Vatergefühle per Gerichtsbeschluss

Verfasst von Christian Schebitz am 22. November 2007

Es mutet recht skurril an, wenn man sich die Fakten dieses Falls anschaut. Ein Vater klagt vor dem Bundesverfassungsgericht gegen ein Urteil, das ihn dazu verpflichtet Zeit mit seinem unehelichen Sohn zu verbringen. Seine gerichtlich angeordnete Vaterpflicht verletze sein Persönlichkeitsrecht, klagt der Vater. Er war vom Oberlandesgericht Brandenburg dazu verurteilt worden, seinen Sohn unter fachlicher Begleitung alle drei Monate für zwei Stunden zu sehen. Verständlich wird dieser Sachverhalt, wenn man die Hintergründe betrachtet: Das Kind entstammte einem Verhältnis mit einer Jugendfreundin, das der Mann neben seiner Ehe unterhielt. Er hatte seiner Geliebten erklärt, dass er keine Kinder mit ihr haben wolle und beendete die Beziehung, als sie doch schwanger wurde. Zwar zahlt er Unterhalt, weigert sich aber das Kind zu sehen. Brisant wird die Angelegenheit dadurch, dass auch die Ehefrau ihr Veto einlegte und mit Scheidung drohte, falls der Kindsvater seinen Sohn besucht. Der Fall wurde nun vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt. Rechtlich, so scheint es, sind die Forderungen der klagenden Mutter richtig.  Seit der Modernisierung des Kindschaftsrechts haben Kinder ein Umgangsrecht mit beiden Elternteilen. Der Fokus liegt hier bei dem Wohl und den Wünschen des Kindes. Der Vater wehrt sich nun vor dem Bundesverfassungsgericht. Er sieht in dem Urteil seine Persönlichkeitsrechte verletzte. Und in der tat lässt sich über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme streiten. Ist es dem Wohl des Kindes zuträglich, wenn der Vater gerichtlich gezwungen wird, sein Kind zu sehen? Leidet das Kind nicht eher unter der zu erwartenden Abweisung des Vaters? Die Experten streiten. Während das Kind unter der Obhut des Jungendamtes steht und „auf die Rückkehr zur Mutter vorbereitet“ wird, mahnt man an dieser Stelle an, das Kind müsse sich erst einmal stabilisieren und zur Mutter finden. Eine Konfrontation mit einem Zwangsbesuchvater sei kontraproduktiv. Andere Stellen verweisen auf Fälle in denen, das Kind Vatergefühle erst „geweckt“ hätte. Cosima Schmitt (taz) kommentiert den Fall als Wegsuche dieser Gesellschaft. Mit dem Wohl des Kindes im Blick sei man nun auf der Suche nach Wegen, wie das „neue Ideal“ des Kindeswohl umgesetzt werden kann. Zweifel an Zweckdienlichkeit, Gerichten diese Aufgabe zu überlassen, sind verständlich. Quellen und Links

  • taz Online – „Besuchszwang für unwilligen Papa?“
  • taz Online – „Das Recht des Kindes“

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