Schlafen am Arbeitsplatz?

Verfasst von Christian Schebitz am 11. September 2015

Mann schläft an seinem Schreibtisch
fotolia.com/Boggy

Eine ausreichende Menge Schlaf ist für die meisten Menschen
lebenswichtig und essentiell. Doch wie sieht es aus, wenn die Augen während der
Arbeitszeit immer schwerer werden? Darf man in einem solchen Fall am
Arbeitsplatz schlafen? Und ist Schlafen am Arbeitsplatz Grund genug für eine
Kündigung? Zur Klärung dieser Fragen wurden einige wegweisende Urteile gefällt:

Darf man bei der Arbeit schlafen?

Das Arbeitsgericht Cottbus hat im Fall einer Frau
entschieden, die mehrfach und unter Alkoholeinfluss an ihrem Arbeitsplatz
geschlafen hatte. Der Arbeitgeber reagierte mit einer Abmahnung und schließlich
mit einer fristlosen Kündigung. Das Gericht verlangte aufgrund der langjährigen
Betriebszugehörigkeit der Frau eine fristgerechte Kündigung, gab dem
Unternehmen aber sonst Recht.

In einem vom Landesarbeitsgericht in Mainz beurteilten Fall
wurde eine Kündigung wegen Schlafens am Arbeitsplatz abgewiesen. Eine
Pflegekraft hatte während ihres Nachtdienstes unerlaubterweise in einem
Fernsehsessel geschlafen. Der Arbeitgeber reagierte mit einer durch den
Betriebsrat genehmigten fristlosen Kündigung. Das Gericht entschied, dass die
kurze Schlafperiode unter anderem durch eine vorherige Erkrankung der
Pflegekraft ausgelöst worden wäre und keine Kündigung rechtfertigen würde. Außerdem
wären die Notsignale der Schutzbefohlenen in dem offenen Zwischenraum immer
noch zu hören gewesen.

Anders gestaltete sich das Urteil des Landesarbeitsgerichts
in Mainz im Fall einer Pflegekraft, die sich zum Schlafen in einen abgetrennten
Raum zurückgezogen hatte. Die Tatsache, dass sie außerdem die Betten von zwei
Heimbewohnern so von der Wand weggerückt hatte, dass diese die Notklingel nicht
erreichen konnten und die Dokumentation der Pflegehandlungen bereits im Voraus
erledigt hatte, gab schließlich den Ausschlag für die Kündigung. Das
Landesarbeitsgericht entschied, dass es dem Unternehmen nicht mehr zuzumuten
sei, die Mitarbeiterin für den sechsmonatigen Zeitraum der Kündigungsfrist weiterhin
zu beschäftigen.

Welche Folgen hat das Schlafen am Arbeitsplatz?

Letztlich hängt es von der jeweiligen Situation ab, ob
Schlafen am Arbeitsplatz geduldet wird oder nicht. In einigen Fällen kann ein
Einschlafen im Rahmen einer Ruhezeit bei der Nachtschicht nicht geahndet
werden, wenn es den Betreffenden in einem Notfall nicht an der Arbeit hindert.
Dabei ist jedoch wichtig, dass das Einschlafen nicht gezielt vorbereitet und
herbeigeführt wird und nicht häufiger vorkommt.

Im Allgemeinen muss es nach einem einmaligen Verstoß erst zu
einer Abmahnung kommen, bevor eine Kündigung ausgesprochen werden darf. Diese
muss unter der Zustimmung des Betriebsrats erfolgen. Eine fristlose Kündigung ist
nur gerechtfertigt, wenn die Pflichten so vernachlässigt wurden, dass eine
Weiterbeschäftigung nicht mehr zugemutet werden kann. Eine ordentliche
Kündigung unter Einhaltung der Kündigungsfrist kann jedoch in den meisten
Fällen durchgesetzt werden.

Aus diesen Gründen sollte von Schlafen am Arbeitsplatz
abgesehen werden. Wenn die Müdigkeit doch zu groß wird, hilft es in den meisten
Fällen, ein klärendes Gespräch mit dem Arbeitgeber zu führen und um eine zusätzliche
Pause zu bitten.  

Quellen:

Arbeitsgericht Cottbus, Urteil vom 06.10.2009, – 6 Ca 652/09

Landesarbeitsgericht
Mainz, Urteil vom 5. Juni 2012, – 12 Sa 652/11 –

Landesarbeitsgericht
Mainz, Urteil vom 16 April 2015,  – 5 Sa
637/14 –

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