Urteil für Mord ohne Leiche

Verfasst von Julia Brunnengräber am 11. Juni 2012

Kann jemand zum Mord verurteilt werden, wenn die Leiche nie gefunden wurde? Das LG Trier tat genau das: Es verurteilte einen Mann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Jetzt bestätigte auch der BGH das Urteil.

Tödliche Auseinandersetzungen in der Eifel

Ein Mann lebte auf einem Gehöft in der Eifel. Er konnte den Hof finanziell nicht mehr halten, erhielt aber ein lebenslanges Wohnrecht dort. Das aber sollte sich auf lange Sicht gesehen nicht als sein Glück, sondern als Unglück herausstellen. Der Grund dafür: Ein Ehepaar kaufte das Gehöft. Der Käufer kam aber offenbar nicht mit der gemeinsamen Wohnsituation zurecht. Die Auseinandersetzungen nahmen zu, bis der Eigentümer auf seinen Mitbewohner einen Schuss abfeuerte, was sich schon damals im Jahre 1988 ereignete. Wegen versuchten Mordes hätte der Täter schon zu dieser Zeit ins Gefängnis gehen müssen. Stattdessen floh er aus der U-Haft, tauchte unter und konnte bis zur Vollstreckungsverjährung unentdeckt bleiben. Und damit nicht genug: Im Anschluss daran zog er wieder auf das Gehöft – und wieder wurde sein Mitbewohner Opfer seiner Taten. Erst bot er einem auf dem Anwesen lebenden Mieter 10.000 Euro an, um den Mitbewohner zu töten. Als dieser ablehnte, ging der Besitzer der Anwesens selbst mit einer Schaufel auf sein Opfer los und drohte ihm, „das Hirn aus dem Kopf“ zu schlagen. Im gleichen Jahr wurde der bedrohte Mann das letzte Mal gesehen, als er mit seinem Auto vor seiner Wohnung ankam. Eben dieses Auto konnte später in Luxemburg wiedergefunden werden. Vor dem LG Trier wurde das Verfahren geführt.

LG Trier: Habgiermord bei voller Schuldfähigkeit – Bestätigung durch den BGH

Das LG Trier nahm sich den vermeintlichen Täter vor, der begründetermaßen unter Hauptverdacht stand. Es stellte zum einen fest, dass er an einer schizotypischen Persönlichkeitsstörung leidet, zum anderen aber auch, dass er trotzdem voll schuldfähig ist. Das LG führte zudem ein Ausschlussverfahren durch. Es stellte sich heraus, dass der Hofbesitzer der Täter ist und er es war, der das Auto in Luxemburg positioniert hatte. Alle anderen Alternativen konnte das LG ausschließen. Außerdem sprachen die Indizien dafür, dass der Anwesenseigentümer wieder zum Täter geworden war und zwar in zweifacher Hinsicht: Die Anstiftung zum Mord seines Mieters konnte ihm eindeutig zur Last gelegt werden. Ebenso sei „rechtsfehlerfrei“ anzunehmen, dass er einen Habgiermord – also einen Mord aus niederen Gründen – begangen hat. Der BGH bestätigte das sowie die Rechtskräftigkeit des Urteils der lebenslangen Freiheitsstrafe.

  • Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs vom 4. Mai 2012, Az.: 2 StR 395/11

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