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Den Grad der Behinderung bei Fibromyalgie rechtlich durchsetzen

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Was ist Fibromyalgie?

Die Fibromyalgie, oder besser: Fibromyalgie-Syndrom, ist eine schwere chronische Erkrankung, die sich durch Faser-Muskel-Schmerz bemerkbar macht. Dieser Schmerz gibt der Erkrankung auch ihren Namen: Fibromyalgie bedeutet wörtlich übersetzt „Faser-Muskel-Schmerz“. Bei eben diesen Schmerzen leiden die Betroffenen unter ständigen Schmerzen und einer erhöhten Druckempfindlichkeit in Gelenken und Muskeln. Insbesondere der Schmerz und die Schmerzverarbeitung verursacht bei den Patienten immensen Stress und mündet in unerträglichen Beschwerden, da sie einen Ganzkörperschmerz verspüren. Zu diesen belastenden Hauptbeschwerden kommen häufig bei der Diagnose einer Fibromyalgie auch noch Symptome wie Schlafstörungen, Antriebsschwäche, Müdigkeit, Migräne, Reizblase, Reizdarm, Konzentrationsstörungen, Wortfindungsstörungen, chronische Erschöpfung und ein Schwellungsgefühl an Füßen und Händen hinzu. Aufgrund der Belastung durch die chronische Erkrankung treten bei etwa dreiviertel der Patienten zudem depressive Verstimmungen bzw. Anzeichen einer Depression ein.

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Verschiedene Quellen geben an, dass zwischen 0,6 und 4 Prozent der Menschen unter Fibromyalgie leiden. Häufig tritt FMS außerdem bei 40-60 Jährigen auf. Allein in Deutschland sind diesen Zahlen folgend zwischen 480.000 und 3.200.000 Menschen betroffen. Etwa 85-90% aller Fibromyalgiepatienten sind Frauen.

Was ist die Ursache der Erkrankung?

Die Erkrankung verläuft ohne entzündliche Werte im Blutbild. Bisher hat die Forschung keine Ursachen gefunden, wie eine Fibromyalgie genau entsteht. Die Anlage zu Fibromyalgie wird nach aktuellem Stand der Forschung wahrscheinlich vererbt, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt. Beim Ausbruch der Erkrankung bzw. der Symptome kommen, so vermuten die Forscher, verschiedene auslösende Faktoren zusammen. Zu diesen Faktoren zählen unter anderem eine gestörte Hormonbalance (zum Beispiel aufgrund des Eintritts der Wechseljahre), Vitamin-D-Mangel oder rheumatische Erkrankungen. Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht, sowie ein generell ungesunder Lebensstil können Fibromyalgie zudem begünstigen.

Was kann ich gegen FMS tun?

Die Krankheit „FMS“ gilt aktuell als unheilbar. Es gibt keine wirksame Therapie, lediglich eine Behandlung der Symptome ist möglich. Das Fibromyalgie-Syndrom erfordert in jedem Fall eine Behandlung, die Körper wie Psyche gleichermaßen betrachtet und an mehreren Stellen ansetzt. Im Allgemeinen empfehlen Ärzte Patienten ein leichtes Ausdauertraining in Kombination mit Entspannungsübungen. In Fällen schwerer Formen der Fibromyalgie können Ärzte auch Arzneimittel verschreiben – insbesondere krampflösende Mittel und Medikamente gegen Depressionen.

Fibromyalgie als Behinderung

Nach deutschem Recht können Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom als behindert im Sinne des Sozialrechts eingestuft werden. Welchen Grad der Behinderung (GdB) der Patient jeweils zugesprochen bekommen kann und auf welchen rechtlichen Grundlagen die Einstufung basiert, wird hier dargestellt:

Für die Bewertung einer Krankheit wie Fibromyalgie spielen die Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) und die versorgungsmedizinischen Grundsätze eine zentrale Rolle. Die Grundsätze sind in dieser als Anlage festgehalten und bilden einen Katalog, in welchem körperliche Funktionseinschränkungen bei den Patienten dokumentiert sind.

Als zusammenhängende körperliche Funktionssysteme des betroffenen Menschen verstehen wir hierbei das Gehirn einschließlich der Psyche, Augen, Ohren, Atmung, Herz-Kreislauf, Verdauung, Harnorgane, Geschlechtsapparat, Haut, Muskeln, das Blut einschließlich des blutbildenden Gewebes und Immunsystem, innere Sekretion und Stoffwechsel, Arme, Beine und Rumpf.

Die versorgungsmedizinischen Grundsätze werden auf wissenschaftlicher Basis durch die Forschung erstellt und weiterentwickelt; Verwaltung und Gerichte sind an sie gebunden. Gerichte dürfen die versorgungsmedizinischen Grundsätze nur beschränkt überprüfen und nur in Ausnahmefällen von ihnen abweichen. Folgende Urteile sind dazu u.a. ergangen:

  • LSG Niedersachsen-Bremen – Urteil vom 03.05.2006 – L 9 SB 45/03
  • Bundessozialgericht – Urteil vom 17.04.2013 – B 9 SB 3/12 R
  • Bundessozialgericht – Urteil vom – 24.04.2008 B 9/9a SB 10/06 R.

Grad der Behinderung (GdB) bei Fibromyalgie-Syndrom

Die Fibromyalgie wird in den versorgungsmedizinischen Grundsätzen im Abschnitt 18 (Haltungs- und Bewegungsorgane, rheumatische Krankheiten) aufgeführt. Hier ist der Fibromyalgie jedoch kein Grad der Behinderung (GdB) zugeordnet. Dieser muss im Fall der Fibromyalgie also nach den Umständen des Einzelfalls für jeden Patienten ermittelt werden. In diesen versorgungsmedizinischen Grundsätzen ist hierzu zu lesen:

„Die Fibromyalgie […] und ähnliche Syndrome sind jeweils im Einzelfall entsprechend der funktionellen Auswirkungen analog zu beurteilen.“ Dass das Ausmaß der Funktionsbeeinträchtigung unter Berücksichtigung der jeweiligen Organbeteiligung und der Gesamtauswirkungen auf den allgemeinen Zustand geprüft werden müssen, wurde durch eine Vielzahl von Gerichtsurteilen, etwa des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen, betätigt:

Das Bayerische Landessozialgericht stellte in einem 2011 ergangenen Urteil bei einem FMS-Patienten beispielsweise einen Gesamt-Grad der Behinderung (GdB) von 50 fest. Die Schwelle zu einer Schwerbehinderung liegt eben bei einem GdB von 50% und war im vorliegenden Befund somit gegeben.
Beachten Sie allerdings die im Urteil des LSG München (L 13 R 211/16) festgelegten, hohen Anforderungen an die anzuführenden Beweise, bevor Sie in einen Rechtsstreit einsteigen. Zeigen Sie Ihrem Anwalt darüber hinaus die o.g. Urteile. Ein Rechtsanwalt für Medizinrecht sollte die Anforderungen allerdings bereits kennen.

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Weitere Informationen liefern auch die Leitlinien „Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms“

Mehr Informationen erhalten Sie als Mitglied im Fibromyalgie Verein Bayern e.V.. Dieser bietet auch einen Newsletter zum Thema Fibromyalgie-Syndrom an.

 

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