Gynäkologe muss über Nebenwirkungen der Pille aufklären

Verfasst von Manuela Frank am 27. März 2005

Eigentlich soll die „Pille“ als Verhütungsmittel und Beschwerdelinderer fungieren. Doch dass ein Antikonzeptionsmittel auch weitaus drastischere Nebenwirkungen als nur Gewichtszunahme oder Übelkeit hervorrufen kann, ist den meisten Frauen nicht bewusst. Im vorliegenden Fall erlitt die Klägerin durch die Einnahme der Pille „Cyclosa“ sogar einen Schlaganfall. Hirninfarkt durch Medikament Mit ihrer Klage forderte die Klägerin, die 1965 geboren wurde, Schadensersatz von ihrer Gynäkologin. Diese verschrieb der Klägerin im November des Jahres 1994 das Medikament „Cyclosa“, welches ihre Menstruationsbeschwerden lindern sollte. Ab Dezember desselben Jahres nahm die Klägerin diese Pille ein. Zwei Monate später erlitt sie dann einen Hirninfarkt, dessen Ursache in der Wechselwirkung zwischen der Pilleneinnahme und ihrem Nikotingenuss lag. Erhöhte Gefahr für Raucherinnen Laut Packungsbeilage waren Raucherinnen erheblich stärker risikobelastet, schwere Gefäßveränderungen zu erleiden. Ein solches Risiko stieg mit dem Zigarettenkonsum und dem Alter. Aus diesem Grund sollten Frauen, die das 30. Lebensjahr überschritten haben, auf die Einnahme des Medikamentes verzichten, falls sie rauchen. Urteil der Vorinstanzen Den Schadensersatzanspruch hat das Berufungsgericht abgelehnt. Die von der Klägerin eingelegte Revision führte dazu, dass der BGH das Urteil aufhob und eine Zurückverweisung an das Berufungsgericht vornahm. Als Grund wurde angeführt, dass die angeklagte Gynäkologin die Klägerin über Risiken und Nebenwirkungen, die durch das Medikament verursacht werden können, hätte aufklären müssen. Im vorliegenden Fall sei es unzureichend, sich lediglich auf die Warnhinweise aus dem Gebrauchszettel zu verlassen. Die behandelte Ärztin stand in der Pflicht, die Klägerin persönlich auf ein bestehendes Schlaganfallrisiko hinzuweisen. Erst wenn dieser Schritt erfolgt sei, liege es im Selbstbestimmungsrecht der Klägerin, das Medikament einzunehmen und im Gegenzug mit dem Rauchen aufzuhören, oder auf die Medikamenteneinnahme zu verzichten, wenn die Nikotinsucht zu stark sei. Quelle:

  • Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs vom 15. März 2005; AZ: VI ZR 289/03

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