Stetoskop mit Geldscheinen

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Meist sehen sich Ärzte nach einer erfolgreichen Operation einem dankbaren Patienten gegenüber – nicht so im vorliegenden Fall eines Mannes, der nach seiner Behandlung eine Klage auf Schmerzensgeld wegen der Verletzung seiner Seele einreichte.

Klage wegen Verletzung des Selbstbestimmungsrechts und des Schamgefühls

Der 53-jährige Mann, der nicht nur ein afrikanischer Prinz, sondern auch ein Priester der sogenannten Yoruba-Religion ist, wurde wegen eines medizinischen Notfalls in die Klinik gebracht. Er litt unter Luftnot und einer Herzrhythmusstörung und wies auch sonst alle Symptome eines Herzinfarkts auf. Die zuständigen Kardiologen führten daher eine standardmäßige Katheter-Untersuchung durch und platzierten dafür eine Kanüle in seiner linken Leiste. Genau dieser Eingriff stellte für den Patienten jedoch ein Problem dar: Seinem Glauben nach wurde dabei nicht nur sein Körper, sondern auch seine Seele in Mitleidenschaft gezogen, da jede Verletzung auch nach dem Tod weiterbesteht. Daher habe er sein Leben ohne jegliche Operationen verbringen wollen und hätte dem Eingriff auch nicht zugestimmt, wodurch sein Recht auf Selbstbestimmung missachtet worden wäre. Außerdem sei bei dem Eingriff sein Intimbereich berührt worden, was sein Schamgefühl verletzt habe. Der Mann reichte Klage vor dem Landgericht Bonn ein und verlangte 12.000 Euro Schmerzensgeld.

Wann liegt ein Behandlungsfehler oder Aufklärungsfehler vor?

Die Richter holten ein medizinisches Gutachten ein, in dem bestätigt wurde, dass der Eingriff zwingend notwendig gewesen sei, um das Leben des Patienten zu retten. Für eine operationslose Alternative wie einen Ultraschall oder ein MRT sei keine Zeit mehr gewesen. Die zwei zuständigen Ärztinnen gaben außerdem an, den Mann in englischer Sprache über den Eingriff aufgeklärt und sein Einverständnis erhalten zu haben. Da weder Behandlungsfehler noch Aufklärungsfehler erkennbar waren, wurde die Klage auf Schmerzensgeld abgewiesen. Auf die Einwände des Patienten hin gaben die Richter außerdem an, die kleine Narbe sei ein geringer Preis für ein funktionierendes Herz im nächsten Leben.

Quellen:

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Afrikanischer-Priester-klagt-gegen-Uniklinik-article3437085.html

http://justillon.de/2017/01/schmerzensgeldklage-eines-priesters/

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