Rechte und Pflichten von Azubis

Verfasst von Manuela Frank am 16. September 2015

Neben Pflichten besitzen Azubis auch eine Reihe unterschiedlicher Rechte
©iStock/Heinz Meis

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“ – besagt bereits eine
alte Weisheit, die sich auch heutzutage noch der ein oder andere Jugendliche während
seiner Ausbildung anhören muss. Tatsächlich sind mit dem Antritt einer Lehre zahlreiche
Pflichten verknüpft, sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule. Da gibt es
zum Beispiel die Lernpflicht, die Sorgfaltspflicht oder die Pflicht zur
Verschwiegenheit, um nur ein paar zu nennen. Doch Auszubildende sollten nicht
nur wissen, welche Aufgaben sie während der Ausbildungszeit erfüllen müssen,
sondern auch, welche Rechte ihnen zustehen.

Pflichten von Auszubildenden im Überblick

Während der Ausbildung 
müssen Azubis bestimmten Pflichten nachkommen, hierzu haben sie sich
durch Unterzeichnen des Arbeitsvertrags einverstanden erklärt.

  • Berufsschule, Lern- und Sorgfaltspflicht

    Als
Azubi ist man dazu verpflichtet, nach besten Kräften den gewählten Beruf zu
erlernen, und in diesem Zusammenhang regelmäßig die Berufsschule zu besuchen. Die
Sorgfaltspflicht besagt, dass Auszubildende ihre 
Aufgaben sorgfältig erledigen
und ihre schriftlichen Ausbildungsnachweise ordnungsmäßig führen sollen.

  •  Betriebsordnung und Krankheit

     Auszubildende müssen sich an die
Regelungen, welche die Betriebsordnung vorsieht, jederzeit halten. Sollten sie
einmal krank werden, ist der Betrieb unverzüglich zu informieren und eine
Bescheinigung des Arztes 
vorzulegen.

  • Weisungen und Schweigepflicht

     Erhalten die Azubis Anweisungen von ihren
Ausbildern, müssen sie diesen Folge leisten. Darüber hinaus verpflichten sie
sich auch zur Verschwiegenheit, insbesondere gegenüber Konkurrenzbetrieben
müssen sie 
Stillschweigen in Bezug auf Geschäftsgeheimnisse bewahren.

Welche Rechte haben Auszubildende während der Ausbildungszeit?

Doch Azubis sind nicht nur zur Pflichterfüllung angehalten,
ihnen stehen auch bestimmte Rechte zu. Der Ausbildungsbetrieb muss demnach auch
gewissen Pflichten nachkommen.

  • Vergütung

    Während ihrer Lehre haben Auszubildende Anspruch auf eine
angemessene monatliche Vergütung. Diese muss auch während der Berufsschulzeit
geleistet werden. Wie hoch diese ausfällt, hängt vom gewählten Beruf und     dem
Betrieb ab. Obwohl die Ausbildungsvergütung in der Regel eher gering ausfällt,
muss sie jährlich steigen. Der 2015 eingeführte Mindestlohn von 8,50 Euro muss
während einer Ausbildung allerdings nicht gezahlt werden.     In manchen Bereichen
ist der Lohn so niedrig, dass sogar die Geringverdienergrenze von 325 Euro  unterschritten wird.

  • Arbeitszeit

    Im Betrieb gibt es viel zu tun, jeden Tag ein paar
Überstunden machen, das ist doch normal, oder etwa nicht? Das Arbeitszeitgesetz
bzw. das Jugendarbeitsschutzgesetz bei Minderjährigen regelt genauestens, wie
lange     Auszubildende während ihrer Lehre arbeiten müssen. Ganz so einfach ist
das mit der Mehrarbeit also nicht. Auszubildende dürfen demnach nicht länger
als acht Stunden am Tag bzw. 48 Stunden in der Woche arbeiten, wobei     eine
Sechs-Tages-Arbeitswoche durchaus im Rahmen des Erlaubten liegt. Ausnahmsweise
darf auch zehn Stunden am Tag gearbeitet werden, wenn dies innerhalb eines halben
Jahres nicht mehr als im Durchschnitt acht     Stunden Arbeit am Tag bedeutet. Die
Pausen während der Arbeitszeit müssen geregelt sein, eine halbe Stunde täglich
soll diese betragen und sie ist nach spätestens sechs Stunden einzulegen.                                                    Minderjährige Azubis dürfen hingegen
nur maximal acht Stunden täglich arbeiten, in Ausnahmefällen ist eine halbe
Stunde mehr gesetzlich vertretbar. Für sie gilt jedoch eine maximale
Wochenarbeitszeit von 40 Stunden, also       lediglich eine Fünf-Tage-Woche.
Samstags- und Sonntagsarbeit ist dabei ausgeschlossen. Nach viereinhalb Stunden
Arbeit sollen Jugendliche eine mindestens halbstündige Pause machen.

  • Urlaubsanspruch und Freistellung von der Arbeit

    Während der Berufsschule und in der Prüfungszeit müssen alle
Azubis von der Arbeit freigestellt werden. Eintragungen in das Berichtsheft
sollen in der Arbeitszeit erledigt werden, auch hier muss eine Freistellung
erfolgen. Zu     Überstunden sind Azubis darüber hinaus in der Regel auch nicht
verpflichtet. Dies ist nur in Ausnahmefällen zu rechtfertigen und muss
zusätzlich monetär bzw. mit einem Freizeitanspruch entlohnt werden. In Bezug auf
den     Urlaubsanspruch gibt es für Erwachsene und Jugendliche unterschiedliche Regelungen.
So haben Jugendliche unter 16 Jahre einen Anspruch auf 30 Urlaubstage im Jahr.
Bis zum 17. Lebensjahr gibt es 27 freie Tage, bis 18     insgesamt 25 Werktage. Für
Volljährige gilt das Bundesurlaubsgesetz, welches mindestens 24 Tage Urlaub bei
einer Sechs-Tage-Woche bzw. 20 Urlaubstage bei einer Fünf-Tage-Woche vorsieht.
Es sei denn, im Tarifvertrag ist     etwas anderes enthalten.

  • Kündigung und Probezeit

    Nicht alle jungen Menschen werden mit ihrer Berufswahl
glücklich, nicht selten kommt es vor, dass sie im Laufe der Ausbildung
bemerken, dass der Job eigentlich gar nichts für sie ist. In solchen Fällen
sind die Betroffenen     allerdings nicht schutzlos, denn sie dürfen ihre Berufsausbildung
aufgeben und sich stattdessen in einem anderen Beruf ausbilden lassen. Mit
einer vierwöchigen Frist können sie das Ausbildungsverhältnis zu jedem
Zeitpunkt     kündigen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      Die Probezeit beträgt bei einer
Ausbildung zwischen einem und vier Monate. Wird in einem Ausbildungsvertrag ein
längerer Zeitraum festgesetzt, ist die Probezeit von vornherein hinfällig.
Während der Probezeit dürfen sich          Azubis nichts zu Schulden kommen lassen, denn
in dieser Zeit kann der Arbeitgeber das Verhältnis sofort kündigen, ohne dafür
Gründe nennen zu müssen.  

  • Beendigung der Ausbildung und
    Arbeitszeugnis

    Hat der Auszubildende seine Lehre erfolgreich beendet,
stellt sich die Frage nach dem „Wie geht es weiter?“. Viele Auszubildende
werden von ihrem Betrieb übernommen, darauf haben sie aber keinen generellen
Anspruch.     Für Ausbildungsvertreter gilt eine Besonderheit, denn diese haben bei
offenen Stellen ein Recht auf die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses. Wer seine
Prüfungen nicht besteht, hat einen Anspruch auf eine Wiederholung und     eine
maximale Weiterbeschäftigung von einem Jahr.  

    Laut Gesetz steht jedem Auszubildenden bei
Ausbildungsende mindestens ein einfaches Zeugnis zu. Wenn er ein qualifiziertes
Zeugnis verlangt, so muss der Arbeitgeber ihm ein solches ausstellen.

Handlungsempfehlung: Vielen Auszubildenden ist häufig
nicht bewusst, dass sie nicht nur Pflichten erfüllen müssen, sondern dass ihnen
auch bestimmte Rechte zustehen. Natürlich müssen sie sich trotz aller
aufgezeigten Rechte darüber im Klaren sein, dass nicht jedes Verhalten
toleriert wird. Denn selbst wenn die Probezeit erfolgreich beendet wurde, kann
der Arbeitgeber bei häufigem Zuspätkommen eine wirksame fristlose Kündigung
aussprechen. Das Gleiche gilt auch für die Übernahme, nur weil man als
Ausbildungsvertreter tätig war, gilt das nicht uneingeschränkt als Garantie für
eine weitere Beschäftigung. Seinen Wunsch auf Übernahme muss man seinem
Arbeitgeber nämlich auch auf schriftlichem Weg mitteilen und zwar nicht früher
als drei Monate vor dem Ausbildungsende. 

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