Gesetzestext zum Erbrecht

fotolia.com/Marco2811

Erbrecht in Deutschland und den USA

Verfasst von Christian Schebitz am 19. September 2015

Das Erbrecht Deutschlands und das Erbrecht der USA
unterscheiden sich grundlegend voneinander. Gerade vor dem Hintergrund der
zahlreichen familiären Beziehungen, die zwischen beiden Ländern bestehen, ist
dies für viele Menschen von großer Bedeutung. 
Der folgende Artikel gibt einen kurzen Einblick in die beiden
Erbrechtssysteme und die wesentlichen Unterschiede.

Welches Erbrecht gilt in Deutschland und in den USA?

Mit Hinblick auf das Erbrecht der USA muss zunächst
angemerkt werden, dass es ein einheitliches Erbrecht in den USA nicht gibt.
Zwar wurde mit dem sogenannten Uniform Probate Code in den 1960er Jahren ein
Gesetz verkündet, das das Erbrecht in den USA vereinheitlichen sollte –
allerdings haben nur 18 der 50 Bundesstaaten der USA die entsprechenden
Vorgaben umgesetzt.

Die große Zahl verschiedener Regelungen führt beispielsweise
dazu, dass ein eigenhändig verfasstes Testament in Florida nur dann wirksam
ist, wenn es von Zeugen unterschrieben wurde. Kalifornien kennt diese Regelung
nicht, eigenhändige Testamente sind dort auch ohne die Unterschrift von Zeugen
gültig. Trotz der abweichenden Regelung in Kalifornien ist das
zwei-Zeugen-Testament in den USA die am weitesten verbreitete Form der
Testamentserrichtung. Die in Deutschland am weitesten verbreiteten Formen, das
notarielle Testament und das eigenhändige Testament sind in den USA weitgehend
unbekannt bzw. je nach Bundesstaat ungültig.

Deutschland oder USA
– wie ist die Rechtslage?

Ob in einem Erbfall das deutsche oder das us-amerikanische
Erbrecht anzuwenden ist, spielt aufgrund der unterschiedlichen
Rechtsauffassungen für die Beteiligten eine große Rolle. Das deutsche Erbrecht
stellt bei der Frage, welches Erbrecht in einem Erbfall anzuwenden ist,
prinzipiell auf die Staatsbürgerschaft des Erblassers ab (dieses Prinzip wurde
mit Umsetzung der EU-Erbrechtsverordnung für Erbfälle in den meisten
EU-Mitgliedsstaaten allerdings aufgehoben).

Dies hat zur Folge, dass deutsche und amerikanische Gerichte
bei der Beurteilung ein und derselben Erbsache durchaus zu unterschiedlichen
Ergebnissen kommen können. Für Erben kann es daher im Einzelfall sinnvoll sein,
das Gericht anzurufen, das voraussichtlich zu dem für sie besseren Ergebnis
kommen wird. Diese Praxis wird als „forum shopping“ bezeichnet.

Im Erbrecht der USA wird bei beweglichem Vermögen stets der
letzte Wohnsitz des Erblassers betrachtet, bei unbeweglichem Vermögen
(Immobilien) der Ort, an dem sich dieses befindet. Ein weiterer signifikanter
Unterschied zwischen beiden Erbrechtssystemen ist das Pflichtteilsrecht. Dieses
schränkt die Testierfreiheit des Erblassers im deutschen Erbrecht teilweise
ein, ist im amerikanischen Erbrecht allerdings gänzlich unbekannt (Ausnahme:
der Bundesstaat Louisiana). In den USA herrscht totale Testierfreiheit vor und
wer vom Erblasser bei der Verteilung des Erbes nicht bedacht wird, hat Pech
gehabt.

Liegt kein Testament vor, so sehen beide Rechtsordnungen
eine gesetzliche Erbfolge vor. Die gesetzliche Erbfolge nach deutschem Erbrecht
unterscheidet sich jedoch teilweise erheblich von der gesetzlichen Erbfolge in
den verschiedenen Bundesstaaten der USA.

Trust und joint
tenancy im Erbfall

Eine in den USA weit verbreitete Einrichtung zur Regelung
der Erbangelegenheiten ist der Trust. Dieser wird vom Erblasser in der Regel
errichtet, um das förmliche Nachlassverfahren zu umgehen. Ein sogenannter
Trustee verwaltet den Trust du kümmert sich um die Erbangelegenheit. Unter
joint tenancy wird eine Art Gesamthandschaft an Vermögensgegenständen.
Verstirbt einer der Miteigentümer, so geht das Volleigentum automatisch an den
anderen Eigentümer über.

Wie ersichtlich ist, können deutsch-amerikanische
Erbschaften etliche rechtliche Fallstricke beinhalten. Erben ist es auf jeden
Fall anzuraten, sich mit Ihrem Anliegen an einen erfahrenen und versierten
Rechtsanwalt zu wenden.

Weitere Artikel zum Thema Erbrecht:


Kompetente Rechtsberatung zu diesem Thema bieten diese ausgewählten Anwälte:

Services zu diesem Thema: