Soziale Medien

fotolia.com/ArTo

Die gesetzliche Unfallversicherung ist ein Zweig der deutschen Sozialversicherung und deckt die Folgen von Arbeitsunfällen ab. Die Mittel, die sie bereitstellt, sollen Leistungsfähigkeit der Versicherten wiederherstellen und diesen so den Wiedereinstieg in das Berufsleben ermöglichen. Damit die Versicherung überhaupt leisten kann, bedarf es allerdings eines Arbeitsunfalls. Wann genau ein solcher vorliegt und wann nicht, ist häufig eine Streitfrage vor Gericht. Auch das Landessozialgericht Baden-Württemberg hatte kürzlich über eine solche Frage zu entscheiden.

Schlägerei mit Türsteher – Arbeitsunfall?

Folgendes hatte sich zugetragen: Ein Mann, der zunächst Alleingeschäftsführer einer Photovoltaikanlagen-Firma war, welche 2008 Insolvent wurde und der danach „Generalbevollmächtigter im Außendienst“ in einer von seinem Vater gegründeten Gesellschaft wurde, die ebenfalls Photovoltaikanlagen verkaufte, hielt sich im September 2013 auf Ibiza auf. Anfang 2013 hatte die Firma des Vaters des Mannes eine Kaufoption für einen Ferrari-Sportwagen gekauft, mit der er auf Ibiza handeln wollte. Der Handel mit Sportwagen ist nicht Gegenstand der Photovoltaik-Firma. Am 15. September zwischen 23 Uhr und Mitternacht geriet der Mann vor einer Disco in einen Streit mit einem Türsteher und zog sich dabei schwere Verletzungen zu. Er wurde mit einem Schädel-Hirn-Trauma in ein Krankenhaus auf Ibiza eingeliefert, dort bis Ende Oktober stationär behandelt und anschließend in eine Klinik in Heilbronn verlegt, wo er sich bis Ende Dezember zu Behandlungszwecken aufhielt. Seine gesetzliche Krankenversicherung erstattete dem Mann von den insgesamt angefallenen 94.000 € für die Auslandskrankenbehandlung nur etwa die Hälfte (45.000 €). Im November meldete die Lebensgefährtin des Mannes den Vorfall als Arbeitsunfall bei der zuständigen Berufsgenossenschaft an. Diese weigerte sich jedoch, zu zahlen und so kam es schließlich zur Gerichtsverhandlung.

Muss die Unfallversicherung für Schlägerei auf Ibiza bezahlen?

Der Mann argumentierte, er habe sich nicht nur zum Handel mit dem Ferrari auf Ibiza befunden, sondern auch um Photovoltaikanlagen zu verkaufen. Der Vorfall, dessentwegen er den fraglichen Antrag bei der Berufsgenossenschaft gemacht habe, habe sich auf dem Nachhauseweg von einem geschäftlichen Termin ereignet. Seine Angaben über Geschäftsessen und sonstige Aktivitäten hatten sich jedoch widersprochen. Nach Würdigung aller Umstände befand das Gericht nun, dass seine Reise nach Ibiza nicht unter dem Schutz der Unfallversicherung gestanden hatte, und dass diese folglich auch nicht zu Leistungen verpflichtet sei.

Quelle: http://www.kostenlose-urteile.de/LSG-Baden-Wuerttemberg_L-6-213116_Schaedel-Hirn-Trauma-nach-Auseinandersetzung-mit-Tuersteher-auf-Ibiza-muss-nicht-als-Arbeitsunfall-anerkannt-werden.news24015.htm