Darf man mehr als 8 Stunden arbeiten?

Verfasst von Christian Schebitz am 31. August 2015

Arbeitnehmer
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Es kann bei der Arbeit vorkommen, dass die Aufgaben innerhalb der festgelegten Zeitspanne von acht Stunden nicht erledigt werden konnten und unbedingt bis zum nächsten Tag fertig sein müssen. Oder man arbeitet nur für kurze Zeit in einem Betrieb und möchte so viel Geld wie möglich verdienen. Ist es in solchen Fällen erlaubt, mehr als 8 Stunden zu arbeiten oder verstößt man gegen das Arbeitszeitgesetz?

Was ist die Arbeitszeitregelung?

Die gesetzlich festgelegte Arbeitszeit ist von zahlreichen Faktoren abhängig, die rechtliche Grundlage bildet jedoch das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Dort ist festgelegt, dass die werktägliche Arbeitszeit eine Zeitspanne von 8 Stunden nicht übersteigen darf. Nach § 3 ArbZG  ist eine Verlängerung auf bis zu 10 Stunden nur möglich, wenn dafür an anderen Tagen weniger gearbeitet wird und die durchschnittliche Arbeitsdauer innerhalb von 24 Wochen dennoch acht Stunden nicht überschreitet. Die maximale wöchentliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden, da an jedem Werktag 8 Stunden gearbeitet werden darf und der Samstag auch als Werktag gilt. Zusätzlich sollte beachtet werden, dass nach 6 Stunden Arbeit eine 30-minütige Pause eingelegt werden muss, die jedoch nicht zur eigentlichen Arbeitszeit zählt.

Nach § 9 ArbZG herrscht an Sonn- und Feiertagen ein Arbeitsverbot. Je nach Berufszweig gibt es davon jedoch Ausnahmen. So kann das Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ebenso weiter arbeiten wie die Servicekräfte in der Gastronomie oder das Personal im Nah- und Fernverkehr. Als Ausgleich für die zusätzliche Arbeit muss jedoch ein Ersatzruhetag gewährt werden und nach § 11 ArbZG mindestens 15 Sonntage im Jahr frei sein.

Wann darf man mehr als 8 Stunden arbeiten?

Ausnahmen von der Arbeitszeitregelung liegen nach § 18 ArbZG bei einer Tätigkeit als leitender Angestellter oder Chefarzt, Leiter von öffentlichen Dienststellen, Priester im Rahmen von Gottesdiensten und Pflegekräften, die in häuslicher Gemeinschaft mit ihrem Schutzbefohlenen leben, vor. In solchen Fällen sind Arbeitszeiten von mehr als 8 Stunden zulässig. Zusätzliche Ausnahmen können im Fall von Tarifverträgen entstehen, wenn im Rahmen der Arbeitszeit größtenteils Bereitschaftsdienste geleistet werden. Auch in den Bereichen der Landwirtschaft, der Pflege und des öffentlichen Dienstes sind Ausnahmen von der Arbeitszeitregelung möglich, insofern die Ruhezeiten entsprechend nachgeholt werden. Zentral ist bei einer solchen Regelung jedoch die in Deutschland übliche Vertragsfreiheit, die es dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer ermöglicht, individuelle Regelungen, etwa zu Überstunden, zu treffen.

Gibt es einen Ausgleich für Überstunden?

Überstunden müssen vertraglich festgelegt sein. Ist das nicht der Fall, ist der Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet, seine Leistungen über seine festgelegte Arbeitszeit hinaus zu erbringen. Eine Ausnahme ist nur in besonderen Situationen möglich, in denen der Arbeitgeber die Arbeitskraft dringend benötigt. So hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einem Urteil etwa entschieden, dass ein dringender Auftrag Überstunden rechtfertigt. Schwerbehinderte und Schwangere sind von dieser Sonderregelung jedoch ausgeschlossen. Überstunden müssen in jedem Fall vergütet werden, sei es durch einen Freizeitausgleich oder den normalen Lohn.

Quellen:

http://www.gesetze-im-internet.de/arbzg/BJNR117100994.html#BJNR117100994BJNG000100307

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 27.02.1981 – 1162/78 –

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