Deutschland ebenfalls nicht in Anspruch genommen werden, ebenso wie die in den Vereinigten Staaten verbreitete Bestattungsform in einer Urne, die von den Verwandten mit nach Hause genommen werden darf. Der Grund dafür liegt in möglichen Streitigkeiten um den Toten, die den Zugang aller Verwandten zur Urne verhindern könnten.

Was muss man bei der Bestattungsvorsorge beachten?

Ab einem gewissen Alter sollte sich jeder Gedanken über seine eigene Bestattung machen. Nachdem man sich für eine Form entschieden hat, sollten die zuständigen Verwandten informiert oder der Wunsch in einem Testament festgehalten werden. Es ist auch möglich, einen Bestattungsvorvertrag mit einem Bestattungsunternehmen abzuschließen und die Kosten schon im Voraus zu begleichen, um die Erben vor zu hohen Ausgaben zu schützen. Bei speziellen Bestattungsformen wie einer Seebestattung ist in manchen Bundesländern eine gesonderte Verfügung nötig. Ist die gewünschte Bestattungsform in Deutschland nicht erlaubt, sollte überprüft werden, inwieweit eine Überführung in das Ausland möglich ist. Für die genaueren Regelungen ist es unter Umständen empfehlenswert, die fachliche Meinung eines Notars oder Rechtsanwalts einzuholen.

Alles in allem müssen bei einer Bestattung in Deutschland zahlreiche rechtliche Vorschriften beachtet werden. Da sich diese je nach Bundesland unterscheiden, ist es unumgänglich, sich bereits im Voraus über die jeweiligen Regelungen zu informieren, damit der Ort der letzten Ruhe den eigenen Vorstellungen entspricht.

Quellen:

Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, Urteil vom 16.10.2014 – 13 K 3019/13 –

https://www.bestattungen.de/ratgeber/bestattung/bestattungsgesetz.html

http://www.bundesanzeiger-verlag.de/betreuung/wiki/Bestattung

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Schadensersatzpflicht trotz Tod des Käufers?

Mediziner wegen Körperverletzung mit Todesfolge schuldig

Neuverhandlung nach Tod durch Exkorporation von Drogen

Beitrags-Navigation

Kompetente Rechtsberatung zu diesem Thema bieten diese ausgewählten Anwälte:

Services zu diesem Thema:

Zu diesem Thema mit einem Anwalt sprechen!

29*

15 Minuten

  • 15 Minuten Telefonat mit einem Anwalt

  • Antwort auf eine konkrete kurze Fragestellung

Jetzt buchen

49*

30 Minuten

meistgekauft

  • 30 Minuten Telefonat mit einem Anwalt

  • Juristische Erläuterung des Problems & Handlungsempfehlung

Jetzt buchen

69*

45 Minuten

  • 45 Minuten Telefonat mit einem Anwalt

  • Diskussion eines komplexeren Problems und konkrete Tipps

Jetzt buchen

Haben Sie eine Frage zu diesem Thema und suchen die passende Rechtsberatung?

Anwalt anrufen