Markenrechtstreit um Winnetou

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Das hatten sich die Macher von RTL sicher anders vorgestellt: Pünktlich zur Weihnachtszeit wollten sie in Anlehnung an den Karl-May-Klassiker Winnetou eine Filmreihe mit demselben Titel ausstrahlen und so wieder ganze Generationen vor den Bildschirm locken. Der Karl-May-Verlag machte dem Sender jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Als bekannt wurde, dass das luxemburgische Medienunternehmen RTL ein Remake der dreiteiligen Winnetou-Reihe produzieren lässt, wandten sich die Rechteinhaber des Markennamens „Winnetou“ an das EU-Gericht. Sie beriefen sich auf ihr Titelschutzrecht und forderten, dass RTL seinen Apachen-Häuptling nicht Winnetou nennen dürfe. Als Begründung brachten sie an, dass die Handlungen der RTL-Filme zu stark von den Romanvorlagen Karl Mays abweichen würden.

Im Jahr 2003 hatte sich der in Bamberg ansässige Karl-May-Verlag die Rechte am Namen der Romanfigur beim Europäischen Markenamt gesichert. Damals ging es um die Verwendung für Fanartikel wie Kaffeetassen und Frühstücksbrettchen. Das Filmunternehmen Constantin Film, das die RTL-Neuverfilmung produziert, hatte in erster Instanz durchgesetzt, dass dieser Schutz größtenteils wieder aufgehoben wurde. Darüber, ob diese Löschung gültig ist oder nicht, musste nun das EU-Gericht entscheiden.

EU-Gericht gibt Fall an Markenamt zurück

Bereits im Dezember 2015 war das Landgericht Nürnberg-Fürth der Argumentation des Karl-May-Verlags gefolgt. In dem Urteil hieß es, dass nicht von der Verfilmung einer Romanvorlage gesprochen werden könne, da die Abweichungen in den geplanten Filmen zu stark seien.

Auch die Luxemburger Richter entschieden zugunsten des Karl-May-Verlags. Sie befanden, dass die Begründung des Europäischen Markenamtes nicht ausreichend und die Löschung damit ungültig sei. Das zuständige Amt muss jetzt erneut über den Fall befinden und dabei die Entscheidung des EU-Gerichts einbeziehen.

Die Dreharbeiten zu der geplanten Filmreihe laufen bereits seit August 2015. Sie wird, wie auch die Winnetou-Reihe aus den Sechziger-Jahren, in Kroatien gedreht. Der Apachen-Häuptling wird vom Schauspieler Nik Xhelilaj gespielt, die Rolle seiner Blutbruders soll Wotan Wilke Möhring übernehmen. Constantin Film hat noch die Möglichkeit, in nächster Instanz gegen die Entscheidung vorzugehen.

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