Die wichtigsten Fakten zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Verfasst von Christian Schebitz am 12. August 2015

Berufsunfähigkeitsversicherung
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Viele Menschen beschäftigt die Frage, ob sich der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) für sie lohnt oder nicht. Während Versicherungsfirmen selbst die Berufsunfähigkeitsversicherungen als unverzichtbaren Bestandteil einer angemessenen Absicherung gegen mögliche langfristige Erkrankungen anpreisen, stellt sich bei genauerer Betrachtung heraus, dass eine BU-Versicherung nicht für jedermann nötig ist. Was bei der Wahl einer Versicherung und beim Abschluss von Verträgen über eine Berufsunfähigkeitsversicherung beachtet werden muss, soll hier nun näher erläutert werden.

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Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine in aller Regel privat abgeschlossene Vertragsvereinbarung, die Leistungen der Versicherung für den Fall vorsieht, dass der Versicherungsnehmer  krankheits-, unfall– oder invaliditätsbedingt seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Auch im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es die Möglichkeit, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen – dies gilt allerdings nur für Personen, die vor dem 1. Januar 1961 geboren sind.  Berufsunfähigkeitsversicherungen im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherungen bieten Versicherten außerdem ein wesentlich geringeres Leistungsspektrum als eine privat geschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung. Normalerweise endet der Versicherungsschutz einer BU-Versicherung mit dem 65. oder dem 67. Lebensjahr, also mit dem Ausscheiden des Versicherungsnehmers aus dem Erwerbsleben.

Arten der Berufsunfähigkeitsversicherung

Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung kann auf zwei Wegen erfolgen. Zum einen gibt es die sogenannte selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung (SBU), die aufgrund eines selbstständigen Vertrages zustande kommt, zum anderen kann die Berufsunfähigkeitsversicherung auch als Zusatzversicherung (Berufsunfähigkeitszusatzversicherung – BUZ) zu einer Rentenversicherung oder Lebensversicherung abgeschlossen werden. Aufgrund der spezifischen vertraglichen Ausgestaltung der beiden Versicherungstypen bieten diese dem Versicherungsnehmer jeweils spezielle Vor- und Nachteile; Hierauf ist bei Abschluss einer BU-Versicherung zu achten. Eine selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung weist zwar im Vergleich zu einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung etwas höhere Beiträge auf, kann jedoch problemlos gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden, was bei einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung nicht ohne Weiteres möglich ist. Eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung ist zwar in der Regel mit geringeren Beitragszahlungen für den Versicherungsnehmer verbunden, allerdings können die vertraglich gekoppelten Versicherungsarten nicht selbstständig weiterlaufen. Dies ist für die Berufsunfähigkeitsversicherung dann besonders nachteilig, wenn etwa die Versicherung des Hauptvertrages nicht mehr gezahlt werden kann.

Leistungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Leistung der Versicherung besteht im Versicherungsfall darin, dem Versicherungsnehmer eine bei Vertragsschluss festgelegte Berufsunfähigkeitsrente zu zahlen. Voraussetzung ist, dass der Versicherungsnehmer seinen Beruf ganz oder teilweise nicht mehr ausüben kann. Die durch die Versicherung zu zahlende Rente dient normalerweise der Deckung der Lebenshaltungskosten des Versicherungsnehmers. Viele Versicherungen nehmen in ihre Verträge folgende Bestimmungen über die Voraussetzungen für die Berufsunfähigkeit auf: „Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich für die Dauer von mindestens drei Jahren (Prognosezeitraum) außer Stande ist, seinen Beruf, wie er vor Eintritt der Krankheit, Körperverletzung oder des Kräfteverfalles beschaffen war, auszuüben.“ Bei teilweiser Berufsunfähigkeit: „Teilweise Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich für die Dauer von mindestens 6 Monaten (Prognosezeitraum) nur noch zu 50 % imstande ist, seinen Beruf, wie er vor Eintritt der Krankheit, Körperverletzung oder des Kräfteverfalls beschaffen war, auszuüben.“ Wie sich aus dieser Formulierung bereits ergibt, kommt der Dauer des sogenannten Prognosezeitraums eine große Bedeutung zu. Bei Vertragsschluss sollte daher darauf geachtet werden, dass der Prognosezeitraum sechs Monate beträgt. Ein „voraussichtlich dauerhafter Zeitraum“ wird in der Rechtsprechung mit drei Jahren angesetzt, was sich für den Versicherten als ungünstig erweisen kann.

Was ist eine abstrakte Verweisung bei der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine große Rolle spielte im Versicherungsvertragsrecht früher der Begriff abstrakte Verweisung. Die abstrakte Verweisung gibt dem Versicherungsunternehmen das Recht, die Zahlung der Versicherungsleistung zu verweigern, wenn es nachweislich einen gleichartigen Beruf (Verweisungsberuf) gibt, in dem die versicherte Person aufgrund ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten noch arbeiten kann und wenn dieser Beruf es dem Versicherten ermöglicht, in der bisher dagewesenen Lebensstellung zu verbleiben. Relevant ist hierbei nur das Vorhandensein eines Berufs – ob der Versicherte also eine angemessene Stelle in diesem Beruf findet, liegt vollkommen in seinem Risikobereich. Die abstrakte Verweisung ist in Versicherungsbedingungen heute nur noch selten zu finden, sollte aber auf jeden Fall geprüft werden.

Wer sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Grundsätzlich kann sich jede Person gegen eine Berufsunfähigkeit versichern, neben Arbeitnehmern und Selbstständigen also auch Hausfrauen, Studenten und Beamte. Es liegt auf der Hand, dass der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht für jede der genannten Gruppen sinnvoll ist. Gerade für Selbstständige ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll, da mit ihrer durch die Versicherung abgedeckten Arbeitskraft das Unternehmen des Selbstständigen vorangetrieben wird. Beamte können nicht Berufsunfähig werden, sondern dienstunfähig. Hierfür gibt es eine Absicherung von Seiten des Staates, diese ist jedoch, genau wie die Berufsunfähigkeitsversicherung im Rahmen der gesetzlichen Rentenversicherung, nicht besonders umfangreich. Von einigen Versicherungsunternehmen werden deshalb speziell auf die Bedürfnisse von Beamten zugeschnittene Berufsunfähigkeitsversicherungen angeboten, die eine sogenannte Dienstunfähigkeitsklausel enthalten. Bei Dienstunfähigkeitsklauseln werden zusätzlich in die sogenannte echte Dienstunfähigkeitsklausel und die unechten Dienstunfähigkeitsklausel unterschieden. Der Unterschied liegt hierbei in den Voraussetzungen für das Zustandekommen des Versicherungsfalls.

Zahlt das Versicherungsunternehmen im Fall einer Berufsunfähigkeit?

Wie sich unter anderem in einigen bis vor den Bundesgerichtshof gelangten rechtlichen Auseinandersetzungen gezeigt hat, sind die Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen daran interessiert, ihre Zahlungen so bald als möglich einzustellen oder zumindest zu reduzieren. Der Bundesgerichtshof hatte im Jahr 2010 unter anderem über zwei Fälle zu entschei
den, in denen sich Versicherer geweigert hatten, ihrer Pflicht zur Zahlung der vertraglich vereinbarten Leistungen nachzukommen. In einem Fall hatte eine Frau während ihrer Ausbildungszeit eine Verletzung mit Hirnblutungen erlitten und war infolgedessen teilweise berufsunfähig geworden. Die Frau schloss ihre Ausbildung ab und arbeitete auch in ihrem Beruf. Die Versicherung argumentierte jedoch, dass die Frau in einem anderen Beruf arbeiten würde und lehnte daher weitere Zahlungen ab. Der BGH stufte die Tätigkeit der Frau jedoch als Teilbereich ihres erlernten Berufes ein und entschied daher zugunsten der Frau (Urteil des BGH  vom 24.02.2010, Az.: IV ZR 119/09). In einem weiteren Fall war ein Schreiner nicht mehr in der Lage gewesen, seinen Beruf auszuüben, da er an Asthma bronchiale erkrankt war. Nachdem er eine Tätigkeit im Außendienst einer Firma im Garten- und Technikbereich aufgenommen hatte, stellte das betroffene Versicherungsunternehmen seine Zahlungen ein und argumentierte damit, dass die neue Stellung des ehemaligen Schreiners mit seiner früheren Tätigkeit vergleichbar sei. Auch in diesem Fall stufte der Bundesgerichtshof die Lage jedoch anders ein und entschied zugunsten des versicherten ehemaligen Schreiners (Urteil des BGH vom 21.04.2010, Az.: IV ZR 8/08). Versicherte, die in diesem Zusammenhang im Rechtsstreit mit ihrer Versicherung stehen oder auch nur von vornherein auf der sicheren Seite sein wollen, sollten sich auf jeden Fall von einem versierten Rechtsanwalt beraten und vertreten lassen.

Besteuerung der Berufsunfähigkeitsrente

Eine Berufsunfähigkeitsrente ist grundsätzlich steuerpflichtig und damit zu versteuern. Bei privatrechtlich abgeschlossenen BU-Versicherungen ist der Ertragsanteil für Besteuerung maßgeblich. Die Höhe des Ertragsanteils ist abhängig von der Rentenart und vom Alter des Rentenberechtigten bei Beginn der Rentenzahlungen. Je länger die Laufzeit noch ist, desto höher fällt der Ertragsanteil und damit auch die Besteuerung der Rente aus. Die maßgebliche Rechtsvorschrift ist in diesem Zusammenhang § 55 Einkommensteuerdurchführungsverordnung (EStDV), hier ist detailliert beschrieben, wie hoch der Ertragsanteil einer Berufsunfähigkeitsrente in Abhängigkeit von der verbleibenden Laufzeit ist.

Beitragshöhe bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Im Vergleich zu anderen Versicherungsarten (z.B. Haftpflichtversicherungen, KFZ-Versicherungen) sind die durch den Versicherungsnehmer einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu zahlenden Beiträge relativ hoch. Ein Grund hierfür ist der lange Zeitraum, der durch die Berufsunfähigkeitsversicherung abgedeckt wird. Dieser kann individuell vereinbart werden, dauert, wie schon erwähnt, jedoch in der Regel bis zum 65. oder 67. Lebensjahr des Versicherten an. Neben der Dauer spielen andere Faktoren wie die Berufsgruppe des Versicherten, das Eintrittsalter, der Gesundheitszustand und die Höhe der gewünschten und vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente im Versicherungsfall eine Rolle für die Höhe der Beiträge.

Hilfreiche Kriterien bei der Auswahl einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Der Versicherungsmarkt bietet eine große Anzahl an Angeboten für Menschen, die sich für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung interessieren. Auf jeden Fall ist es ratsam, bei der Wahl der geeigneten Versicherung folgende Punkte zu beachten:

 

  • Die abstrakte Verweisung sollte kein Vertragsbestandteil sein
  • Eine zinslose Stundung der Beiträge sollte möglich und im Vertrag festgeschrieben sein
  • Der Prognosezeitraum lediglich sechs Monate lang sein
  • Eine Nachversicherungsgarantie sollte Bestandteil des Versicherungsvertrages sein, etwa für die Erhöhung der Rente im Falle einer Heirat
  • Der Vertrag sollte eine Klausel über die Möglichkeit einer rückwirkenden Zahlung für mindestens 3 Jahre bei verspäteter Meldung enthalten.


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